Sonntagsblatt 4/2025 | Page 21

einander ähnlich waren, führen wir den im Jahre 1722 geschlossenen Contract mit Kleinmanok an:
“ Das Dorf verfügte über den ganzen Hotter, einschließlich der Schenkkonzession, die Herrschaft behielt sich nur das Jagd- und Fischereirecht vor. Sie( die Untertanen, Red.) wurden vom Frohndienst und vom Zehent befreit. Sie bekamen unentgeltlich Bau- und Brennholz, durften mit Eicheln mästen. Dafür musste ein Bauer mit einer ganzen Session 15 Ft, einen Kübel Weizen, einen Kübel Hafer und drei Fuhren Heu zahlen. Die Neubauern waren 3 Jahre lang und ihre Weingärten 6 Jahre lang steuerfrei.”
Die Zahl der Bevölkerung wuchs schnell: 1725 waren es 39 Familien. Auf die Neubauern warteten aber große Schwierigkeiten. Die Leute waren arm, hatten keine Zugtiere und die Felder waren seit Jahrzehnten nicht bestellt. Die Leute arbeiteten als Tagelöhner in Hedjess und sogar in Szigetvár. Sechs Jahre später- 1731- lebten nur noch 13 Familien im Dorf. Die Flucht der Bevölkerung hängt auch damit zusammen, dass nach sechs steuerfreien Jahren die Steuerpflicht eingeführt wurde. Die Menschen kehrten nicht nach Deutschland zurück, sondern zogen in andere Dörfer um, wohin die Herrschaften sie mit weiteren Begünstigungen lockten.
Die anfänglichen Schwierigkeiten wurden um die Mitte des Jahrhunderts überwunden. Die Bevölkerungszahl erhöhte sich auf 61 Familien. Der Viehbestand verzehnfachte sich. 1756 gab es 86 Pferde, 107 Ochsen, 111 Kühe, 187 Schweine, 305 Ziegen und Schafe in der Gemeinde. Das bestellte Feld war sechsmal so groß wie im Jahre 1731. Die Bauern betrieben Dreifelderwirtschaft.
Die katholische Kirche und die Tätigkeit von Pfarrer Michael Winkler
Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Katholische Gemeinde schon im Jahre 1727 einen eigenen Pfarrer hatte. Die Schule wurde 1731 gegründet. Der bedeutendste Pfarrer der frühen Zeit( 1759-69) war Michael Winkler. Er ließ die Kirche neu errichten und besorgte eine Orgel. Er schrieb eine Pfarrchronik, in der er über die Herkunft, Sitten und Gewohnheiten der Sagetaler berichtet. Laut Winkler waren die Leute trinksüchtig und wild: Es kam oft zu Raufereien. Winkler bezichtigte sie auch der Sittenlosigkeit. Die Jungen und Mädchen hüteten in der Nacht gemeinsam das Vieh auf der Weide. Andere Mädchen schliefen im Sommer in der Scheune, im Stall oder auf dem Flur, wo sie ihren Geliebten empfingen. Entrüstet schreibt Winkler über ihre Gleichgültigkeit in religiösen Fragen. Sie hoben nicht einmal ihren Hut vor dem Allerheiligsten. In der Fastenzeit aßen sie Fleisch, während den Begräbnissen machten sie Spaß. Bei der Opferung stießen sie mit Weingläsern an und als der Pfarrer den Messwein trank, leerten sie auch ihre Gläser.
Zudem waren sie auch abergläubisch: Zur Trauung ritten die Frauen zum Beispiel auf Besenstielen. Sie sollen auch verschiedene Schwangerschaftsverhütungsmethoden gekannt haben. Kranke Menschen und Tiere beteten sie gesund. Weiterhin schrieb Winkler die Sagetaler Familien zusammen und zeichnete selbst Familienstammbäume, die heute als wertvolle Quellen zur Familienforschung dienen.
Unruhe im Komitat Tolnau und das Urbarium
Im Jahre 1765 gab es Unruhen im Komitat, so auch in Sagetal. Die Bauern verweigerten den Frondienst und die
Zahlung verschiedener Abgaben und Steuern.
