dann in Schulen gebracht, und bei Projektagen können sich Schüler und Lehrer damit beschäftigen. Das ist umso wichtiger, denn leider wurde der Kunstunterricht praktisch abgeschafft( wozu auch?) und deswegen ist es sehr wichtig, dass nicht nur Literatur, sondern auch Kunst den Kindern nahegebracht wird. Also ich glaube schon, dass das Kulturleben so reicher geworden ist. Man versucht auch, das sehe ich zum Beispiel beim Landesrat, dass sie großen Wert auf Qualifikation legen sowie auf die Vorbereitung der Tanzlehrer und Chorleiter- auf ihre Arbeit, aber vor allem darauf, was Authentisches zu vermitteln und auf die Bühne zu bringen.
SB: Seit 33 Jahren bist du Chefredakteur der Neuen Zeitung, aber – wie du gesagt hast – seit 55 Jahren mit dem Wochenblatt verbunden – damit hast du die reife und untergehende Kádár-Ära, aber auch die Wendeund Nachwendezeit als Journalist erlebt. Welche Erfahrungen hast du in den 55 Jahren gesammelt?
JS: Sehr gute, es hat mir immer viel Spaß gemacht. Ich bin relativ schnell- gleich’ 72 Kulturredakteur geworden. Mária Ember war vor mir die Kulturredakteurin. Als sie weggegangen ist, habe ich das übernehmen dürfen, obzwar ich damals die Journalistenschule noch gar nicht zu Ende studiert habe. Dann war ich drei Jahre lang, von’ 76 bis’ 79, in Fünfkirchen selbsternannter Korrespondent der Neuen Zeitung. Da habe ich mit den Kollegen vom Rundfunk zusammenarbeiten können und erlebt, wie Unser Bildschirm gegründet wurde. Auch mit Johann Wolfart habe ich ausgezeichnet zusammengearbeitet- übrigens auch mit den kroatischen und ungarischen Kollegen dort beim Fünfkirchner Rundfunk. Das hat mich sehr geprägt, denn bei der Neuen Zeitung habe ich- was man ehrlich eingestehen muss – nur mit Géza Hambuch deutsch geredet, die anderen haben alle ungarisch geredet. Und auch mit unseren Interviewpartnern haben wir damals eigentlich meistens ungarisch geredet. In Fünfkirchen war das anders. Also da war dieser tagtägliche Kontakt. Da musste man die Gespräche auf Tonband aufnehmen und dann mussten wir halt Deutsch reden, was mir auch Spaß gemacht hat. So lernte ich tatsächlich die gesprochene Sprache kennen- auch die Mundart, die ich zwar nicht spreche, aber verstehe.
SB: Welche Mundart genau meinst du?
JS: Das Willanderische ist zwar eine fränkische Mundart, aber es gibt dort eine Mischmundart – es gab Geflüchtete aus Serbien und Kroatien, die vor Titos Partisanen geflohen sind. Die eigentlichen Willander sind’ 44 geflüchtet, die meisten wurden dann vertrieben, so dass kaum echte Willander geblieben sind. In meiner Familie wurde Hochdeutsch geredet, das war eine Bürgerfamilie. Mein Urgroßvater kam aus Deutschland- aus Rauenthal ganz genau-, er war Weingroßhändler. Da waren etwa 30-35 Weingroßhändler-Familien, die ständig zusammenkamen. Sie kamen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland und die Verkehrssprache war Deutsch. Mein Vater hat mir die deutsche Sprache beigebracht, so dass ich sagen kann, dass meine Muttersprache Ungarisch, meine Vatersprache Deutsch ist.
SB: Wenn man sich jetzt auf die vergangenen 33 Jahre fokussiert, welche Veränderungen gab es, die die redaktionelle Arbeit maßgeblich beeinflusst haben?
