Sonntagsblatt 5-6/2013 | Seite 15

• MERKWÜRDIG keifen • von Georg Krix
FRANZ HERCZEG ( 1863-1954 )
überreichte DI Rudolf Reimann im Rahmen einer feierlichen Feststunde im Steinernen Saal des Linzer Landhauses die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich .
Im Zuge seiner Laudatio würdigte Pühringer den 1934 in Neusatz ( Novi Sad ) - im heutigen Serbien - geborenen Donauschwaben für dessen langjährigen Einsatz im Sinne der Interessen aller Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen und unterstrich insbesondere Rudolf Reimanns Engagement für die Belange seiner donauschwäbischen Landsleute , von denen 120 000 in Österreich sesshaft geworden sind - 50 000 davon alleine in Oberösterreich .
„ DI Rudolf Reimann hat es sich zur Aufgabe gemacht , seine ganze Kraft dafür einzusetzen , dass das an den deutschen Heimatvertriebenen begangene Unrecht nicht in Vergessenheit gerät , die Vertreiberländer dies anerkennen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Schritte zur moralischen und wirtschaftlichen Wiedergutmachung setzen ”, so VLÖ-Generalsekretär Ing . Norbert Kapeller , der dem VLÖ-Bundesvorsitzenden recht herzlich zu seiner Auszeichnung gratulierte .
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• MERKWÜRDIG keifen • von Georg Krix

Vor 150 Jahren geboren

FRANZ HERCZEG ( 1863-1954 )

