Sonntagsblatt 3/2026 | страница 42

ländlichen Raum Ungarns. Dies ist auch im Wahlprogramm der neuen ungarischen Regierungspartei als wichtige Zielsetzung verankert. Wie allgemein bekannt ist, gelang es Bayern in diesem Bereich im Zuge seines wirtschaftlichen und modernisierungsbedingten Booms sichtbare Erfolge aufzuzeigen: Durch das Zusammenspiel verschiedener Sektoren( Landwirtschaft, Industrie, neue IT- und Hochtechnologiebranchen sowie Bildung) haben mittelgroße und kleine Städte sowie Dörfer in Bayern Zukunftsperspektiven, anstatt – wie in Ostungarn – eine schrittweise Entvölkerungstendenz. Mithilfe der Bevorzugung heimischer bayerischer Produkte und der damit verbundenen kurzen Lieferketten haben Mittelständler und Arbeitnehmer die Chance, im lokalen bzw. bayerischen Markt zu bleiben und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen. Hier lässt sich ein erfolgreiches bayerisches Rezept erkennen. Hier treffen Heimatliebe und Lokalismus auf Modernität und Innovation. Dieses Rezept kann sowohl für Ungarn als auch für ungarndeutsche Landwirte, lokale Produzenten und Unternehmen ein nachahmenswertes Beispiel liefern( wo innerhalb des Bundeslandes diesbezüglich ebenfalls regionale Unterschiede zu merken sind, etwa in der ungleichen wirtschaftlichen Dichotomie zwischen Oberbayern und( Nord) ostbayern). Bei der Weitergabe der besten Praktiken und deren Übertragung auf ungarische Verhältnisse könnte ein erweitertes Städtepartnerschaftsnetzwerk als Vermittler auftreten, wo auch eine fachpolitische Wissensvermittlung zwischen den Ministerien durchaus förderlich sein könnte.
Wenn es um Bayern geht, ist der Katholizismus als Faktor unvermeidlich. Unbestreitbar befindet sich die katholische Kirche und der Glaube in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sowohl in Deutschland als auch in Ungarn in einem fortgeschrittenen Rückzug- ein Phänomen, das auf mehrere Ursachen zurückzuführen ist. Dennoch bleibt der bayerische katholische Charakter weiterhin identitätsstiftend. Aus historischen und regionalen Gründen ist er innerhalb Deutschlands nahezu eine Art Zitadelle mit ausgeprägten Strukturen und einer starken gesellschaftlichen Verankerung. Demgegenüber ist uns die Situation in Ungarn und insbesondere der ungarndeutschen Gemeinschaft in diesem Bereich bekannt: Zwar versuchen edle Initiativen, die deutsche Sprache in unseren Kirchen, bei den Messen, Beichten und Kreuzwegen lebendig zu halten, doch für weitere Entwicklungsschritte wären deutsche( bayerische) und österreichische Unterstützung unerlässlich: gegenseitige Priesterausentsendungen, sprachliche Aus- und Weiterbildungen, die Verbreitung deutschsprachiger Gebetsbücher sowie ferner die Einbindung des multidimensionalen bayerischen Gemeindelebens in den
Dienst einer ungarndeutschen gemeinschaftlich-sprachlichen und religiösen Renaissance.
Von der anderen Seite des „ Gebens und Nehmens” gesehen stellt sich die Frage, was wir- Ungarn und Ungarndeutsche- Bayern anbieten können. Die Antwort lautet, dass wir bereits etwas beigetragen haben: Hunderttausende unserer Landsleute leben im süddeutschen Freistaat und suchen dort ihr Glück. In Gesprächen mit bayerischen Lokalpolitikern und Bürgermeistern wird deutlich, dass diese ungarisch-ungarndeutschen Kompatrioten äußerst wertvolle und geschätzte Arbeitskräfte sind. Auch wird das ostmitteleuropäische deutsche Potenzial für Süddeutschland in diesem Zusammenhang wahrgenommen. Eine künftige Aufgabe wäre es, diese Gruppen gezielt anzusprechen, damit Fleiß, Wissen und Erfahrungen beiden Ländern zugutekommen können. Das gilt sowohl für in Ungarn ansässige bayerische Unternehmen als auch für zurückkehrende ungarische und ungarndeutsche Arbeitnehmer.
Wie weiter auf den geebneten Bahnen im Interesse der Ungarndeutschen und Ungarns? Vielleicht galt bei Dr. Faustus am Anfang die Tat, bei uns jedoch gelten das Wort und die notwendige Aneignung von Wissen vor dem Handeln. Neben den Alpenbergen müssen auch unsere Vorstellungskraft und unser unternehmerischer Geist in Zukunft in den Wehen liegen, damit aus den wohlklingenden Versprechen Ergebnisse entstehen und nicht nur kleine Mäuschen. Nun gilt es, die bisherige gemeinsame Ideenbörse Schritt für Schritt geschickt und nachhaltig in greifbare Verwirklichung zu überführen. Priorität genießt nach dem gegenseitigen Zusammenfinden die Informationssammlung, die ungarndeutsch-bayerische Präsentationen, Konferenzen und hoffentlich auch einen umfangreichen Studienband über das Ungarndeutschtum umfassen wird. Die Ärmel sind aber auf jeden Fall hochgekrempelt.
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