unseren Ländern schlagen könnte. Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden. Denn diese Zusammenarbeit bestand bereits früher, ja sogar innerhalb der bayerischen politischen Strukturen: In München ist für dieses Ressort eine Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene zuständig- aktuell Dr. Petra Loibl. Auf diesem Pfad machte sich die Jakob Bleyer Gemeinschaft bereits dieses Jahr als ungarndeutsche Zivilgesellschaft an die Pionierarbeit. Zu unserer Überraschung konnten wir feststellen, wie viele neue Perspektiven sich innerhalb dieses Rahmens auch für das Ungarndeutschtum eröffnen könnten. Wir nahmen Kontakt mit der sich in der ostmitteleuropäischen Region engagierenden Hanns-Seidel-Stiftung auf. Diese CSU-nahe Stiftung fühlt sich als bayerisch-christdemokratische Organisation den Minderheitenfragen verpflichtet- insbesondere dem Anliegen des ostmitteleuropäischen Deutschtums. Als Auftakt unserer Zusammenarbeit konnten wir als einzige ungarische Organisation am diesjährigen Politischen Aschermittwoch in Passau teilnehmen. Auf dieser Großveranstaltung der bayerischen Regierungspartei CSU konnten wir auch persönlich bedeutende bayerische politische Persönlichkeiten treffen- wie den Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt sowie Regierungsmitglieder wie Ulrike Scharf, 2. Stellvertreterin des bayerischen Ministerpräsidenten und Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Unsere Mission wurde mit großem Interesse und Offenheit aufgenommen. Damit sind alle Voraussetzungen für eine zukunftsweisende Bauarbeit in der weiteren Zusammenarbeit gegeben.
All diese Vorstellungen führen uns zur Kernfrage, die bereits im Raum steht: Was könnte die Urheimat Bayern der Heimat Ungarn geben? In der minderheitenpolitischen Domäne muss die ungarndeutsche Nationalitätengemeinschaft in Bayern mehr ins Rampenlicht gerückt werden, wo bislang vor allem die Vertriebenengemeinschaften als Fahnenträger galten. Nun ist die Zeit gekommen, dieses Politikfeld auch für die in der Heimat verbliebenen Gruppen zu vertiefen- und zwar auf verschiedene Art und Weise. Ein stärkerer Einsatz Bayerns für Erhalt und Pflege der deutschen Nationalitäten, Minderheiten und Volksgruppen in Ungarn und Ostmitteleuropa ist erwünscht. Hierfür besteht auch auf beiden Seiten ein entsprechender Bedarf. Dieses Rollenverständnis könnte in Form diplomatischer, sprachlich-kultureller und finanzieller Unterstützung sowie Kooperation Gestalt annehmen. Dabei sind die außenpolitischen Reichweiten unserer Länder in respektvoller Weise zu wahren. In der ungarisch-deutschen bzw. ungarisch-bayerischen Diplomatie würde das Ungarndeutschtum deutlich stärker in Erscheinung treten. Diese thematische Sensibilität würde dann auf verschiedenen Ebenen vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen. Nehmen wir nur die Bildungspolitik: Es lässt sich leicht erkennen, dass die Lage der Sprache der deutschen Nationalität sowie der deutschen Sprache insgesamt in Ungarn ein eher düsteres Bild zeichnet. Auch hier blicken wir erwartungsvoll in Richtung der bayerischen Alpen, da der Freistaat mit seinen bildungspolitischen Instrumenten unterstützend wirken könnte- etwa durch Lehrkräfteentsendungen( eigentlich angesichts des Lehrkräftemangels in Deutschland ein eher problematischer Ansatz), gezielte Praktikums- und Weiterbildungsprogramme für bayerische, ungarndeutsche Lehrkräfte und Studenten. Umgekehrt tauchte bei unserem gemeinsamen Nachdenken auch auf: der Einbau der Vertreibung der ostmitteleuropäischen Deutschen am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg in die bayerischen Lehrpläne. Außerdem hat das Thema der in unserer Region weiterhin lebenden auslandsdeutschen Gemeinschaften eine besondere Bedeutung- orientiert an ungarischen nationalpolitischen Vorbildern im Umgang mit den Auslandsungarn.
Nichtsdestotrotz kann man die ungarisch-bayerische Fantasie auch jenseits der minderheitenpolitisch relevanten Politikfelder frei entfalten. „ Revere the local!”/ „ Verehre das Lokale, das Heimische”- Eine solche Marschrichtung ist etwa das Bestreben zur Erhaltung der Bevölkerung im
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