für notwendig gehalten , sie europaweit zum öffentlich-peinlichen Diskussionsthema für Rom zu machen . Heute spricht er einfach nicht mehr von ihnen .
Die vollmundige Ankündigung , man werde Rom alle gewünschten autonomen Rechte einfach abkaufen und damit fast so etwas wie einen autonomen Beinahe-Freistaat innerhalb der Republik Italien schaffen , ist dem Katzenjammer gewichen . Jene SVP- Politiker , die all das so fröhlich versprochen hatten , sind völlig verstummt . Man hört nichts mehr .
Zahlreiche italienische Politiker hatten den Generalangriff auf die Südtiroler Autonomie seit Jahren angekündigt und Ministerpräsident Monti hat dieses Programm 2012 tatkräftig durchgezogen . Und wie hat der Südtiroler Landeshauptmann darauf reagiert ? Er hat Signale nach Rom gesandt ! Es waren aber die falschen Signale ! Es waren Signale des Wohlverhaltens und der Unterwerfung :
Teilnahme des Landeshauptmannes an dem nationalistischen Alpini-Aufmarsch in Bozen ! Verweigerung der Teilnahme an dem Freiheitsmarsch der Schützen ! Öffentliche Angriffe auf die Schützen und Verteufelung jeglichen Strebens nach Selbstbestimmung ! Diese Signale haben Rom gezeigt , dass Bozen zu jeglichem Wohlverhalten bereit ist . Das Ergebnis war , dass sich die römische Haltung versteift hat .
Eine Zeit lang hatte Durnwalder parallel zu seinen Ergebenheitsadressen noch gepoltert , dass man es den Politikern in Rom schon zeigen und die Schutzmacht Österreich anrufen werde . Davon ist mittlerweile auch nicht mehr die Rede .
Warum das nicht geschieht ? Weil man in Wien wie auch in Bozen weiß , dass die von ÖVP und SVP verschuldete Konstruktion der „ internationalen Verankerung ” der Südtirol-Autonomie nicht dazu geeignet ist , Rom zu erschrecken . Jahrzehntelang hat man die Leute angelogen und ihnen weisgemacht , dass die Autonomie vertraglich „ garantiert ” sei . Nun könnte aber anhand einer Klage vor dem „ Internationalen Gerichtshof ” ( IGH ) in Den Haag offenbar werden , dass man sich damit auf schwankenden Boden begibt und mitsamt der Klage im grundlosen Moor der juristischen Unwägbarkeiten absaufen kann . Wien denkt nicht daran , diese Probe auf das Exempel zu machen und hat dies Durnwalder auch deutlich wissen lassen . In Rom hatte man Durnwalders Drohungen ohnehin nie ernst genommen , war doch aus Wien mehrfach die deutliche Botschaft gekommen , dass man dort keinen Konflikt will .
Wie wird es weitergehen ? In Südtirol werden die Menschen erkennen , dass man an einer Weggabelung angekommen ist . Ein Weg führt geradewegs weiter in die langfristige Selbstaufgabe Südtirols und die Einschmelzung in die italienische Identität . Der andere Weg deutet in die Richtung „ Los von Rom !” Die deutschen Oppositionsparteien sind der festen Auffassung , dass nur der zweite Weg das dauerhafte Überleben der eigenen Volksgruppe sichern kann .
Dass es auch in der SVP noch Selbstbehauptungswillen und Abwehrkräfte gegenüber römischen Übergriffen gibt , hat das Verhalten der Südtiroler SVP-Parlamentarier gezeigt , die 2012 in Rom in sehr verantwortungsvoller und kluger Weise bedrohliche verfassungsrechtliche Angriffe auf die Grundlagen der Autonomie abgewehrt haben . Der Erfolg ist vorläufig ! Die Attacke ist aufgeschoben , nicht aufgehoben .
Es wird auf deutsch-ladinischer Seite kein Weg daran vorbei führen , die Alternativen zur Durnwalder-Unterwerfungspolitik zu prüfen . Dazu muss man aber die Fakten anstelle der bislang von interessierter Seite verbreiteten Legenden kennen .
