Sonntagsblatt 3/2026 | Page 7

Nationalitätengymnasium sowie am Valeria-Koch-Bildungszentrum gesichert.
Anschließend nahm die Vollversammlung den Jahresbericht der Geschäftsstelle der LdU für das Jahr 2025 an. Der Bericht dokumentiert ausführlich die finanzielle, rechtliche und organisatorische Arbeit des Amtes. Dazu gehören die Durchführung landesweiter Bildungs- und Kulturprogramme, Investitionsmaßnahmen sowie die Vorbereitung von Förderprojekten und Wahlen. Ein eigenes Kapitel widmet sich der Arbeit der Regionalbüros, die weiterhin eine zentrale Rolle bei der fachlichen Unterstützung der örtlichen deutschen Selbstverwaltungen spielen. Die Regionalbüros spielen diese Rolle auch bei den zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie bei der Organisation des kulturellen Lebens.
Ebenfalls angenommen wurde der Tätigkeitsbericht der Vorsitzenden und ihrer hauptamtlichen Stellvertretenden über die vergangenen zwei Monate. Aus ihm ging hervor, dass die Umsetzung des Stipendienprogramms sowie die Vorbereitung ungarischer und deutscher Förderprogramme konsequent fortgeführt wurden. Das gilt auch für die Planung der Projekte für 2027 sowie zahlreiche Kommunikations-, Jugend- und Kulturprojekte. Einen weiteren
Schwerpunkt bildeten die Umsetzung der Bildungsstrategie, die Begleitung laufender Investitionen sowie der Ausbau nationaler und internationaler Kontakte.
Zum Abschluss nahm die Vollversammlung den schriftlichen Bericht von Gregor Gallai entgegen, dem Parlamentssprecher der Ungarndeutschen. Darin zog er Bilanz über seine ersten Monate im Hohen Haus sowie seine Tätigkeit als Vorsitzender des Ausschusses der Nationalitäten Ungarns. Er berichtete unter anderem, dass es gelungen sei, die Pflege der Nationalitätenkulturen und-sprachen ausdrücklich als Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medien gesetzlich zu verankern. Darüber hinaus informierte er über die neue Einordnung der Nationalitätenpolitik innerhalb der Regierungsstruktur. Die Zuständigkeit liegt nun beim Ministerium für Kultur und Innovation, wo Minister Zoltán Tarr, Staatssekretär Dr. György Heidl und der stellvertretende Staatssekretär György Rágyanszki die Verantwortung für diesen Bereich tragen. Gallai betonte zugleich, dass Fragen der Nationalitätenbildung und des institutionellen Systems auch langfristig eng mit der Bildungspolitik und weiteren fachpolitischen Bereichen verzahnt bleiben sollten.

NEUE AUSSTELLUNG IM PARLAMENT:

„ BLICKWECHSEL. DAS ERBE ALTÖS- TERREICHS“

Hunderttausende deutschsprachige Menschen der ehemaligen Habsburgermonarchie fanden in Österreich eine neue alte Heimat
VLÖ-Pressemitteilung
Das Parlament eröffnete im Besuchszentrum Demokratikum – Erlebnis Parlament die Ausstellung „ BLICK- WECHSEL. Das Erbe Altösterreichs“. Sie widmet sich den deutschsprachigen Menschen aus Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich eine neue Heimat fanden. Es handelt sich um europäisches Erbe, das die Republik Österreich bis heute prägt.
Rosenkranz: Aus Menschen, die ihre Heimat verloren haben, wurden Mitbürgerinnen und Mitbürger
Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eröffnete die Ausstellung mit einem Hinweis auf ihre historische und gesellschaftliche Bedeutung: „ Das Parlament ist der Ort, an dem Geschichte nicht nur erinnert, sondern vielfach auch gestaltet wurde.“ Und weiter: „ Politische Entscheidungen haben hier Lebenswirklichkeit geschaffen, Rechte begründet und den Rahmen dafür gesetzt, dass aus Menschen, die ihre Heimat verloren hatten, Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Republik werden konnten“. So wurde am 29. Juni 1954 das sogenannte Optionsgesetz im Bundesrat behandelt, durch das viele Altösterreicherinnen und Altösterreicher die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen konnten.
Die Ausstellung erzählt eine Geschichte, die weit vor 1945 beginnt. Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 fanden sich Hunderttausende deutschsprachiger Menschen außerhalb der Republik Österreich wieder. In den Gebieten des heutigen Tschechien, der Slowakei, Polens, Ungarns, Rumäniens, Serbiens, Kroatiens und Sloweniens waren sie seit Jahrhunderten ansässig und Teil einer vielsprachigen, kulturell verflochtenen Gesellschaft. Zwischen 1944 und 1947 wurden viele von ihnen zur Flucht gezwungen oder vertrieben. Viele gelangten in das vom Krieg gezeichnete Österreich, wo ein schwieriger, aber erfolgreicher Integrationsprozess begann.
Kurator Kührer-Wielach: Facettenreichtum war überraschend
Kurator der Ausstellung ist Florian Kührer-Wielach, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auch er lernte bei der Recherche zu den Altösterreicherinnen und Altösterreichern Neues kennen: „ Ich durfte mich auf eine der interessantesten beruflichen Reisen meines Lebens zu einem Thema begeben, das mir einerseits sehr vertraut ist, dessen Facettenreichtum mich aber in den vergangenen Monaten mehrmals überrascht hat.“
Zur inhaltlichen Ausrichtung meinte Kührer-Wielach, dass Flucht- und Vertreibungsereignisse zentrale Momente dargestellt haben. So zeigen die Debatten im Hohen Haus nach dem Zweiten Weltkrieg, „ wie sich Republik und Gesellschaft zuerst zögerlich, aber Schritt für Schritt dazu bekannten, die deutschsprachigen Flüchtlinge und Vertriebenen formal und realpolitisch zu integrieren“.
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