Historische Baustoffe wie Lehm oder Holz in Kombi- nation mit modernen Materialien könnten helfen, widerstandsfähigere Gebäude zu schaffen. Auch der bewusste Verzicht auf chemische Holzschutzlasuren oder die Wiederverwendung alter Bauelemente seien wichtige Schritte in Richtung nachhaltiges Bauen.
„ Wir müssen Gebäude völlig neu denken – Abriss nach 20 oder 30 Jahren ist nicht mehr tragbar.“
Herbert Hofer Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Schutz vor Extremwetter – Lehren aus der Schweiz
Martin Jordi, Geschäftsführer der Präventionsstiftung der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen( VKG), gab Einblicke in Schweizer Strategien zum Schutz vor Extremwetterereignissen. Angesichts steigender Schäden durch Überschwemmungen, Hagel und Stürme setzt die Schweiz auf ein dreistufiges Risikomanagement aus Prävention, Versicherung und Intervention. Ein entscheidender Faktor sei die „ Schwammstadt“, ein Konzept, das den natürlichen Wasserkreislauf in urbanen Gebieten wiederherstellt, indem Wasser nicht abgeleitet, sondern gespeichert wird, um an heißen Sommertagen eine Kühlwirkung zu erzielen. „ Mehr Blau und Grün statt Grau – wir müssen Wasser nicht loswerden, sondern es nutzen“, appellierte Jordi. Flankierend könnten simple Maßnahmen wie hochgezo- gene Lichtschächte oder angepasste Gebäude- sockel effektiv vor Wasserschäden schützen.
Hofer sprach sich zudem für eine Neubewertung bestehender Gebäude aus: „ Wir müssen die Bausubstanz, die wir heute haben, anders bewerten und uns die Frage stellen: Was würde das Gebäude kosten, wenn wir es heute bauen würden?“ Diese Betrachtung könne helfen, unnötigen und teuren Abriss zu vermeiden und Sanierung als( auch wirtschaftlich) nachhaltige Alternative in den Vordergrund zu stellen. Dabei müsse die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes berücksichtigt werden – manche Fachwerkhäuser seien über 600 Jahre alt, während viele moderne Gebäude nach wenigen Jahrzehnten ersetzt würden. Bei Neubauten sei die Materialwahl immer entscheidender. Hofer betonte, dass herkömmliche Baustoffe gezielt eingesetzt werden sollten. Holz, Lehm und Stahlbeton sollten in sinnvoller Kombination verwendet werden, ohne einen einzelnen Baustoff zu verteufeln oder zu idealisieren. Gerade im Kontext der zunehmenden Sandknappheit sei es wichtig, auf alternative, nachwachsende Naturstoffe zu setzen. Eine Skalierung der natürlichen Baustoffe in Anwendung und Produktion sei hilfreich für die Bewältigung der derzeitigen Herausforderungen.
Jordi erläuterte zudem die Bedeutung von Gefahrenkarten und Flächenschutzmaßnahmen, die in der Schweiz zur Risikobewertung eingesetzt werden. Er wies darauf hin, dass 95 % aller Gebäudeschäden durch Überschwemmung, Hagel und Sturm verursacht werden. Dabei seien viele Schäden in Gebieten entstanden, die nur als gering gefährdet galten. „ Wir müssen lernen, gemeinsam zu planen. Die Umgebungsgestaltung spielt eine entscheidende Rolle, um Wasser gezielt abzuleiten und Gebäude zu schützen.“
„ Mehr Blau und Grün statt Grau – wir müssen Wasser nicht loswerden, sondern es nutzen.“
Martin Jordi Geschäftsführer der Präventionsstiftung der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen( VKG)