VON DER GENOSSENSCHAFT AUF DEN EUROPÄISCHEN MARKT
Von Vinzenz Szűcs-Cilli
Im Hügelland des Komitats Naurad- rund 60 Kilometer nördlich von Budapest gelegen- befindet sich die Gemeinde Berkina / Berkenye. Mit etwa 1.000 Einwohnern gehört der Ort zu jenen ungarndeutschen Siedlungen, in denen das historische Erbe der schwäbischen Einwanderer bis in die Gegenwart sichtbar geblieben ist.
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Historische Ansiedlung im 18. Jahrhundert
In der ältesten erhaltenen Urkunde aus dem Jahr 1299 wird Berkina noch als unbewohnter Ort erwähnt. Die Ursprünge des heutigen Ortes gehen auf das erste Drittel des 18. Jahrhunderts zurück. Während der osmanischen Herrschaft wurde das Dorf völlig zerstört und entvölkert. Der Wendepunkt kam 1717, als der damalige Bischof von Waitzen das verödete Land mit katholischen Einwanderern aus Deutschland besiedelte- aus Franken. Die Siedler bauten das Dorf ganz neu auf. Bis heute tragen viele Häuser im Ort den charakteristischen franko-schwäbischen Baustil.
Die Siedler brachten nicht nur ihre fränkisch-schwäbischen Dialekte und ihren katholischen Glauben mit, sondern auch spezialisierte landwirtschaftliche Anbaumethoden. Das Dorf wurde systematisch aufgebaut: Entlang einer zentralen Achse entstanden typische Streckhöfe mit schmalen, tiefen Grundstücken, die das Ortsbild in Teilen bis heute prägen.
Demografie und Kulturpflege heute
Laut den neuesten offiziellen Volkszählungen bekennt sich auch heute noch ein bedeutender Teil der Dorfbevölkerung zur deutschen Nationalität. In religiöser Hinsicht bleibt der Ort traditionell geprägt: Über 58 % der Einwohner bekennen sich zum katholischen Glauben. Gleichzeitig belegt die Erhebung die lebendige ungarndeutsche Identität des Ortes, da sich knapp 23 % der Bevölkerung zur deutschen Nationalität bekennen. So ist damit eine enge sprachliche und kulturelle Bindung an das deutsche Erbe angeben. Die lokale Ungarndeutsche Selbstverwaltung bildet dabei das organisatorische Rückgrat des kulturellen Lebens.
Ein Schwerpunkt der kommunalen Arbeit liegt auf der sprachlichen Erziehung der jüngeren Generation. Im örtlichen Kindergarten sowie in der Grundschule wird Deutsch als Nationalitätensprache unterrichtet. Das Vereinswesen mit der ungarndeutschen Volkstanzgruppe, dem Chor und Blaskapellen sichert das Fortbestehen der musikalischen und tänzerischen Überlieferungen. Neben den jährlichen Kirchweihfesten nimmt das Gedenken an die Vertreibung der Ungarndeutschen und die Verschleppung zur Zwangsarbeit(„ Malenkij Robot“) nach dem Zweiten Weltkrieg einen festen Platz im Gemeindekalender ein.
Am Ortsrand ist ein Unternehmen beheimatet, das zu den führenden Obstverarbeitungs- und Tiefkühlbetrieben Ungarns zählt und Kunden in ganz Europa beliefert: die Berkenye Hűtőház Kft.( Kühlhaus Berkina GmbH).
Vom Himbeerdorf zum Großbetrieb
Nach dem Systemwechsel schlossen sich 1992 lokale Erzeuger zur Dorfgenossenschaft Berkina( Berkenye Faluszövetkezet) zusammen, um die regionalen Obsterträge- allen voran die Himbeeren- gemeinschaftlich zu lagern und zu vermarkten. Zur Professionalisierung des Kältebetriebs und zum Ausbau der industriellen Verarbeitung folgte 1994 die Gründung des heutigen Unternehmens Berkenye Hűtőház.
Wie Geschäftsführer Szilárd Schmidt gegenüber dem Sonntagsblatt erklärte, lag der Schlüssel zum Überleben in einer konsequenten Profilweiterentwicklung. Ab 2007 öffnete sich der Betrieb gezielt für die Verarbeitung von Sauerkirschen, Süßkirschen, Pflaumen, Aprikosen