( Wie aus dem Banater Schwaben Franzi der gröjlte Madjare - Literat - geworden ist )
Franz Herczeg wurde als Sohn des Apothekers Franz Josef Herzog und seiner Ehefrau Luise Hoffmann am 22 . November 1863 in der überwiegend deutschen Stadt Werschetz im Banat geboren . Die Mittelschule absolvierte er in Temeschwar , Szegedin und Weißkirchen , die Rechtswissenschaften studierte er an der Budapester Universität und erwarb dort auch den Doktorgrad . Seine ersten Novellen schrieb er in deutscher Sprache , im Jahre 1887 wurde er jedoch ein Liebling des ungarischen Publikums , und seither schrieb er nur noch ungarisch . Die ungarische Sprache erlernte er erst in den Jahrenl874-76 im Piaristengymnasium zu Temeschwar .
In den 1880er Jahren tobte ein leidenschaftlicher Kampf um eine eigene ungarische Armee und um die ungarische Kommandosprache . Dabei kam es zu unliebsamen Ausschreitungen gegen die meist österreichischen Offiziere des gemeinsamen Heeres , die sich ihrerseits oft herausfordernd und politisch unklug benahmen . Am höchsten schlugen die Wellen im Jahre 1886 , als Generalleutnant Ludwig Jansky am Jahrestag der Zurückeroberung Ofens ( im Jahre 1849 durch Görgei ’ s Truppen ) auf das Grab des damals gefallenen Verteidigers der Burg , des Generals Hentzi *, einen Kranz niederlegte . Es kam zu gewaltigen Krawallen , die letzten Endes auch den Rücktritt des Ministerpräsidenten Kálmán Tisza zur Folge hatten . Und in diese leidenschaftlich erregte Atmosphäre fielen die Duelle des jungen Franz Herzog in Werschetz mit einigen Offizieren der gemeinsamen ( K . u . K ) Armee , wobei einer an Ort und Stelle starb . Franz Herzog musste deshalb auf vier Monate in das Staatsgefängnis zu Waitzen ( Vác ), aber er wurde damit über Nacht ein ungarischer Nationalheld , und der Weg in den Ruhm war ihm damit geebnet . Er nannte sich von nun an Herczeg , und sein erster ungarischer Roman mit dem Titel „ Fenn és lenn ” ( Oben und unten ) wurde mit dem Preis des Egyetemes Regénytár gekrönt . Herczeg wurde darauf Feuilletonist bei Rá-
Sonntagsblatt kosis ( Schriftsteller !) „ Budapesti Hírlap ” und Mitglied der Petöfi- Gesellschaft . Großen Erfolg hatte auch sein erster ungarischer Novellenband „ Mutamur ” ( 1892 ), und im Jahre 1893 führte das Budapester Nationaltheater sein erstes Schauspiel auf , „ Die Tochter des Nabob von Dolowa ”: Es war die Geburt des modernen ungarischen Gesellschaftsdramas . Noch im selben Jahr wurde er Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft , und im nächsten gründete er seine Zeitschrift „ Új Idők ” ( Neue Zeiten ), die bis zum Zusammenbruch 1945 bestand und die ganze Zeit hindurch die volkstümlichste literarische Zeitschrift Ungarns blieb . Nacheinander erschienen nun seine Romane und Schauspiele : „ Die Gyurkowitsch Töchter ”, 1893 ; „ Susanne Simon ”, 1894 ; „ Die drei Gardisten ”, 1895 ; „ Gyurka und Sándor ”, 1899 ; „ Der Brigadier Ocskay ”, 1901 . Dieses Drama hatte bereits nach einem Spieljahr 100 Aufführungen erlebt .
Auf der politischen Arena erschien Herczeg früh : von 1896 bis 1901 vertrat er seine Vaterstadt Werschetz mit liberalem Programm im ungarischen Parlament , von 1904 bis 1918 war er Abgeordneter des Wahlkreises Petschka . Nach dem Zusammenbruch 1918 erschien er auch in Jakob Bleyers „ Deutschungarischem Völksrat ”, der im Gegensatz zum „ Deutschen Völksrat ” eine ungarnfreundliche Haltung des Deutschtums im altungarischen Raum befürwortete . Während jedoch Bleyer bis zu seinem Tode seinem Volke die Treue hielt , kehrte Herczeg alsbald der deutschen Frage den Rücken , und als ihm später rassenationalistische Schriftsteller vorwarfen , er sei bloß Assimilant , erklärte er , er fühle sich als solcher sehr wohl und sei in einer recht guten Gesellschaft : die Nationalhelden Zrínyi , Thököly , Rákóczi , Kossuth , Petőfi usw . seien alle Assimilanten gewesen . Am meisten bekannt geworden ist Herczegs Roman „ Pogányok ” ( Heiden ), der in der 5 . Klasse der ungarischen Gymnasien eine Zeitlang Pflichtlektüre war . Nach Feststellung des Budapester Universitätsprofessors János Horváth habe Herczeg damit den ungarischen historischen Roman zu neuem Leben erweckt und darin eines der größten Probleme des Madjarentums sozusagen an seinen historischen Wurzeln erfasst : Das tausendjährige Ost-Westproblem , welches die Nation besonders seit 1878 wieder leidenschaftlich bewegte . Herczeg stellte sich auf die Seite des Ostens : Seine Sympathien gelten eindeutig den Heiden und den Byzantinern , sein ganzer Hass gilt den Deutschen . Eine klare Tendenz verfolgt auch sein Drama „ Byzanz ” ( 1904 ), worin er den Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie voraussagte ; diese Tendenz war allen Zuschauern sofort offenbar . Beide historischen Dichtungen brachten dem Verfasser neue Ehrungen ein : Die „ Heiden ” wurden von der Akademie mit dem Péczely-Preis ausgezeichnet , 1904 wurde er Präsident der Petofi-Gesellschaft . Bereits 1899 war er Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften geworden , 1910 wurde er ordentliches , 1914 Ehrenmitglied dieser höchsten ungarischen wissenschaftlichen Gesellschaft . König Karl IV . zeichnete ihn mit dem Orden „ Pro litteris et artibus ” aus . Im Jahre 1918 erschienen Herczegs bedeutende Werke „ Goldvioline ”, „ Die sieben Schwaben ”, „ Das Doppelleben der Magdalena ”; im nächsten Jahr „ König Ladislaus der Waise ”, „ Feuer in der Puszta ” und „ Der blaue Fuchs ”; 1919 folgte „ Das Tor des Lebens ”, worin er das Zeitalter der Renaissance und die tragische europäische Lage Ungarns meisterhaft schilderte . Diesen Roman schlugen die Professoren der ungarischen Universitäten 1925 für den Nobelpreis vor . 1919 wurde sein Drama „ Der schwarze Reiter ” aufgeführt , und in diesem Jahre wurde er Vizepräsident und 1922 ständiges Direktionsmitglied der Akademie der Wissenschaften .
Seine späteren wichtigeren Werke sind : „ Der Dichter und der Tod ”, 1922 ; „ Die Brücke ”, 1925 ; „ Júlia Szendrei ”, 1930 ; „ Der
( Fortsetzung auf Seite 16 )
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