keine slowakischen Freunde und Nachbarn hat, dann begegnet er viel seltener der gesprochenen, lebendigen Sprache. Das müsste man auf alle Fälle berücksichtigen und dementsprechend differenziert die Lehrplananforderungen formulieren.
Gerade das Beispiel der Fremdsprachen wie Englisch und andere Sprachen bestätigt, dass man die Wurzeln des Übels in der Methodik suchen soll.
Die Lehrer unserer Schule müssen zwar die Erwartungen und Bedürfnisse des Abiturs berücksichtigen, aber an dieser Stelle halten sie die Interessen der Schüler für wichtiger und legen deshalb im Unterricht den Schwerpunkt auf die mündliche Kommunikation. Das Erlernen einer Sprache kann ja letzten Endes nie das Ziel sein, da die Sprache ja „ lediglich” ein Mittel der Kommunikation ist, was sich jeder auf einem Niveau aneignen soll, das erforderlich ist für den Alltag, die Arbeit und für das Vorankommen im Leben. Man kann die Gedichte romantischer Dichter inund auswendig kennen, es nützt alles nichts, wenn man beim Arzt oder in den Amtsstuben nicht kommunizieren kann. Darauf sollte man den Schwerpunkt legen. Anstelle des Auswendiglernens von lexikalischem Wissen in der Literatur oder der Präferierung der Grammatik können wir selbst mit passiven Hörverstehensübungen bessere Ergebnisse erzielen.
SB: Ihr erklärtes Ziel ist, dass die Schüler die Fremdsprachen( Englisch, Deutsch und Slowakisch) auf hohem Niveau erlernen – wie sieht es hier aus? Welche Motivation bringen die Schüler mit?
LASZ: In unserer Sendungsbotschaft steht, dass wir in unserer Schule europäische Bürger mit madjarischer Identität erziehen wollen, die in der Lage sind, den Herausforderungen in der Welt gerecht zu werden. Ein wichtiger Bestandteil ist der Unterricht der Fremdsprachen. Dank dem Einsatz unserer kompetenten Lehrer werden wir auch den Ansprüchen gerecht, was die Ergebnisse unserer Schüler beim Abitur mit der Niveaustufe B2 zeigen. Aber auch in verschiedenen Wettbewerben finden sich regelmäßig Schüler unserer Schule unter den Siegern. Was aber wichtiger ist, ist die Tatsache, dass unsere Schüler auch im Alltag ihren Mann stehen und mutig kommunizieren. Um das zu erreichen, nehmen wir an Erasmus-plus-Projekten teil oder organisieren Auslandsfahrten. Neben dem Pflichtfach Englisch lernen unsere Schüler auch die Sprachen Deutsch und Französisch kennen, und vor einigen Jahren haben wir auch Spanisch als Wahlfach eingeführt. Zahlreiche Schüler können von sich behaupten, bereits vor dem Abitur eine erfolgreiche Sprachprüfung abgelegt zu haben, und das zeigt gut, dass wir bei der Verwirklichung ihrer Ziele behilflich szin konnten.
SB: Wenn Sie mir eine etwas provokante Frage erlauben – lohnt es sich, sein Kind auf eine ungarische Schule zu schicken?
