Sonntagsblatt 5-6/2013 | Page 18

Warum der kleine ( englische ) Prinz eigentlich ein Deutscher ist
Das Sonntagsblatt mit einer Doppelidentität
Bundesinnenministerium unterstützt , zuletzt mit mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr . Allerdings unterscheiden sich die Beträge pro Person in den Ländern zum Teil deutlich .
Durchschnittlich 19,14 Euro pro Person hat das Bundesinnenministerium ( BMI ) im Jahr 2012 für Projekte aufgewendet , mit denen » deutsche Minderheiten « in Osteuropa gefördert werden . Dieser Durchschnittsbetrag ergibt sich aus einer Aufstellung , die das BMI auf Anfrage dem SPIEGEL vorlegte ...
Die Ausgaben pro Kopf weichen in den Ländern vom 19-Euro- Durchschnitt teils erheblich ab : Deutsche in Rumänien kosten das BMI fast 48 Euro , in Polen dagegen nur sieben , in Ungarn zwei Euro ...” Dann die merkwürdige Feststellung :
„... In Russland könnten es statt der vom BMI angegebenen 400 000 auch 600 000 Deutsche sein . Die Gruppe der Ungamdeutschen wuchs bei den Volkszählungen von 1990 bis 2011 sogar von 30 000 auf 186 000 ...” Dass davon aber nur 38 000 deutscher Muttersprache sind ( dank der mustergültigen ungarischen Minderheitenpolitik ), und dass davon sogar rund 10 000 nicht ungarische Staatsbürger sind , davon scheint das BMI und somit auch Spiegel ON- LINE nicht zu wissen ( wollen ). - Merkwürdig !

