Sonntagsblatt 4/2025 | Page 20

„ DEUTSCHESTE“ ORTSCHAFTEN UNGARNS:( 1.2) SAGETAL

Von Ibolya Lengyel-Rauh
In der letzten Ausgabe durfte der Leser und die Leserin die kurze Zusammenfassung der Ansiedlung von Sagetal / Szakadát schon ein bisschen kennen lernen. In diesem Beitrag möchte ich die ersten Jahre von der Ansiedlung bis zur staatlichen Regulation der bäuerlichen Verpflichtungen( 1767) näher vorstellen, da die Ansiedlung der Ortschaft und die darauffolgenden Jahre sehr gut erforscht sind. Eine Monografie ist auch entstanden. Weiterhin gibt es ein Buch von Adam Schultz, dem letzten Direktor der Grundschule von Sagetal. Er hat die Geschichte des Dorfes verarbeitet.
Im ersten Beitrag habe ich schon erwähnt, dass die Tolnauer Ortschaft Sagetal im Jahre 1723- 1724 von Graf Mercy besiedelt wurde. Aber ich möchte seine Ansiedlungstätigkeit auch kurz erläutern, da er ein angesehener General der Habsburgerarmee war.
Wer war Claudius Florimund Graf Mercy d’ Argenteau?
Claudius Florimund Graf Mercy d’ Argenteau( 1666 – 1734) entstammte einer alten lothringischen Adelsfamilie französischer Herkunft, deren Stammsitz in der Gegend von Lüttich( Liège, Belgien) lag. Bereits im Dreißigjährigen Krieg kämpfte die Familie auf der Seite der Katholiken. Claudius Florimund selbst trat in den Dienst der Habsburger Monarchie und machte dort eine außergewöhnliche Karriere. Als kaiserlich-königlicher General und Gouverneur des Banats erlangte er großen Einfluss und wurde von Kaiser Karl VI. zum Präsidenten der kaiserlichen Ansiedlungskommission(„ Telepítési Bizottság“) für das Banat ernannt. Zwischen 1717 und 1719 nahm Mercy an den habsburgischen Feldzügen in Italien und Sizilien teil und wurde 1719 in den Grafenstand erhoben.
Im Jahr 1722 erwarb Mercy umfangreiche Besitzungen in der Tolnaer Gespanschaft – unter anderem Hedjess / Hőgyész, Pálfa, Abtsdorf / Bátaapáti, Kleinmanok / Kismányok, Waschad / Varsád, Kölesd und Mutsching / Mucsi – und begann dort mit einer planmäßigen Kolonisierung. Sein Ziel
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war es, die durch Kriege und Seuchen entvölkerten Gebiete neu zu beleben. Am 29. April 1734 fiel er in der Schlacht bei Crocetta nahe Parma im Krieg gegen Frankreich. Da Mercy unverheiratet blieb, gingen seine Besitzungen an seinen adoptierten Neffen Anton Ignaz Karl August Graf Mercy-d’ Argenteau( 1691 – 1767) über. Dieser amtierte später als Gouverneur von Kroatien und Slawonien und starb 1767 in Esseg / Osijek.
Zwischen 1721 und 1773 entfalteten die Grafen Mercy eine umfassende Ansiedlungspolitik. Auf ihren Gütern ließen sich vor allem deutsche Kolonisten aus Hessen, daneben aber auch Slowaken und Madjaren nieder. Besonders stark war die Zuwanderung in den Jahren 1721 – 1724. Viele dieser deutschen Siedler waren ursprünglich für das Banat bestimmt, ließen sich jedoch nach der Werbung durch Mercys Agenten in Tolnau nieder. Diese warben mit dem Hinweis auf das gesündere Klima und die dort garantierte Religionsfreiheit. Im Jahr 1722 erwarb Mercy große Besitzungen von Graf Zinzendorf, Baron Schilson und von der reformierten Familie Székely. Das Zentrum des weitläufigen Herrschaftsgebiets bildete Hedjess / Hőgyész.
Die demografische, religiöse und wirtschaftliche Struktur der Tolnauer Region wurde somit nachhaltig von der Mercy’ sche Ansiedlungspolitik geprägt. Dadurch entstand eines der bedeutendsten lutherischen Zentren Ungarns im 18. Jahrhundert. Die Namen Mercy und Tolnau blieben dauerhaft mit der Geschichte der südungarischen Deutschen verbunden.
Die Ansiedlung von Sagetal und seine Bevölkerung
Wie oben erwähnt, erwarb Graf Mercy das Hedjesser Herrschaftsgut im Jahr 1722, zu dem auch Sagetal gehört. Er besiedelte die Gemeinde im Jahre 1723-1724 mit Deutschen. Die genaue Herkunft der Sagetaler ist umstritten. Es steht aber fest, dass sie aus der Gegend von Limburg stammen. Mercy schloss mit den Neubauern Contracte. Der Sagetaler Vertrag blieb nicht erhalten. Da die Bedingungen der Ansiedlungen in den verschiedenen Dörfern