Sonntagsblatt 4/2025 | Seite 2

„ WENN DIE SPRACHE WEGFÄLLT, DANN IST ALLES TANZEN UND SINGEN VÖLLIG UMSONST”

Großinterview mit NZ-Chefredakteur Johann Schuth, der dieses Jahr die Ehrengabe des Donauschwäbischen Kulturpreises erhielt
SB: Johann, du hast vor kurzem die Ehrengabe des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg erhalten. Was genau wurde prämiert?
JS: Puh, es gab eine lange Laudatio... Eigentlich meine 55-jährige Tätigkeit im Dienste der Ungarndeutschen bei der Neuen Zeitung, beim Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler( VUdAK), bei der Gründung der Jugendorganisation GJU und auch meine minderheitenpolitische Tätigkeit im Verband, bei der Landesselbstverwaltung, bei der Budapester Selbstverwaltung, bei der lokalen Selbstverwaltung... Also ich hatte ein ziemlich vielfältiges Feld beackert in diesen 55 Jahren.
SB: Wie du ja auch erwähnt hast, bist du seit Jahrzehnten eine- wenn man es so formulieren kann- bestimmende Persönlichkeit der ungarndeutschen Kultur- und Medienszene. Gab es und wenn ja, welche waren die Schlüsselmomente, an die du dich gerne zurückerinnerst?
JS: Es war immer eine aufregende Zeit. Ein Schlüsselmoment war, als ich für meine studentische Diplomarbeit 800 Fragen zum Mundartatlas in Willand / Villány bei einem Landsmann abgefragt und dabei Mundartausdrücke gesammelt habe – ich war sehr gut befreundet mit diesem Gewährsmann. Ich bin im September’ 70 in die Zeitung eingetreten und zu Weihnachten kam der besagte Mann zu meiner Mutter und brachte eine Seite Speck mit den Worten, „ das ist für János, der schreibt jetzt für uns”. Das war ein Schlüsselmoment, das mich bis heute begleitet: nämlich, dass ich für die Ungarndeutschen schreibe, redigiere, Bücher herausgebe und überhaupt mich für die Belange der Ungarndeutschen einsetze.
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SB: Der VUdAK gehört zu einem deiner Betätigungsfelder – wie aktiv ist dieser Verein heute? Hat sich die ungarndeutsche Kulturszene in den letzten Jahren verändert?
JS: Die Literatursektion gibt es schon seit’ 72- damals beim Demokratischen Verband der Deutschen in Ungarn. Ich war deren erster Vorsitzender. Dann wurde auch eine Sektion für Bildende Künstler gegründet- zehn Jahre später- und die beiden haben sich dann vereinigt zu VUdAK. Ich glaube, dass es eine Bereicherung des ungarndeutschen Kulturlebens ist, dass Literatur und Bildende Kunst Hand in Hand gehen und gemeinsame Veranstaltungen machen: Zum Beispiel fand das diesjährige dreitägige Treffen von VUdAK im Lenau Haus statt. Dabei gibt es immer eine Ausstellung, diesmal die Quadriga mit vier Damen, also vier Künstlerinnen. Auch die anwesenden Autoren haben aus ihren Werken gelesen. Vor der Veranstaltung waren die Autorinnen und Autoren im Valeria-Koch-Bildungszentrum zu Gast und haben auch dort gelesen – also zusätzliche Aktivitäten rund um das Event. Das versuchen wir immer wieder bei unseren gemeinsamen Veranstaltungen. Jetzt seit über 30 Jahren! Es finden immer wieder Ausstellungen statt- sei es hier oder im Ausland, bei den Minderheiten in Rumänien oder im deutschsprachigen Raum oder in Belgien. Dann machen wir mal eine Finissage mit Autorenlesungen und das kommt sehr gut an. Ich glaube schon, dass die Literatur bekannt geworden ist – Josef Michaelis, Robert Becker und Christina Arnold sind Maturathesen( Themen in der Abiturprüfung, Red.) geworden und haben auf diese Weise Eingang gefunden in den Schulunterricht. Jetzt haben wir eine Wanderausstellung mit acht Rollups, auf denen 25 ungarndeutsche Künstler dargestellt sind. Die werden