Sonntagsblatt 3/2026 | Page 36

DIE SAGETALER MUNDART

Von Ibolya Lengyel-Rauh
In meinen vorherigen Beiträgen habe ich die Geschichte der Tolnauer Ortschaft Sagetal / Szakadát vorgestellt. Jetzt nehme ich den Sagetaler Dialekt unter die Lupe. Um den Dialekt besser kennen zu lernen, sollte man zuerst den Auszug eines Gedichtes im Sagetaler Dialekt kennen lernen.
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“ Ihr Sakataler Allmenaner, Wie weit sei mir vunanner, In tar ganze Welt varstrahlt- Wie dout em dat so laht! Frolar war tat tach so schee, wemmar kont so zomma geh- netta Nachparschlol un alle Freint- alle Ouwats, wenn dar Mont hott gscheint. Bam Tungla hott mar ta Laternn uugeprennt, wall mir hunn te Loi tar Gaß net gekennt. Mir hunn im Wendar gestreckt bam Elalicht, dar Trout hot mar ragehunge pes pat Gsicht. Mit hunn Batschker gschtreckt un gschbunne, unn die Junga- tie hunn gsunnge, wie dat uus tie Ahle Loi huun gelehrt.”
Dank der Sammlungen von Peter Kremer kann man einen profunden Einblick in den Dialekt bekommen. Sogar Tonaufnahmen sind auf Youtube und auf der Seite https:// szakadat. fw. hu / zu finden und sind eine Bereicherung für die nachfolgende Generation. Sogar ein Audio-Wörterbuch steht uns zur Verfügung, wo die Wörter in der Mundart ausgesprochen werden. Selbst der Sammler Peter Kremer ist in einem Vortrag im Sagetaler Dialekt zu hören. Dank der Sammelarbeit und den Tonaufnahmen bietet sich die Möglichkeit, eine Zeitreise in die Sprachwelt der Vorkriegsgeneration machen zu können. Jedoch ist festzustellen, dass dieser Dialekt am Aussterben ist. Es gibt nur noch ein paar ältere Dorfbewohner oder ehemalige Einwohner, die den Dialekt noch kennen und auch sprechen.
Entstehung, sprachliche Besonderheiten und dialektgeographische Einordnung
Einleitung Sagetal liegt im Komitat Tolnau in Südtransdanubien.
Der Ort gehört zu jenen deutschen Siedlungen Ungarns, deren Geschichte und Sprache in besonderer Weise von den deutschen Einwanderungen des 18. Jahrhunderts geprägt wurden. Während die deutschsprachige Bevölkerung Ungarns häufig pauschal als „ Schwaben“ bezeichnet wird, zeigt die dialektologische Forschung, dass die deutschen Mundarten Ungarns eine außerordentliche sprachliche Vielfalt aufweisen. Die Sagetaler Mundart nimmt innerhalb dieser Sprachlandschaft eine besondere Stellung ein.
Besonders bemerkenswert ist ihre Zuordnung zum westmitteldeutschen bzw. mittelfränkischen Dialektraum. J. Márvány bezeichnete Sagetal in seiner Untersuchung zur Gliederung der deutschen Mundarten im südöstlichen Transdanubien ausdrücklich als die einzige mittelfränkische Mundart im nördlichen Teil seines Untersuchungsgebietes. Als Grundlage der älteren Forschung nennt er unter anderem Adam Schlitts Untersuchung von 1938.
Die Sagetaler Mundart ist deshalb nicht einfach als „ schwäbischer Dialekt“ zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine eigenständige deutsche Siedlungsmundart, deren sprachlichen Merkmale Hinweise auf die Herkunft und die Zusammensetzung der Siedler geben.
Adam Schlitt und die erste umfassende Untersuchung
Die wichtigste historische Untersuchung der Sagetaler Mundart stammt von Adam Schlitt. Seine Dissertation erschien 1938 unter dem Titel Die Mundart von Szakadát. Eine sprachliche Untersuchung im Hinblick auf die urheimatlichen Auswanderungsgebiete mit einem Anhang aus den volkskundlichen Teilen der Pfarrchronik von Szakadát.
Schlitt wurde selbst 1913 in Sagetal geboren. Er war Lehrer und Philologe. Seine Dissertation widmete er der Mundart seines Heimatortes.
Bereits der Untertitel seiner Arbeit macht deutlich, dass Schlitt mehr erreichen wollte als eine reine Beschreibung der Laut- und Formenlehre. Er interessierte sich insbesondere für die Frage, welche Rückschlüsse die Mundart auf die ursprünglichen Herkunftsgebiete der deutschen Siedler zulässt.
Seine Untersuchung verbindet deshalb Sprachwissenschaft mit Siedlungsgeschichte und Volkskunde. Im Anhang veröffentlichte Schlitt außerdem Teile der Sagetaler Pfarrchronik. Seine Arbeit stellt bis heute eine zentrale Quelle für die Erforschung der Mundart dar. Sie wird auch in späteren sprachwissenschaftlichen Arbeiten ausdrücklich als Referenz angeführt.
Die Herkunft der Sagetaler Siedler
Die Frage nach der Herkunft der Sagetaler Deutschen ist eng mit der sprachlichen Einordnung der Mundart verbun-