Sonntagsblatt 3/2026 | Page 35

und Holunder. Durch kontinuierliche Investitionen, Betriebserweiterungen und Automatisierung konnte die anfängliche Jahreskapazität von 300 Tonnen auf heute rund 5.000 Tonnen gesteigert werden. Der Rückgang des Himbeeranbaus bedeutete somit nicht das Ende des Produktionsstandorts, sondern den Übergang zu einer breit aufgestellten, modernen Fruchtverarbeitung. Im Jahr 2008 übernahm Szilárd Schmidt die Geschäftsführung und richtete das Unternehmen durch umfangreiche Modernisierungen strategisch neu aus.
In den Folgejahren investierte der Betrieb kontinuierlich in automatisierte Entsteinungs- und Sortieranlagen, IQF-Schockfrost-Tunnel( Fluidisationstechnik) sowie in die Erlangung internationaler Qualitätszertifikate. Heute produziert das Unternehmen nach eigenen Angaben nach dem höchsten Lebensmittelstandard. Um den hohen Energiebedarf der Kälteanlagen abzufedern, wurden zudem großflächige und moderne Energiespeichersysteme am Standort integriert.
Heute bedient der Betrieb nicht nur den heimischen Markt, sondern exportiert einen bedeutenden Teil seiner Produktion nach Westeuropa. Auf den internationalen Märkten gilt die Einhaltung strenger Lebensmittelsicherheitsstandards wie des Zertifikats IFS Food als Grundvoraussetzung. Laut Schmidt basiert die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gegenüber europäischen Großkonzernen auf zwei wesentlichen Säulen: der hohen inneren Qualität ungarischer Früchte sowie der betrieblichen Flexibilität. Aufgrund der klimatischen und bodenkundlichen Bedingungen weisen ungarische Früchte- insbesondere die Sauerkirschen- ein intensives Aroma auf. Das übertrifft Produkte aus nördlicheren Regionen.
Kennzahlen und Leistungsdaten
Seit 1994 ist der Betrieb kontinuierlich am Markt tätig und verarbeitet jährlich rund 5.000 Tonnen frische Rohstoffe. Das Unternehmen stützt sich auf ein Erzeugernetzwerk mit knapp 1.000 Hektar Anbaufläche. Ergänzend dazu bewirtschaftet die Inhaberfamilie rund 130 Hektar eigene Flächen, die mit modernen Bewässerungs- und Frostschutzsystemen ausgestattet sind. Auf diesen Flächen werden hauptsächlich Sauerkirschen und Äpfel angebaut.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
Ungarndeutsche Wurzeln
Geleitet wird das Unternehmen von Geschäftsführer und Miteigentümer Szilárd Schmidt. Seine Familiengeschichte ist fest mit der Region und der ungarndeutschen Gemeinschaft verwurzelt. Die Unternehmensführung liegt von Beginn an in den Händen der Familie Schmidt. Geschäftsführer Szilárd Schmidt sieht die entscheidenden Grundlagen für die alltägliche Qualitätssicherung im Betrieb in den traditionellen ungarndeutschen Werten: Arbeitsdisziplin, Präzision, Fleiß und Verlässlichkeit des gegebenen Wortes. Die lokalen Landwirte werden dabei als langfristige Partner auf Augenhöhe betrachtet: „ Neben der eigenen Produktion betreiben wir ein äußerst enges, integriertes Lieferantennetzwerk mit der Erzeugerorganisation Nógrád Tész Kft.- die die heimischen Landwirte zusammenschließt. Durch fachliche Beratung und gemeinsame Vorbereitung versuchen wir dort, eine stabile Rohstoffmenge und Planungssicherheit zu garantieren“, so Schmidt.
Für die kommenden Jahre verfolge Berkenye Hűtőház eine dreiteilige Entwicklungsstrategie. Sie basiere auf Prozessautomatisierung, Produktinnovation und nachhaltigem Energiemanagement. Neben dem weiteren Ausbau der technischen Anlagen zur Effizienzsteigerung in der Verarbeitung setze das Unternehmen auf die Einführung der neuen Eigenmarke Frulli im Einzelhandel. Dazu kämen neuartige vorgefertigte Produkte wie tiefgekühlte, verzehrfertige Frucht-Crumbles( mit Streuseln überbackene Früchte, Red.). Um zudem den hohen Energiebedarf der Tiefkühlverarbeitung nachhaltig zu decken, werde ein intelligentes Energiemanagementsystem aufgebaut. Das binde die bestehende Photovoltaikanlage ein. Die Kühllager würden dabei bei hoher Sonneneinstrahlung als thermische Energiespeicher genutzt. Das senke sowohl die Umweltbelastungen als auch Betriebskosten.
Das Dorf Berkina wahrt seine schwäbische Identität durch Sprache, Erziehung und Vereinsleben im Alltag. Die Berkenye Hűtőház Kft. war ein genossenschaftlicher Dorfbetrieb mit ungarndeutschem Hintergrund. Daraus entwickelte sich ein moderner, wettbewerbsfähiger Akteur des europäischen Tiefkühlmarktes.
Am Standort stehen Kühlkapazitäten für knapp 3.000 Tonnen Fertigware zur Verfügung. Das Sortiment umfasst nahezu 20 verschiedene tiefgekühlte Obstprodukte- darunter Sauerkirschen, Pflaumen, Äpfel, Aprikosen, Johannisbeeren, Himbeeren und Erdbeeren usw. Etwa 60 Prozent der Gesamtmengen gehen in den Export- vorrangig nach
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