ungamdeutsche Organisationen , Zuständige und Fachgremien wie auch immer , sondern auch die ungamdeutsche Elterngesellschaft hat ein Auge zugemacht und ist froh nur darüber gewesen , das Kindlein in einer ungamdeutschen Nationalitätenklasse zu wissen .
Selbstverständlich gilt die Kritik nicht jeder schulischen Einrichtung der deutschen Nationalität . Allerdings erfolgte der Ausbau eines zahlenmäßig starken Grundschulnetzes teilweise auf Konto des sprachlichen Niveaus . In ungamdeutschen Nationalitätengymnasien sind sprachliche Kompetenzen von Lehrkräften und Schülern viel weniger zu tadeln , was wohl auch den rigorosen Aufnahmevoraussetzungen zu verdanken ist . Selbstverständlich gibt es auch im Grundschulbereich zahlreiche hervorragende und leider wenig anerkannte Pädagogen , die sich und ihren Schülern hohe Maßstäbe setzen , weil sie sich mit Scheinergebnissen von Statistiken und Wettbewerben nicht begnügen wollen . Landesweit gelten aber in ungarndeutschen Schulen nicht dieselben Maßstäbe . Die vor allem in den Grundschuljahren wenig fundierten , mangelhaften Sprachkenntnisse sind zweifelsohne als eine der Ursachen für einen galoppierenden Sprachverlust unter den Ungamdeutschen anzunehmen .
Was wir heute immer noch kaum wahmehmen , jedoch mit der Zeit einkalkulieren sollten , sind andersartige Verluste . Die wirtschaftlichen Verluste nämlich , die androhen , falls der Sprachverlust nicht gestoppt wird : Denn eine Minderheit , die nur noch dunkle Ahnung über ihre eigene Kultur hat , verdient keine Fördergelder mehr , etwa aus dem Mutterland . Unlängst wurde ein ungarndeutscher Verein vom deutschen Partnerverein gefragt , ob der Verein in Ungarn noch eine Mitgliedschaft hätte , die der Sprache mächtig und der kulturellen und religiösen Traditionen bewusst wäre . Wenn ja , dann soll die Unterstützung von bundesdeutscher Seite diesem Verein auch weiterhin gewährt werden . Im entgegengesetzten Fall eben nicht . Ob diese Aussichten nicht auch auf landesweiter Ebene zu erwägen wären ? Und : Nicht zu übersehen , dass der ungarndeutsche Verein von seinen deutschen Partnern auch nach der Traditionspflege der hiesigen religiösen Traditionen gefragt wurde . Was ist da zu antworten ? Wir dürften uns damit wohl nicht rühmen , ein Vierteljahrhundert nach der Wende immer noch keine geregelte Gottesdienstordnung in deutscher Sprache für traditionsmäßig katholische und evangelische Ungarndeutsche zu haben .
Handeln tut Not !
Sprachlich sollten wir auf jeden Fall retten , was noch zu retten ist , oder wir werden so langsam gar nicht mehr ernst genommen als Volksgruppe , die sich auch ein zweites Mal entrechten läßt : diesmal ihrer Sprache und Kultur . Und da kann man nicht mehr unter „ Madjaren ”, Russen , Ost- und Westalliierten , Nazis und Kommunisten wählen , wer überhaupt dafür die Hauptschuldner sind . Ich glaube , wir selber , zumindest in den letzten Jahrzehnten . Und wir fahren fort damit , die Schuld zu tragen , wenn wir für die Zukunft bei dieser Erkenntnis gegen den enormen Sprach- und Kulturverlust nichts erfinden und nicht auch für eine Umsetzung in der Praxis sorgen .
Für Ausbildung , fachliche Unterstützung , Begleitung und gegebenenfalls fachliche Kontrolle der Arbeit unserer Nationalitätenpädagogen haben wir eine gut funktionierende institutionelle Struktur .
