Sonntagsblatt 3/2026 | Page 8

Erinnerungsstücke der Flucht: Spielzeuge und Gebetsbücher
Eine Litfasssäule im Demokratikum macht anhand ausgewählter Beispiele sichtbar, wie dieses europäische Erbe Österreich bis heute prägt. Ergänzend dazu zeigen Schaukästen persönliche Erinnerungsstücke, die Leihgeberinnen und Leihgeber zur Verfügung gestellt haben: Kinderspielzeuge, Gebetsbücher, historische Ausweisdokumente und Aufenthaltsgenehmigungen erzählen von individuellen Schicksalen zwischen Verlust und Neubeginn. Eine multimediale Installation mit integrierter Videowall vermittelt
die Inhalte auf zeitgemäße und niederschwellige Weise.
Die Ausstellung verweist auch auf die politische Dimension des Themas: Zu den Altösterreicherinnen und Altösterreichern zählten die ersten drei Bundespräsidenten der Zweiten Republik ebenso wie zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Auch das Parlament selbst befasste sich in der Nachkriegszeit mit der Lage der Vertriebenen; mit Fragen der Staatsbürgerschaft, der sozialen Sicherung und der politischen Teilhabe.

EINER ANGEMESSEN BEWERTUNG WILLEN

Von Richard Guth
Vor einigen Wochen hat sich ein Landsmann in den sozialen Medien beklagt, man habe seine These, dass es in seinem Heimatort keinen Zwang zur Namensmadjarisierung gegeben habe, in Zweifel gezogen. Als Beispiel brachte der Herr den Fall eines Verwandten von ihm, der als katholischer Geistlicher seinen deutschen Nachnamen behalten habe bzw. habe behalten können.
Unter seinem Post entbrannte eine heftige Diskussion. Auf der einen Seite standen Kommentatoren, die mit Entschlossenheit seine These stützten, wonach es gar keinen Druck seitens des ungarischen Staates gegeben habe. Wiederum andere bestritten das vehement und brachten konkrete Beispiele aus dem Verwandten- und Familienkreis, die belegen sollten, dass es doch ganz konkrete Erwartungen gab( wenn man in den Staats- oder Kirchendienst eintreten wollte), den alten Namen gegen einen „ wohklingenden” ungarischen einzutauschen. Dass dies nicht nur Nachna-
8 men betraf, zeigen bezüglich des Vornamen Rudolf-Rezső die Berichte aus der Familie und die Nachforschungen des Journalisten Gabriel Stöckert aus Ödenburg, deren Ergebnisse wir in Teilen gerade im Sonntagsblatt veröffentlichen( Sie kämpften für das Recht, zu Ungarn zu gehören, ab Printausgabe 2 / 2026).
Die dritte Gruppe bilden diejenigen, die um eine Differenzierung bemüht sind. Denn neben schriftlichen Instruktionen gab es auch subtilere Methoden, jemanden zum Namenswechsel zu bewegen, nämlich eine gesellschaftliche Atmosphäre, die eine nominelle Anpassung regelrecht erwartete. Da kommen die Worte meines vor einigen Jahren verstorbenen Freundes und Weggefährten Franz Wesner in den Sinn, wonach, jedenfalls nach damaligem Verständnis, nur Madjaren Herren gewesen sein könnten. Seine eigene Familiengeschichte beleuchtet selbst das verbreitete Phänomen der Namensmadjarisierung: Während er an dem