Warum der kleine ( englische ) Prinz eigentlich ein Deutscher ist

Die Briten sind nach der Geburt des Thronfolgers im Freudentaumel . Wir müssen nicht neidisch sein : Der Kleine ist einer von uns - auch wenn die Windsors von den deutschen Wurzeln nichts wissen wollen . Von Claudia Becker in DIE WELT vom 24 . Juli 2013
Prinz Philip , Herzog von Edinburgh und Gemahl der britischen Königin , entstammt dem hessischen Landadel . Seine deutsche Mutter war Alice von Battenberg . Nach ihr heißt er ( ins Englische übersetzt ) Mountbatten .
Es muss ja nicht gleich eine richtige Monarchie sein . Aber so ein bisschen royaler Glamour , ein bisschen Gefühl für eine Familie mit Tradition , das wäre schon schön . Und wie schön wäre es doch , wenn wir auch so etwas hätten : einen Geburtstermin , der die ganze Nation in Aufruhr versetzt und eine Geburt , die kollektive Freudentränen fließen lässt .
Nein , so etwas haben wir nicht . Und das ist vielleicht auch ganz gut so . Schließlich hat uns die Geschichte gelehrt , dass den Deutschen ein König nicht immer gut tut und die Massenhysterie schon gar nicht .
Aber so einen kleinen Prinzen ? So ein Bübchen , das zu unserem Land gehört wie kein anderes Kind , und dessen Gehversuche , rührende Tollpatschigkeiten und pubertäre Kapriolen wir wie seine Verwandten verfolgen könnten ?
Die Royals hatten einen deutschen Namen
Wir müssen nicht neidisch auf die Insel blicken , die sich so über den jüngsten royalen Nachwuchs freut . Denn auch wenn es den Briten nicht passt - wir dürfen uns auch freuen , weil der Kleine von Kate und William irgendwie auch einer von uns ist .
Das britische Königshaus ist so deutsch , dass es bis zum Ersten Weltkrieg mit dem verhassten Deutschen Kaiserreich sogar einen deutschen Namen hatte : Sachsen-Coburg-Gotha . Am 17 . Juli 1917 änderte ihn König Georg V . in „ Windsor ”, nach Windsor Castle in der Grafschaft Berkshire , der Residenz der königlichen Familie . An den deutschen Wurzeln änderte das freilich nichts . Albert von
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Sachsen-Coburg war es , der den Royals 1840 den Namen gab . Der deutsche Prinz war die große Liebe der britischen Königin Victoria . Die Briten liebten den deutschen Freigeist , der maßgeblichen Einfluss auf die Reformen der Architektur und der Verwaltung im Königreich hatte .
Verwandtschaft mit Dracula
Neun Kinder gingen aus dieser Ehe hervor . Victorias Sohn Edward wurde der erste König der Linie Sachsen-Coburg . Ihre älteste Tochter , die ebenfalls Victoria hieß , wurde als Ehefrau von Friedrich III . Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin . Dass deren Sohn Wilhelm 1914 mit Großbritannien Krieg führen würde , damit hätte die britische Monarchin sicher nicht gerechnet . Die legendäre Regentin selbst war eine Deutsche . Victoria , die 64 Jahre über das Empire regierte , war die Tochter von Eduard August , Herzog von Kent und der Prinzessin Victoria von Sachsen- Coburg-Gotha . Als sie 1837 mit gerade mal 18 Jahren den britischen Thron bestieg , endete die Personalunion des britischen Königshauses mit dem Haus Hannover . Die Welfen-Könige Georg I ., Georg II ., Georg III ., Georg IV . und Wilhelm IV . regierten gleichzeitig das Kurfürstentum Hannover und das Empire .
Zu den deutschen Vorfahren des neuen britischen Prinzen gehört Maria von Teck . Die Enkelin von Herzog Alexander von Württemberg heiratete den späteren britischen König Georg V . Ihre familiären Fäden sollen zu den transsilvanischen Grafen Dracula reichen . Tatsache ist , dass Königin Elisabeth II . ihre Enkeltochter ist - und Kates Jüngster ihr Ur-Ur-Ur-Enkel .
Aus Battenberg wurde Mountbatten
Der hat auch einen Ur-Opa , der sowohl dem hessischen Landadel als auch einstigen Herrschern über Deutschlands Norden entstammt : Prinz Philip , Gemahl der Queen , hat väterlicherseits seine Wurzeln im Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg . Seine Mutter war eine geborene Battenberg . Auch dieser deutsche Name wurde anglifiziert . Mountbatten- Windsor ist heute der offizielle Name der Royals . Dass der kleine Prinz auch ein bisschen ein Deutscher ist - daran ändert das nichts .

Das Sonntagsblatt mit einer Doppelidentität

Merkwürdig - nicht wahr ? Wenn der geehrte Leser im vorletzten Sonntagsblatt ( 3 / 2013 ) auf Seite 28 den Beitrag „ mein ( Ungarn- ) deutschtum ” aufmerksam gelesen hat , da muss ihm aufgefallen sein , dass der junge Redakteur des Sonntagsblattes , Herr Richard Guth , für die Doppelidentität der Ungarndeutschen plädiert .
Denn , in der vorangegangenen Nummer des Sonntagsblattes ( 2 / 2013 ) habe ich ( Georg Krix ) doch behauptet , dass es diese Doppelidentität nicht geben soll / kann , weil eben jeder Mensch nur eine Seele hat und diese ist entweder so oder anders , gemeint damit , dass der Mensch mit dieser einen Seele in Wirklichkeit nur einem Volk - dem einen oder dem anderen - zugehörig sein kann . Ergänzend könnte ich sagen : überall ( in diesem Fall zweifach , halbe-halbe ) hingehören bedeutet nirgends wirklich hingehören . Diesen meinen Standpunkt habe ich im Laufe von zwanzig Jahren , seit der Gründung des Sonntagsblattes , immer wieder betont vertreten , - er ist sozusagen zu einem Pfeiler im inhaltlichen Leitfaden des Blattes geworden .
Nun erscheint - merkwürdigerweise im Sonntagsblatt ! - eine neue Auffassung hinsichtlich Doppelidentität . Soll das bedeuten , dass aus dem Sonntagsblatt ein „ Neues Sonntagsblatt ” wird ?
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