alten Familiennamen Wesner festhielt, madjarisierte sein Bruder Anton, ein katholischer Priester, auf Várnagy.
Auch historische Prozesse sorgten häufig dazu, den alten Namen abzulegen: Wie am Beispiel der Schaumarer Schwaben, die in den 1930er Jahren in beachtlicher Zahl ihre Namen madjarisieren ließen. Der vor langem verstorbene Ortshistoriker Dr. Stefan Jablonkay erklärte dies in seiner aufwändigen Ortsmonografie als Ausdruck des Bekenntnisses zum ungarischen Vaterland vor dem Hintergrund der politischen Kämpfe der Gratz’ schen und
Brasch’ schen Linien bzw. der SS-Zwangsrekrutierungen im Ort. Jablonkay muss sich in der Materie ausgekannt haben: Er wurde als Sohn des Lehrers Johann Gräfl geboren und nahm später den Namen seiner madjarischen Mutter Mária an.
Diese Beispiele zeigen die Komplexität solcher historischer Vorgänge. Eins wird dabei deutlich: Man sollte stets um eine angemessene Bewertung bemühen jenseits althergebrachter Klischees.
WAS WIR MIT UNS NOCH ANFANGEN WOLLEN
Von Robert Becker
Wenn man irgendwo und irgendwann die ganze Zeit in sich hadert und meckert, kann man sich dabei ganz gewiss nicht wohlfühlen.
Während dieses Sommers habe ich es mir( mehr nur probehalber) wieder angetan: Ich habe ungarndeutsche Veranstaltungen besucht. Ja, sonst meide ich sie gerne, weil ich es gar nicht gerne sehen will, was von uns noch bis in dieses 21. Jahrhundert übrig geblieben ist. Was haben wir stattdessen uns noch bewahrt und überliefert- in unserer Sprache und in unserer lebendigen Kultur, die uns auszeichnen könnte?
An dieser Stelle gibt es zwar eine Konserve in ihrer stark eingegrenzten und umrissenen Dose. Dort tut man kaum mehr etwas dazu- nur aufbewahrt ohne Würze und mit dem Verlangen der Zeit nicht mehr angepassten Geschmack – nur Sülze halt. Das ist auch etwas- das muss man schon zugeben- denn es könnte auch noch mehr anders sein – noch schlimmer halt. So haben wir einen Aufschub in Sachen Aussterben – besser gesagt: in unserer aktuellen Zeit und unserer Öffentlichkeit als ausgestorben deklariert zu sein.
So scheint es. Leider ist aber dieser Anschein unsere letzte Hoffnung, nicht als wahrlich aufgegangen und verflüchtigt enttarnt zu werden. Man ist aber großzügig genug in unserem Land, darin das Interesse zu erkennen und den Anschein zu bewahren: Stattdessen sollte man Tatsachen- an denen man doch nicht unschuldig ist- als Ausgangspunkte eventuell nötiger( vielleicht auch noch hilfreicher) Entscheidungen in die Wege zu leiten.
Die Zeit hat doch( gar nicht ohne unser eigenes phlegmatisches Dazutun) über uns schon so weit hinweggeblättert, dass wir selber kaum mehr wissen können: Hat sie nicht auch die letzte Seite, auf die wir aufgeschrieben sind, bereits zugeschlagen? Oder steht da noch irgendein Impressum, wo eine Statistik uns offiziell erfassbar macht? Oder nicht?
Das Fortbestehen einer Volksgruppe hat nichts damit zu tun, ob es sich in seiner Nützlichkeit in bare Münze verwandeln lässt oder nicht. Bei uns ist leider jene Stufe bereits erreicht- wo die Selbstverständlichkeit danach verlangt- dass wir in unseren Familien und in allen Foren- wo wir nur vertreten sind- unsere eigene Sprache kaum mehr gebrauchen. Die Frage ist, ob wir uns nur zurückgezogen oder bereits schon aufgegeben haben?
Natürlich gibt es auf diese Fragen Antworten von einzelnen Subjekten, denn der eine macht es so, der andere anders. Man akzentuiert unterschiedliches Gewicht bei der Betonung seiner Bekenntnisse- aber im Allgemeinen macht man es sich bequem. Die Zugehörigkeit erscheint nicht als eine Selbstverständlichkeit. Sie ist eine umständliche Darstellung, um sich beteuernd zu beweisen- also eine schwache, wenn nicht gar erbärmliche Produktion. Von dem Rande des Spiels- von der Reservebank gesehen halt- von wo man in dieses Endspiel ganz sicher nicht mehr eingewechselt wird!
Hier gelten Team-Interessen einer Mannschaft, die nicht mehr in eine höhere Liga aufsteigen will. Man möchte sich einfach klein genug gehalten subventioniert wissen- ohne sich wahrlich anzustrengen. Ein Old-Boys-Team, das sich unter der Berufung auf den verschleierten Glanz von einst geehrt wissen möchte! Ohne Rücksicht auf die Torchancen von ehemals! Man hat jedoch jeden Sieg, jede Chance einst in die Ruhmeshalle einzuziehen, recht kläglich verfehlt- nicht zufällig, aber aus der Perspektive von uns Zuschauern.
Man hätte die Masse nicht in den Status bloßer Zuschauerdegradieren sollen. Man hätte Leben auch unter uns hineinhauchen müssen. Das wäre ein Odem, der durchströmt, der dafür sorgt, eine wahre Gemeinschaft unter uns zu bilden. Dann wären wirnicht nur Zuschauer und Statisten, von denen man mehr als Beifall auf Zeichen nicht erwartet.
Deshalb ist es so, dass- nach meinem Geschmack- unser politisches Engagement sehr wenig zählt. Die Superliga bringt nichts, wenn es die Fachsektion weiter nicht bringt. Sie trifft nur unter den eigenen und persönlichen Nachkommen ihre Auswahl und schon gar nicht nach dem fachlichen Können der kämpfenden Athleten. Denn hier gibt es taktische Kriterien, die längst nichts mehr damit zu tun haben, wie eine Steigerung der Fähigkeitenerlaubt wäre – bis zu einem möglichen Aufstieg von ganz unten nach oben.
Der Stillstand der Konserve hat sich zu einer Regel des Verfalls gemacht. Sie steht vor uns- noch nicht aufgemacht. Wir können sie nicht einmal riechen, zum Verkosten ist sie nicht einmal gedacht. Die angeblichen Zutaten sind ohne Zusatzstoffe sorgfältig vermerkt, aber wer weiß: Vielleicht ist diese Konserve ja von je her schon leer?
Wenn man etwas verschleiern oder milde ausdrücken wollte, sagte man in meiner Mundart, man will es „ vermimblunvermambl“. Diese Diplomatie sehe ich in unserem Fall gar nicht mehr nötig. Zu vermimbeln und vermambelnwäre durch die Blume gesprochen- ohne auszusprechen, was einem auf dem Herzen liegt.
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