Aus diesem Grund liefert diese Ausgabe des „ Tiroler ” Detailund Hintergrundwissen zur Autonomie-Demontage , zur Entstehungsgeschichte der Autonomie und ihrer rechtlichen Konstruktion . Detailliert wird die Frage untersucht , wie sicher und wie gut „ verankert ” diese Autonomie ist . Hierzu stellt der „ Tiroler ” vertrauliche Gutachten von Fachleuten aus den Akten des österreichischen Außenministeriums zur Verfügung , aus denen entsprechend zitiert wird . Zuletzt wird die Frage des Selbstbestimmungsrechtes und wie dasselbe umgesetzt werden kann , untersucht .
Soviel kann hier schon verraten werden : Das Selbstbestimmungsrecht kann nicht wie mit einem Gutschein an einer Kassa einfach eingefordert werden . Es muss im Wege der friedlichen Ausübung demokratischer Rechte mühsam politisch errungen werden . Auch gegen den Widerspruch eigener Landsleute , die aus egoistischen finanziellen Gründen als Befürworter der Unterwerfung und der Selbstaufgabe auftreten . Dazu kommt die Aufgabe , immer mehr Mitbürger der italienischen Sprachgruppe davon zu überzeugen , dass die künftige Regelung auch ihre vermehrten bürgerlichen und kulturellen Freiheitsrechte sicherstellen wird . Dann werden eben neue „ Welschtiroler ” unter Währung ihrer Identität an den Tiroler Freiheiten mit teilhaben . Das alles stellt uns in den kommenden Jahren vor bedeutende Aufgaben . Ein Blick in die Tiroler Geschichte zeigt uns aber , dass der Wunsch zur Selbstaufgabe nie bestimmend war . Das gibt uns Hoffnung !
Ich wünsche daher auch im Namen ehemaliger Südtiroler Freiheitskämpfer allen Landsleuten Standhaftigkeit , frohen Mut , Zuversicht und alles Gute für die Zukunft in einem freien Land Tirol !
Univ . Prof . Dr . Erhard Hartung Kameradschaft der ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer
18 . Mai2013- Unabhängigkeitstag
Zu der vom Südtiroler Schützenbund in Meran veranstalteten Demonstration mit der Losung „ iatz ! Mehr Freiheit und Unabhängigkeit ” waren über 10 000 Menschen gekommen , darunter viele Jugendliche .
Die Großveranstaltung des Südtiroler Schützenbundes hat so manche Erwartung übertroffen . Mit Tiroler Flaggen schwenkend wurde gemeinsam mit nach Freiheit strebenden Völkern Europas die Passeierstadt in Beschlag genommen . Das Volk selbst treibt nun die Entscheidung zur Unabhängigkeit Südtirols voran . Die Südtiroler wollen frei darüber entscheiden , wo und wie sie in Zukunft leben wollen . Zusammenhalt , das ist entscheidend , wenn ein Volk etwas erreichen will . Es braucht den Willen und den Mut , etwas zu verändern .
Ein Teilnehmer des Volksfestes meinte : „ Wenn das so weiter geht , dann wird uns Italien noch ruinieren . Italien respektiert unsere Autonomie nicht mehr , nimmt uns andauernd Zuständigkeiten und streicht uns Geld , das uns zusteht . Unser Volk hat alles versucht , um mit diesem Staat halbwegs zurechtzukommen . Es reicht , wir müssen weg von Italien .”
Die Gastrede hielt Dr . Klaus Tschütscher , bis vor kurzem noch Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein .
Wenn es keine Einigungen über mehr Freiheit und Unabhängigkeit gibt , dann werden sich die Wege der Völker Europas in die Freiheit öffnen . So die Botschaft an die Zentralregierungen Europas . Denn nicht nur in Südtirol ist der Ärger über die ständigen Eingriffe in die autonomen Zuständigkeiten gewachsen . Der Höhepunkte war die Hauptrede von Landeskomman-
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