Sonntagsblatt 4/2024 | Page 34

viele Winzer aufgeben mussten , so das Paar . Auf der anderen Seite hätten sich die Kosten unter anderem durch die Energieverknappung massiv erhöht . Selbst Rosé werde weniger verkauft , der neue Trend sei alkoholfrei . Auch der Klimawandel setze dem Weinbau zu : durch enorm lange Trockenperioden und wolkenbruchartigen Regen , wo viel Wasser unnütz abfließe . Neue Schädlinge stellen die Winzer auch vor Herausforderungen . „ Als wir 1998 hier ankamen , herrschte ein kontinentales Klima , -20 Grad im Winter waren keine Seltenheit . Das ist aber lange vorbei ”, erzählt Susann Hanauer .
Den Grundstein für das Weingut Waßmann bildete nach Angaben Hanauers ein 1000 qm großer Weingarten – das Gut wuchs zwischenzeitlich auf zwei Hektar an . Gegenwärtig bewirtschafte das Paar 1,5 Hektar und baue Blaufränkisch und Cabernet Franc an - mit gelegentlichem Zukauf von Biotrauben . „ Wir waren die ersten in der Weinregion , die auf chemischen Pflanzenschutz und Kunstdünger verzichtet haben . Wir arbeiten nur mit natürlichen Stoffen und stellen biodynamische Weine nach der Demeter-Methode á la Rudolf Steiner und Naturweine her . Mittlerweile gibt es einige Biowinzer in der Willander Weinregion ”, berichtet Susann Hanauer . „ Beim Spritzen verwenden wir Kupfer und Schwefel sowie Kaliumbikarbonat und Teeauszüge ”, ergänzt Ehemann Ralf Waßmann , der sich nach Arbeiten am Dach dazugesellt .
Was die Pläne für die Zukunft angeht ? „ Wir wollen nicht wachsen , sondern diese kleinbäuerliche Struktur bewahren . Deshalb haben wir keine Subventionen in Anspruch genommen . Wir wollen weiterhin frei leben ”, sagen die beiden selbstbewusst .
Das Weingut komme auf eine Jahresproduktion von 6000-8000 Flaschen und es werde auch nach Übersee exportiert . Corona habe zu einer Krise geführt - gerade im Qualitätssegment - durch die Zwangsschließung von Restaurants . „ Früher haben wir viel in Ungarn verkauft , etwa 50 % der Weine - heute maximal 10 %. Der meiste Wein geht nach Amerika , aber auch die Partner in vielen europäischen Ländern und der deutsche Online-Shop sorgten für Umsatz . Ab Hof kostet eine Flasche im Durchschnitt 6500 Forint ( 16 Euro ), im Online-Shop 25 Euro ( 10.250 Forint ). Die Preise konnten wir seit 10 Jahren nicht erhöhen , der Preiskampf ist enorm ”, so Waßmann . Dies habe dazu geführt , dass
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