den. Die historische Überlieferung verweist auf deutsche Siedler aus dem westdeutschen Raum. Gleichzeitig weisen die sprachlichen Merkmale auf mehrere unterschiedliche regionale Traditionen hin.
Die ältere Forschung beschäftigte sich deshalb intensiv mit der Frage, ob die Sagetaler Bevölkerung aus einem relativ geschlossenen Herkunftsgebiet stammte oder ob verschiedene Gruppen von Siedlern zusammenkamen.
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Gerade die Mundart liefert hierfür wichtige Hinweise. Ihre Struktur lässt sich nicht vollständig mit einer einzigen regionalen deutschen Mundart erklären. Neben mittelfränkischen finden sich auch moselfränkische und oberhessisch anmutende Elemente. Dadurch entstand eine Siedlungsmundart, die zwar eine klare mittelfränkische Grundstruktur besitzt, zugleich aber Merkmale verschiedener westmitteldeutscher Herkunftsräume bewahrt.
Die sprachliche Entwicklung ist damit ein Beispiel dafür, wie sich im Zuge der frühneuzeitlichen deutschen Besiedlung Ungarns neue regionale Mundarten herausbilden konnten.
Die mittelfränkische Einordnung
Die wichtigste spätere dialektgeographische Einordnung stammt von J. Márvány. In seiner Untersuchung Zur Gliederung der deutschen Mundarten im südöstlichen Transdanubien untersuchte er die deutschen Mundarten dieses Gebietes unter sprachgeographischen Gesichtspunkten.
Márvány gliedert die westmitteldeutschen Mundarten seines Untersuchungsgebietes- unter anderem in mittelfränkische Mundarten. Er stellt fest, dass im nördlichen Abschnitt seines Untersuchungsraumes nur eine mittelfränkische Ortsmundart vertreten ist: Sagetal.
Diese Feststellung ist für die Einordnung des Dialekts von großer Bedeutung. Sie zeigt, dass Sagetal innerhalb der deutschen Mundarten Südosttransdanubiens eine regelrechte Dialektinsel darstellt.
Die Bezeichnung „ mittelfränkisch“ bedeutet dabei nicht, dass jedes einzelne Merkmal der Mundart ausschließlich aus dem Mittelfränkischen stammt. Vielmehr beschreibt sie die übergeordnete dialektgeographische Zugehörigkeit. Innerhalb dieser Grundstruktur können sich Merkmale verschiedener Herkunftsregionen erhalten haben.
Charakteristische sprachliche Merkmale
Die Besonderheit des Sagetaler Dialekts zeigt sich besonders deutlich im Lautsystem und im Wortschatz. Zu den häufig genannten Merkmalen gehören besondere Diphthongierungen beziehungsweise sogenannte gestürzte Diphthonge. Ein häufig angeführtes Beispiel ist die Form proiph für „ Brief“.
Daneben finden sich auffällige Formen wie: Standarddeutsch das was nichts
Sagetaler Form dot wot naut
Feuer heute fauer hau
Solche Formen sind für die Dialektforschung besonders wertvoll, weil sie nicht nur den Abstand zur Standardsprache zeigen, sondern auch Hinweise auf die regionale Herkunft der Mundart geben.
Besonders auffällig sind die Formen dot und wot. Sie gehören zum sogenannten dat-wat-Typ, der innerhalb der westmitteldeutschen Dialektlandschaft verbreitet ist und auch für die Sagetaler Mundart charakteristisch ist.
Gestürzte Diphthonge und westmitteldeutsche Merkmale
Ein weiteres Kennzeichen der Sagetaler Mundart sind die sogenannten gestürzten Diphthonge. Sie zeigen, dass die Entwicklung der Vokale von der Standardsprache deutlich abweicht.
Die sprachwissenschaftliche Literatur beschreibt Sagetal gemeinsam mit Großseckel / Nagyszékely als eine besondere Mundartgruppe, in der solche Diphthongentwicklungen mit weiteren moselfränkischen Merkmalen zusammentreffen.
Die Kombination verschiedener Merkmale ist dabei besonders interessant. Die Sagetaler Mundart kann nicht anhand eines einzigen Lautmerkmals klassifiziert werden. Erst die Gesamtheit von Lautung, Wortschatz und grammatischen Formen ermöglicht eine zuverlässige dialektgeographische Einordnung.
Sagetal als Dialektinsel
Die geografische Lage verstärkt die Besonderheit der Mundart. In unmittelbarer Nähe von Sagetal befinden sich die deutschen Orte Berin / Diósberény und Jink / Gyönk. Das heutige Sagetaler Mundartarchiv dokumentiert deshalb nicht nur die Sagetaler Mundart, sondern stellt auch Material zu den Mundarten der benachbarten Orte bereit.
Die Tatsache, dass sich benachbarte Orte sprachlich teilweise deutlich unterscheiden, verdeutlicht die kleinräumige Struktur der deutschen Dialektlandschaft in Ungarn.
Die Siedlungsmundarten entwickelten sich nicht einfach entsprechend ihrer geografischen Entfernung. Vielmehr waren die Herkunft der jeweiligen Siedlergruppen, ihre soziale Zusammensetzung und die Kontakte zwischen den einzelnen Siedlungen entscheidend.
Sagetal kann daher als eine sprachliche Insel innerhalb einer größeren deutschen Siedlungslandschaft betrachtet werden.
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