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LASZ: Wenn ich den Begriff „ Sich Lohnen” nicht im wirtschaftlichen Sinne begreife, sondern darauf fokussiere, ob es sich lohnt, dass das madjarische Kind eine ungarische Schule besucht, dann lautet meine Antwort eindeutig „ Ja“. Ich gehe sogar weiter: Wir können einem sechsjährigen Kind gerade dann am meisten schaden, wenn wir es zu einem Codewechsel zwingen. Denn wir wissen seit Comenius, dass das Kind die grundlegenden Elemente der Bildung in seiner Muttersprache erlernen soll, also in der Sprache, die es mit seiner Familie oder seinen Zeitgenossen benutzt und mit deren sprachlichen Mitteln es denkt und träumt. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass, bis sich das Kind die Unterrichtssprache aneignet, sich ein solcher Rückstand beim Lernstoff bildet, dass es nicht mehr imstande sein wird, diesen Rückstand gegenüber den Muttersprachlern aufzuholen. Gerade Comenius verwendet ein Gleichnis, wonach das Beibringen einer Fremdsprache vor dem Erlernen der Muttersprache so wäre wie Reiten vor dem Laufen. Deswegen sollte das slowakische Kind auf Slowakisch, das madjarische Kind auf Ungarisch und das deutsche Kind auf Deutsch die Grundlagen erlernen- ganz zu schweigen davon, dass es mit Kultur und Geschichte seiner Nation( bzw. seines Volkes, Red.) nur in einer Nationalitätenschule in Berührung kommt. Es ist allgemein bekannt: Wenn eine Volksgruppe die Pflege ihrer Muttersprache vernachlässigt, dann bleibt sie auch auf dem Gebiet der kulturellen Entwicklung zurück. Es ist sehr traurig, wenn jemand den Weg des Sprach- und Nationalitätenwechsels bestreitet und sich sogar mit den Großeltern nicht mehr in der Muttersprache unterhalten kann.
SB: Worin sehen Sie die größte Herausforderung auf dem Gebiet des ungarischsprachigen Unterrichts?
LASZ: Ich denke, die Herausforderungen sind die gleichen wie im Falle anderer Schulen. Unter anderem ist es wichtig, dass( auch) die ungarische Schule die Persönlichkeit der Mitglieder der zukünftigen Generation formt, genügend Wissen und Fertigkeiten vermittelt für den Alltag- und die passende Attitüde herausbildet, damit die jungen Leute die gesteckten Ziele erreichen. Dazu braucht man ausreichende Bedingungen. An den Schulen ungarischer Unterrichtssprache fehlt es oft an modernen Lernmitteln und vielerorts müsste man die Zahl der ausgebildeten Lehrkräfte steigern. Zuletzt will ich meine früheren Gedanken in Erinnerung rufen, wonach man die Effektivität des Unterrichts der slowakischen Sprache steigern sollte, um die Chancen der Absolventen ungarischer Schulen beim Studium und auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.
SB: In Niedermarkt beschäftigen Sie sich auf kommunaler Ebene schon lange mit Bildungsfragen: Wo werden die Einrichtungen mit ungarischer Unterrichtssprache in 20 Jahren stehen?
LASZ: Leider bin ich kein Hellseher, ich habe keine magische Kugel, deswegen fällt es mir schwer zu sagen, wie es in zwei Jahrzehnten aussehen wird. Wenn man auf Grundlage der Erfahrungen und Tendenzen eine Prognose wagt, dann muss ich sagen, dass die Zukunft der ungarischen Schulen der Stadt in erster Linie von der demografischen Entwicklung, dem politischen Kontext der nahen Zukunft, den bildungspolitischen Entscheidungen, aber allem voran von dem Zusammenhalt der madjarischen Gemeinschaft abhängt. Wenn der Rückgang der Bevölkerung weiter anhält, dann könnten die kleinen Schulen in den Dörfern in Gefahr geraten, aber da Niedermarkt ein regionales Zentrum ist, ist seine Position stärker, so dass seine Schulen erhalten bleiben. Es kommt darauf an, die Schulen stets zu modernisieren bzw. den Herausforderungen der Welt anzupassen und sicherzustellen, dass diese Schulen durch regionale und internationale Kontakte wettbewerbsfähig und attraktiv bleiben. Wenn es gelingt, dann sollten die Schulen der Stadt weiterhin stabile Kultur- und Bildungszentren der madjarischen Gemeinschaft bleiben.
SB: Herr Szabó, vielen Dank für das Gespräch. Das Gespräch führte Richard Guth.