Sonntagsblatt 4/2024 | Page 29

ES BEGANN MIT EINEM RAUPEN- FAHRZEUG

Dr . Eva Hartl aus Ödenburg zeigt im „ Évárium ” das Ergebnis ihrer jahrzehntelangen Sammeltätigkeit
Von Richard Guth
Wie der Zufall so will : Auf dem Rückweg von einem Interview mit einem ungarndeutschen Parlamentsabgeordneten lief ich in der Altstadt von Ödenburg an einem Ausstellungsraum vorbei , der einen interessanten Namen trug : Évárium ( Evarium ). Wie ich von einer Mitarbeiterin erfuhr , wurde das Évárium Anfang Juni eröffnet und zeigt die Spielzeugsammlung von Dr . Eva ( Éva ) Hartl . „ Évárium ist ein Wortspiel : Ich wollte einen Hinweis geben auf die Bedeutung der Traditionspflege und gleichzeitig der Sammlung durch meinen Vornamen eine persönliche Note verleihen ”, davon erzählt bereits die Besitzerin der Sammlung , die gebürtige Ödenburgerin Dr . Eva Hartl .
Wie der Name verrät , ist Frau Hartl deutscher Abstammung , und zwar beiderseits : „ Mein Vater , Julius ( Gyula ) Hartl jun ., stammt aus Wieselburg-Ungarisch-Altenburg . Der Bruder meines Großvaters arbeitete noch als persönlicher Fahrer von Erzherzog Friedrich ( von Österreich-Teschen , Red .) und seiner Familie , die in Ungarisch-Altenburg einen Meierhof besaß . Mein Opa sprach Hochdeutsch in der Familie . Meine Mutter , Theresia ( Terézia ) Steeg , stammt hingegen aus Ödenburg , meine Großeltern sprachen Ponzichterisch . Ich habe zu Hause viel Deutsch gehört ”, so die 60-jährige Dr . Eva Hartl .
Nach dem Abitur am Dániel-Berzsenyi-Gymnasium studierte Eva Hartl Kindergartenpädagogik und fand ihre erste Anstellung in Fünfkirchen . Nach der Geburt der beiden Kinder Eszter und Levente sowie der Scheidung zog die Familie nach Ödenburg . Eva Hartl studierte nach eigenen Angaben Lehramt . Seit 1996 unterrichtet sie im Hochschulwesen . Im Jahre 2008 hat sie ihren Doktortitel erhalten . Zurzeit ist sie Dozentin an der Pädagogischen Fakultät „ Elek Benedek ” der Universität Ödenburg . Eva Hartl hat sich auf Spiele- , Umwelt- und
Waldpädagogik spezialisiert , aber auch die Erziehungspädagogik hat sie zu einem Forschungsschwerpunkt gemacht .
Aber was hat sie zur Sammeltätigkeit geführt ? „ Die ersten Spielzeuge waren ein Raupenkettenfahrzeug meines Vaters aus Blech und eine Porzellanpuppe meiner Oma . Die Gegenstände haben mich irgendwie berührt und die Sammelleidenschaft entfacht ”, erinnert sich Dr . Eva Hartl . Danach habe sie Flohmärkte besucht und immer mehr Spielzeug aller Art aus dem Bekannten- und Freundeskreis erhalten . Wie groß die Sammlung ist , könne sie nicht sagen , „ aber wenn ich in Rente gehe , dann zähle ich sie mal ”, schmunzelt die Sammlerin .
Mit der Eröffnung des Évárium in der Ödenburger Klostergasse sei ein großer Traum in Erfüllung gegangen , so Hartl , die die meisten Gegenstände in Kisten aufbewahre und ausgewähltes Spielzeug im Ausstellungsraum vorstelle . Dabei ist sie nach eigenem Bekunden sowohl der Stadt Ödenburg als auch dem Stadtmuseum dankbar : Letzteres betreibt das Évárium professionell , mit eigenem Personal . Die Gegenstände sind Leihgaben , wofür sie keine Gegenleistung erwarte . Ihr gehe es darum , anderen Freude zu bereiten : „ Bei den Älteren sollte die Sammlung nostalgische Gefühle hervorrufen , bei den Jüngeren einen Vergleich mit modernen Spielzeugen ermöglichen und insgesamt die Chance bieten , in diese vergangene Welt einzutauchen ”, erzählt Hartl . Die Gegenstände stammen aus der Zeit zwischen 1870 und 1970 . Die ständige Spielzeugausstellung ist in einem mittelalterlichen Haus untergebracht , Eva Hartl findet den Ort einen „ würdigen Bau ”. Genauso freute sie sich über die mehr als 100 Gäste bei der Eröffnung am 6 . Juni 2024 , der auch der Bürgermeister der kreisfreien Stadt beiwohnte .
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