Gerade bei Dienstreisen im Ausland habe ich viele wertvolle Erfahrungen dahingehend gesammelt, dass Schule auch anders funktionieren kann wie in unseren Gefilden. Das hat mich geleitet, als wir uns an die Arbeit gemacht haben. Heute haben wir pro Jahrgangsstufe zwei Klassen, jedes Jahr machen 55-60 Schüler Abitur bei uns bzw. so viele fangen bei uns in der ersten Klasse an.
Die zentralen Kerncurricula und Regeln gelten natürlich auch für uns. Wir können uns von den Schulen in der Trägerschaft der Kreise darin unterscheiden, wie wir zu den Schülern und Eltern stehen. Unser Hauptziel ist es, dass wir bei jedem Schüler den Aufgabenbereich finden, der ihm am nächsten steht und für ihn in der Zukunft dominant werden kann. Wir tun alles dafür, dass sich die Fähigkeiten und Kompetenzen jeden Schülers bestmöglich entfalten. Ich pflege zu sagen, dass wenn man schon zur Schule geht, dann sollte man das mit Spaß und zufrieden tun.
Wir sind zwar eine Privatschule, nehmen aber kein Schulgeld. Wir finanzieren uns durch normative staatliche Förderung- wie jede Einrichtung eigentlich. Die Mehrheit unserer Schüler kommt aus den Grundschulen des Kreises Niedermarkt, aber wir haben jedes Jahr auch aus einem größeren Einzugsgebiet talentierte Schüler, die sich bei uns anmelden. Wir haben immer mehr Bewerber als freie Plätze, so dass wir auswählen können.
SB: Als Ungarndeutscher bin ich immer vorsichtig, wenn ich von „ mit Unterrichtssprache XY” lese – wie „ ungarischsprachig“ ist Ihr Privatgymnasium? Ich denke hier an den Anteil der Fächer auf Ungarisch beziehungsweise an die Rolle der ungarischen Sprache in der zwischenmenschlichen Kommunikation?
LASZ: Aufgrund der zahlenmäßigen Größe unterscheidet sich die Lage der Slowakeimadjaren und die der Ungarndeutschen oder besser der Karpatendeutschen maßgeblich.
Im slowakischen Schulsystem gibt es zwei Arten bei den Nationalitäten. Die eine ist die sprachunterrichtende Form, wo eventuell auch ein paar Fächer in der Sprache der betroffenen Gemeinschaft unterrichtet werden. Alle anderen Fächer werden auf Slowakisch unterrichtet. Die andere Art ist diejenige, bei der alle Fächer in der Sprache der Nationalität unterrichtet werden. Das bedeutet, dass der Unterricht des Faches Slowakische Sprache und Literatur für alle verpflichtend ist, aber alle anderen Fächer auf Ungarisch unterrichtet werden. Diese Einrichtungen besuchen fast ausnahmslos Kinder ungarischer Muttersprache, deswegen ist die Sprache der Kommunikation natürlich Ungarisch. Wer sich für sein Kind für die ungarische Schule – mit höheren Stundenzahlen- entscheidet, tut dies deshalb, weil er die Kenntnis sowohl der Kultur als auch der Geschichte für wichtig hält und auch seine Identität dies diktiert.
SB: Die Volkszählungsergebnisse der vergangenen Jahre zeugen von
einem steten Terrainverlust der Madjaren – auch die Zahl der madjarischen Kinder an ungarischen Schulen sinkt bzw. die Zahl solcher Kinder an slowakischen Schulen steigt – was spüren Sie davon im madjarisch geprägten Niedermarkt? Wie stehen die Slowaken in Niedermarkt zur Unterrichtssprache Ungarisch? Kommt es bei Schülern zum Schulwechsel zwischen slowakischen und ungarischen Schulen?
LASZ: Bereits vor der Wende 1989 waren viele der Meinung, dass ihr Kind besser fährt, wenn es eine slowakische Schule besucht. Obwohl von den Zahlen und den Fakten nicht unterstützt- sogar widerlegt- teilen auch heute noch viele diesen Irrglauben oder entscheiden sich wegen ihres Umfelds oder aufgrund von Anpassungszwang für die slowakische Schule.
Dass die Assimilation zunimmt und der Anteil der Madjaren landesweit sinkt, zeigt sich verstärkt in den Schulstatistiken. Trotz der ungünstigen Tendenzen und der Assimilation hat sich die Zahl der madjarischen Schulanfänger stabilisiert. In Niedermarkt ist dieses Phänomen weniger stark ausgeprägt, aber es gibt bereits Anzeichen dafür. Hier ändert aufgrund der Nähe zur Hauptstadt der Zuzug von Slowaken die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Nationalität.
Der Wechsel von einer Schule zur anderen ist theoretisch möglich, aber nicht besonders häufig. Wir hatten schon mehrere Schüler( meist aus Mischehen), die aus slowakischen Gymnasien zu uns kamen. Sie mussten Ausgleichsprüfungen in den Fächern ablegen, die sie in ihren früheren Schulen nicht gelernt haben.
SB: Sie sind Absolvent der Constantin-Universität Neutra / Nitra und haben dort das Fach Slowakische Sprache und Literatur auf Lehramt studiert. Anschließend waren Sie sieben Jahre lang am Slowakisch- Lehrstuhl der Universität. Die slowakeimadjarischen Medien haben sich schon mehrfach mit den methodischen Herausforderungen des Unterrichts des Faches Slowakische Sprache und Literatur an ungarischen Grundschulen und weiterführenden Schulen( mit deren Konsequenzen für die Sprachkenntnisse der Absolventen) beschäftigt – wie sehen Sie diese Frage und wie begegnen Sie ihr an der Einrichtung in Niedermarkt?
LASZ: Das größte Problem ist, dass für einen Teil der Slowaken- inklusive der Politiker- inakzeptabel ist, dass man in der Slowakei von der Amtssprache als Fremdsprache redet. Obwohl gerade dies der Schlüssel eines effektiven Sprachunterricht wäre.
Wenn ein madjarisches Kind in einem slowakischen Umfeld aufwächst, hat es ein leichteres Spiel, aber wenn jemand als Teil des madjarischen Blocks an der Grenze zu Ungarn, kein slowakisches Fernsehen guckt, keine slowakischen Bücher und Zeitungen liest,
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