JS: Das Erste, dass die Redaktion geschrumpft ist- wir waren 13-14 Mitarbeiter, jetzt sind wir sechs Mitarbeiter, das ist schon ein Einschnitt. Zu den Finanzen: Bis 2010 waren wir bei einem Regierungsverlag und da mussten wir uns keine Sorgen machen, bis der Verlag gesagt hat- dem eine slowakische und eine deutsche Zeitung gehörten-, dass wir eigene Wege gehen müssten. 1992 haben wir die Neue-Zeitung-Stiftung gegründet- wohlahnend, dass wir früher oder später selbstständig sein müssten und das ist auch eingetreten. Wir haben da Kapital gesammelt: Das Wichtigste war der Kulturpreis des Vereins für das Deutschtum im Ausland( VDA). Die Neue Zeitung hat weltweit als Erste zusammen mit der Brasilpost diesen Kulturpreis irgendwann in den neunziger Jahren erhalten – das waren immerhin 20.000 DM( heutiger kaufkraftäquivalenter Wert etwa 17.000 Euro, 6,5 Millionen Forint, Red.), also ziemlich viel Geld. Die Hälfte haben wir dann in die Neue-Zeitung-Stiftung gesteckt und das kam dann sehr gut, als wir in die Unabhängigkeit entlassen wurden.
Damals( 2010, Red.) war gerade der Regierungswechsel: FIDESZ hat die Regierungsmacht übernommen und das alte Finanzierungsmodell wurde abgeschafft. Sie haben nach zehn Monaten, als unsere Quellen ziemlich versiegt waren, gewissermaßen in letzter Minute, die jetzt geltende Regelung eingeführt: eine feste Summe über die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Das ist eine gute Regelung, weil man weiß, damit kannst du rechnen, und man muss nicht wie früher jedes Jahr einen Antrag einreichen und dann darauf warten, ob er genehmigt und wie viel genehmigt wird. Die Neue-Zeitung-Stiftung hatte sowieso das Eigentumsrecht über die Neue Zeitung und wir haben es ziemlich problemlos geschafft, die Neue Zeitung weiter herauszugeben.
Das war ein wesentlicher Einschnitt! Noch wesentlicher war die redaktionelle Freiheit, dass man nicht darauf warten musste, so von oben immer wieder ermahnt zu werden. Also wie: „ Warum ist dieses Bild mit Kreuz erschienen?” und solche blödsinnige Anmerkungen – also die redaktionelle Freiheit war schon sehr wichtig. Es gab damals eine sehr turbulente Zeit bei den Ungarndeutschen- in den neunziger Jahren, bis die Landesselbstverwaltung gewählt wurde. Eine interessante Zeit und das haben wir auch versucht, in der Neuen Zeitung wiederzugeben.
SB: Das Flaggschiff der Neuen Zeitung ist weiterhin das Printprodukt, das von vielen gelesen und geschätzt wird- so die Rückmeldungen. Gibt es Pläne, die Onlinepräsenz auszubauen?
JS: Es ist schwierig, weil: Das schmälert dann den Verkauf der Auflage. Es gab mal ein Informationsministerium und das hat uns Computer beschert- mit der Auflage, dass wir die Zeitung dann ein Jahr lang online stellen müssen. Das hat dazu geführt, dass der Verkauf ziemlich eingebrochen ist. Und auch sonst sehen wir, wenn zum Beispiel die Neue Zeitung per E-Mail als PDF-Datei verschickt wird- vor allem nach Deutschland-, dass trotz Bitten, die PDF-Datei nicht weiterzugeben, es gemacht wird. Das kann man nicht unterbinden, aber die Frage ist, was der Gewinn und was der Verlust ist!? Im Moment versuchen wir nur so präsent zu sein, dass gewisse Inhalte hochgeladen werden beziehungsweise haben wir bis 2000 praktisch alles digitalisiert. Diese Digitalisierung umfasst „ Das Freie Leben”- also die Vorgängerin von’ 54 bis’ 56- dann die Neue Zeitung von’ 57 bis 2000 und den Deutschen Kalender von’ 57 bis 2000 sowie auch manche Publikationen, die in den siebziger, achtziger Jahren erschienen sind. Diese Publikationen sind auf www. arcanum. hu nachzulesen. Das ist zwar eine Bezahlseite, aber die Rückmeldungen sind stets positiv. Ich kann nicht recherchieren, wer was’ 79 oder’ 83 ge-
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