Ausgehend vom Stoff der Hussitenkriege aus der Geschichte Böhmens rund um Jan Žižka, hat Lenau die packende Handlung um die Albigenser gegen Unrecht und Unterdrückung aufgebaut. Die Auseinandersetzungen zwischen den Albigensern und den von Papst Innozenz III.( 1198-1216) unterstützen Kreuzfahrern rücken die Handlung des Werkes in den Mittelpunkt des Geschehens. Diese Auseinandersetzungen unterstreichen den Gegensatz zur idealisierten Welt des Mittelalters. Ganz im Sinne von Georg Wilhelm Friedrich Hegel erscheint das ausgehende Mittelalter als die Zeit einer wüsten Barbarei, in deren Mittelpunkt die machthungrige Kirche mit Verweltlichungstendenzen steht.
Lenau übernimmt Hegels Anschauung, dass die geschichtliche Entwicklung aus dem Kampf der Gegensätze hervorgeht. Der Dichter hat die Absicht, die Schrecken des Krieges bildhaft zu schildern. Dazu dient die Darstellung der Verbreitung des Hasses gegen die Unterdrücker der Freiheit. Für Lenau zieht sich durch die Geschichte scheinbar endlos der Kampf zwischen Tyrannei und Freiheit. Der Dichter ist sich dessen gewiss, dass nach dem Leid der Gegenwart( auch seiner Zeit) glücklichere Tage folgen werden, was der Schlussgesang der Albigenser deutlich zum Ausdruck bringt:
„ Das Licht vom Himmel läßt sich nicht versprengen, Noch läßt der Sonnenaufgang sich verhängen Mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten;
Den Albigensern folgen die Hussiten Und zahlen blutig heim, was jene litten; Nach Huß und Ziska kommen Luther, Hutten, die dreißig Jahre, die Cevennenstreiter,* Die Stürmer der Bastille, und so weiter.“
Lenau hat mit seinen epischen Werken den politischen Herausforderungen seiner Zeit die Stirn geboten und seinen Zeitgenossen die eigenen Anschauungen und Anfechtungen ins rechte Licht gerückt, um dem unterdrückenden System Metternichs im damaligen Österreich Widerstand entgegenzubringen. Er wollte seinen Mittmenschen Mut und Zuversicht einzuflößen, nicht zu verzagen und an eine bessere Zukunft zu glauben.
Erläuterungen:
Jan Žižka-(* um 1360 in / bei Budweis; † 11. Oktober 1424 bei Šenfeld an der Pest); als tschechischer Ritter und Anführer der Taboriten ein radikaler Verfechter der Idee des Reformers Jan Huss(* zirka 1370 † 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen in Konstanz) * Cervennenstreiter – Bezugnahmen auf die Cevennenkriege bzw. auf die Verfolgung der Hugenotten in den südfranzösischen Cevennen nach der Aufhebung des Edikts von Nantes( 1685) durch Ludwigs XIV.
DAS DEUTSCHE ERBE SÜDUNGARNS SICHT- BAR MACHEN
Interview mit Vertretern der neu gegründeten Stiftung Deutsches Institut
Entstehungsgeschichte, Herausforderungen und Zukunftspläne- Gespräch mit Gründer Andreas Kolbert und Kuratoriumsvorsitzender Dr. Gabriella Sós von der Stiftung Deutsches Institut- Ziel der im Februar 2025 eingetragenen Stiftung mit aktuellem Arbeitsstandort in Nadasch / Mecseknádasd ist es, das deutsche Kulturerbe in Südungarn zu bewahren, zu erforschen und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Vorbereitungen reichen jedoch schon einige Jahre zurück …
SB: Welche langfristigen Ziele verfolgt die Stiftung?
Andreas Kolbert( AK): Vorrangig die Erschaffung eines neuen kulturellen Standortes für das Deutschtum in Südungarn! Archiv, Museum und wissenschaftliche Nachwuchsförderung sind der Kern für Tätigkeiten, die wir später erweitern können.
Gabriella Sós( GS): Ich muss auch betonen, dass die Stiftung selbst eine zivile Initiative junger, engagierter ungarndeutscher Forscher und Wissenschaftler ist. Das Ziel ist, die mehr als 300-jährige Geschichte, Baukunst, Ethnographie und Sprache der deutschen Nationalität in der
Region Südungarn zu erforschen und darzustellen. Langfristig möchten wir uns aber auch in anderen Bereichen der Kultur betätigen- wie Medien und Talentmanagement. Wir möchten nicht nur die Wissenschaftlichkeit, sondern auch die breite Öffentlichkeit mit professionellen Inhalten erreichen. Am allerwichtigsten ist hierbei die Sicherung des wissenschaftlichen und anderweitigen Nachwuchses auf Dauer. Ich denke, dass wir- also die ungarndeutsche Gemeinschaft- unheimlich viel Potenzial dadurch verlieren, dass wir jungen Menschen im kulturellen Bereich keine Perspektiven bieten können.
AK: Genauso sehe ich es auch. In den deutschsprachigen Schulen bildet man jährlich viele Jugendliche aus- aber was wird aus ihnen? Wo sind unsere Historiker, Museologen, Ethnographen oder sonstige Wissenschaftler und Fachleute aus anderen Bereichen? Natürlich haben wir deutschstämmige Fachleute in der Kultur, aber sie arbeiten meist bei staatlichen oder kommunalen Organisationen, wo sie die Interessen der Volksgruppe nie richtig vertreten können. Falls sie das überhaupt interessiert, denn nicht alle haben eine deutsche Identität. Das zeigt ebenfalls, dass man sich mit dieser Frage beschäftigen muss …
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