Im Jahr 1765 kam es in mehreren Komitaten( Bezirken) Transdanubiens zur Unzufriedenheit unter den Bauern. Die Unruhe breitete sich von Eisenburg und Sala auch auf die Schomodei, die Branau und die Tolnau aus. Die Erhebungen betrafen vor allem große Herrenerbgüter( Allodien). Hier wurden die Bauern besonders stark zur Frondienstleistung heranzogen. Es erhoben sich die Untertanen der Grafen Styrum-Lymburg, Festetics und des Fürsten Esterházy. Auch das Herrschaftsgut Hedjess blieb von der Bewegung nicht verschont; dort zeigte sich der Widerstand vor allem in der Verweigerung der Fronarbeit.
In den Ansiedlungsverträgen hatte Graf Mercy den Siedlern im Allgemeinen Befreiung von dem Frondienst gewährt. Dass sich die Bauern dennoch gegen übermäßige Frondienste auflehnten, deutet darauf hin, dass die Herrschaft diesen Vertragspunkt längst übergangen hatte und es ihr gelungen war, den Frondienst auch den deutschen Dorfbewohnern aufzuzwingen.
Am 11. Mai 1766 griffen die Bewohner von Berin / Diósberény ihre Ortsvorsteher an und verweigerten von diesem Tag an jegliche Fronarbeit. Der Bewegung schlossen sich auch die umliegenden Dörfer Sarasch / Szárazd, Udvari, Jink / Gyönk und Sakal / Szakály an. Die Einwohner von Sagetal gingen am 26. Mai zwar noch zur Fronarbeit aufs Feld im Gebiet von Hedjess, doch auf die Drohungen der Sakaler hin nutzten sie die Gelegenheit und stellten ihre Arbeit ebenfalls ein. Am Abend versammelten sie sich und erklärten, dass sie keinen weiteren Dienst leisten würden, bis der Herrscher ihre Angelegenheit geregelt habe.
Die Wiener Regierung reagierte zwiespältig: Einerseits ließ sie die bäuerliche Bewegung mit militärischer Gewalt niederschlagen: Nach Sakal, das als Zentrum des Aufstands galt, wurden 80 Kürassiere entsandt. Schon ihre bloße Anwesenheit genügte, um die Ordnung wiederherzustellen; die Dörfer, darunter auch Sagetal, nahmen ihre Arbeit wieder auf. Für den Aufstand erhielten 32 Bewohner von Berin und 4 von Sagetal je 50 Stockschläge zur Strafe.
Daraufhin regelte die damalige Königin Maria Theresia in einem Erlass – im sogenannten Urbarium- die Rechte und Pflichten der Bauern. Eine Hufe( Session) bestand in Sagetal aus 22 Joch Acker, acht Joch Wiese und einem Joch Hofland. Die Hutweide gebrauchten sie gemeinsam.
Dafür mussten sie 1 / 9 der Fechsung den Grundherren abgeben, 104 Tage lang Handdienst oder 52 Tage Zugfrohne leisten, einen Forint Zins zahlen und Geschenke geben.
Die Sagetaler Bauern besaßen im Allgemeinen keine ganze, sondern nur eine halbe oder eine viertel Session, d. h. nur 8-15 Joch Feld. Insgesamt hatten 47 Bauern 22 Sessionen zu eigen. Außerdem lebten 23 sogenannte Kleinhäusler in der Gemeinde, die überhaupt keinen Acker, nur etwas Weingarten besaßen.
Der Hotter wurde für so viele Leute zu eng. Die Ursache war die hohe Zuwachsrate der Bevölkerungszahl. Es wurden im Durchschnitt jährlich 30-50 Kinder geboren und es starben nur 20-30 Personen. Die meisten Verstorbenen waren Kinder, mehr als die Hälfte waren unter dem sechsten Lebensjahr. Da aber die Familien viele Rinder hatten- durchschnittlich zehn- nahm die Bevölkerung ständig zu.
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