GS: … zumal die aktuelle Struktur wirklich meist nur Pädagogen eine Perspektive bietet. Ihre Arbeit ist immens wichtig für unsere Kultur, aber andere Bereiche sind unterbesetzt. Dadurch verlieren wir unseren Nachwuchs in außeruniversitären Bereichen und auf Dauer wird das nicht mehr aufzuhalten sein. Mitarbeiter mit guten Deutschkenntnissen zu finden ist ja jetzt schon überall eine riesige Herausforderung: Ich sehe gerade um mich herum, dass auch viele aus meiner Altersgruppe( zwischen 30 und 40 Jahren) jetzt ins deutschsprachige Ausland auswandern. Unter ihnen sind auch Ungarndeutsche mit sehr guten deutschen Sprachkenntnissen und es ist fraglich, ob sie jemals nach Ungarn zurückkommen werden. Das möchten wir mit unserem Institut etwas hemmen, denn mit gezielten Förderungen können hier wirklich Arbeitsplätze für diejenigen geschaffen werden, die in unserer Region für die deutsche Minderheit professionell und hauptberuflich arbeiten möchten.
AK: Apropos: Neulich gab es einen Beitrag mit László Kreisz in „ Unser Bildschirm“, wo Herr Kreisz sich so äußerte, dass die LdU für die Politik zuständig sei und der Landesrat für die Kultur. Und genau hier sehen wir das Problem: Für den einen bedeutet Kultur die unteren Stufen des Bildungssystems, für den anderen Tanz und Musik. In einem so stark gespaltenen Raum beginnen wir unsere Arbeit natürlich mit der Abdeckung der fehlenden Bereiche der Kultur. Da ich als Grafiker von außerhalb der Wissenschaft komme und auch kein Mitglied in kulturellen Vereinen bin, beschäftige ich mich mit der Frage der Sichtbarkeit. Wir müssen ein Institut schaffen, das den deutschen Raum ansprechen kann, was uns auch im Ausland professionell und niveauvoll darstellt. So ist neben einer Online-Präsenz auch ein angemessener Standort wichtig, wo wir Deutsche über die Vergangenheit unserer Region auf Deutsch erzählen können. Denn die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass man diese Arbeit von den staatlichen Institutionen alleine nicht erwarten kann. Ein Beispiel: In Südwestungarn haben wir weit über 200 Siedlungen mit deutscher Geschichte. Falls jemand einen Ahnen aus dem 18. Jahrhundert sucht, möchte ich ihn informieren über das Hab und Gut dieser Person und den Platz, den sie in
38 der damaligen Gesellschaft einnahm. Ich möchte jedem Besucher zeigen können, wie ein bestimmter Ort seinen deutschen Charakter erlangte- mittels Infografiken und anderen visuellen Möglichkeiten. Dafür brauchen wir eine Datenbank der Siedlerzeit, an der wir seit fast zwei Jahren arbeiten.
SB: Die Stiftung Deutsches Institut ist erst seit Kurzem offiziell eingetragen. Wann und wie entstand die Idee, welche Meilensteine gab es auf dem Weg bis zur Gründung?
AK: Da alles mit der Digitalisierung von Dokumenten deutscher Familien anfing, kaufte ich 2017 die dafür geeignete Hardware und die ersten Stücke der Sammlung des Instituts. 2020 kontaktierte ich die Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung Bonnhard Ilona Köhler-Koch und erkundigte mich, ob sie Familien kennt, die ihre Dokumente gerne zur Verfügung stellen würden. Beim Treffen stellte sich heraus, dass der Bedarf für ein regionales deutsches Institut nicht nur bei mir besteht. Frau Köhler konnte erstmals 2021 eine Stelle als Minijob( zu Mindestlohnkonditionen) für mich schaffen und nach den Parlamentswahlen im April 2022 präsentierten wir das Projekt dem ungarndeutschen Parlamentsabgeordneten Emmerich Ritter. Im Herbst 2022 luden wir Frau Hock-Englender aus der LdU nach Bonnhard ein und im Sommer 2023 präsentierten wir Herrn Potápi- dem damaligen und bereits verstorbenen Staatssekretär für Nationalitätenpolitik- unsere Pläne. Bei der Sammeltätigkeit und dem Aufbau der Organisation gab es mehr Erfolge. Historiker Dr. Zsolt Vitári von der Universität Fünfkirchen wurde gleich nach dem ersten Briefwechsel im Dezember 2022 Mitglied und der Frühlingswind von 2024 brachte Beate Márkus und Gabriella Sós an Bord. So entstand unser Kuratorium, das Dezember 2024 den gerichtlichen Antrag für die Stiftung stellte, damit wir endlich eine eigenständige juristische Person für das Unternehmen haben. 2025 markiert auch den Punkt, wo unsere Sammlung 30.000 Artikel überschreitet.
GS: Sehr positiv stimmt uns außerdem, dass wir eine