Ein Brachland im sprachlichen Sinne dagegen , wo Kulturpflege auch Pflege der deutschen Sprache bedeuten dürfte , wäre die Szene unserer Kultur- und Heimatvereine . Hier hätte man die Möglichkeit parat , die Sprache der eigenen Familie wieder zu erlernen , und zwar in einem Umfeld , das von vornherein zur Traditionspflege vorgesehen ist . Wie wär ’ s , wenn man vor Chorund Tanzproben , bei denen die Instruktionen meist auf Ungarisch gegeben werden , etwa jeweils in zwanzig Minuten wie wenn man zuerst „ kostprobenartig ” ( Kostprobe von der verlorenen Muttersprache !) durch Späße , Witze , Sprüche , einfache Sätze , Kochrezepte , Sprichwörter , dann auch Sprache der Liturgie , Familienund Dorfgeschichten , Gewohnheiten , Kurzlektüren den Geschmack der deutschsprachigen Kommunikation probieren würde . Gäbe es dazu überall vor Ort Freiwillige , die mit sprachpädagogischer Ausbildung , oder aber „ nur ” im Besitz entsprechender Sprachkompetenzen und eines angeborenen Geschick im kommunikativen Umgang regelmäßig die „ Kostproben ” moderieren könnten ? Wäre es vielleicht denkbar , dass Chormitglieder dann selber ihre eigenen Sprüche , Rezepte und Geschichten den anderen übergäben und auf diese Weise voneinander lernten und das Gelernte auch noch ihren Kindern beibrächten ? Vielleicht ja . Dabei wird aber auch nach einer Fachmethodik gefragt , wie das im zeitlichen Vorfeld von Proben , Versammlungen und Sitzungen überhaupt für die Dauer und landesweit zu machen wäre . Ohne die Mithilfe und Schirmherrschaft bereits funktionierender Strukturen von Bildungszentren , Schulvereinen , Leitbildern und Sprachlagem wird es nicht klappen .
Soll es ein Aufruf sein ? Ja , bitte . Christine Schweighoffer
Vor einem großen Durchbruch ?
Ein Bericht des ungarischen Grundrechtebeauftragten über die Rechte der Minderheiten in Ungarn lässt mehr Zweifel als Hoffnung aufkommen
Von Richard Guth
Sonntagsblatt-Positionen erscheinen im Auge vieler Zeitgenossen des Öfteren als überzogen und unfair . Es ist wahr , dass das SB seit jeher die Lage der ungarländischen deutschen Minderheit kritisch beurteilt . Eine Kritik , die sich aber oft mit der Meinung und den Erfahrungen Außenstehender übereinstimmt .
Juli 2013 erschien ein Bericht des Grundrechtebeauftragten Ungarns , Prof . Dr . Máté Szabó . Dieser Bericht befasst sich mit der Verwendung der Nationalitätensprachen in Verwaltung und Öffentlichkeit ( Nummer : AJB-5577 / 2012 ).
Denn einen großen Wurf plant die Orbän-Regierung : Auf Grundlage der Volkszählung von 2011 sollen die Sprachenrechte der ungarländischen Minderheiten in Ortschaften mit nennenswerter Nationalitätenbevölkerung ( hier spricht das Gesetz Nr . 179 / 2011 über die Rechte der Nationalitäten von 10 bzw . 20 % - Grenzen ) gestärkt und ihnen institutioneile Garantien verliehen werden . Im Einzelnen : In Ortschaften , wo der Anteil der Angehörigen einer ethnischen und nationalen Minderheit 20 % erreicht , sollen auf Bitten der jeweiligen Minderheitenselbstverwaltung ( der Wunsch verpflichtet dabei ) die Protokolle und Beschlüsse der Ratssitzungen auch in der Sprache der jeweiligen Minderheit vorliegen . Darüber hinaus soll bei Stellenausschreibungen Sorge getragen werden , dass solche Bewerber zum Zuge kommen , dies wiederum auf Bitten der MSV , die der Sprache der Minderheit mächtig sind . In Gemeinden , wo der Anteil mindestens zehn Prozent beträgt , soll / muss , wiederum auf Bitten der Nationalitätenselbstverwaltung , der örtliche Magistrat Sorge tragen , dass offizielle Bekanntmachungen in beiden Sprachen erscheinen , dass Formblätter auch in der Sprache der jeweiligen Minderheit vorliegen , dass zweisprachige Aufschriften angebracht werden und dass Ortsschilder und Straßenschilder auch in der Sprache der Minderheitengemeinschaft aufgestellt werden . Diese Regelungen sollen 2014 nach der Wahl der Nationalitätenselbstverwaltungen
( Fortsetzung auf Seite 10 )
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