ein mittlerweile verbreiteter Weg in den Geschichtswissenschaften, dabei wird mithilfe von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen versucht, das Geschehene zu rekonstruieren – kurz gesagt: Statt Daten und Dokumenten lässt man Menschen aus Fleisch und Blut sprechen.
Das ist auch das unverhüllte Ziel des vor kurzem erschienenen Buches von Andreas Krisch „ Elvett otthonok, megőrzött emlékek“, in dem die Vertreibung in Ödenburg thematisiert wird. Schon der Untertitel macht deutlich, was sich anschließend auch beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis zweifellos feststellen lässt: Wer hier eine umfassende wissenschaftliche Einordnung der Geschehnisse sucht, wird nicht ganz fündig. Eine historische Einbettung ist selbstverständlich nicht gänzlich ausgeschlossen. Dafür sorgen der historische Überblick sowie in mancher Hinsicht das Vorwort und der Epilog. Dennoch spricht das Verhältnis für sich: Das Buch hat 116 Seiten- die 21 Interviews sowie die fünf Erinnerungsberichte nehmen dabei 93 Seiten ein.
Diese gewählte Methode kommt dem Buch und seinem Zweck aber zweifellos zugute. Wie Krisch selbst im Vorwort zugibt, möchte er ein Werk mit persönlichem Tonfall schaffen- eines, das die Botschaft der Zeitzeugen am besten an die kommenden Generationen weitergeben kann. Er möchte mit diesem Buch nicht nur dokumentieren, sondern gleichzeitig erinnern und mahnen. Wie er formuliert, stellt das Vergessen mindestens eine ebenso große Gefahr dar wie das Ereignis selbst – also die Vertreibung.
Unbedingt hilfreich ist der geschichtliche Überblick aber trotzdem. Der Begriff „ Aussiedlung“ beherrschte damals als beschönigender Ausdruck den staatlichen Fachjargon. Der Begriff ist selbst vielen Ödenburgerinnen und Ödenburgern in seinen verschiedenen Facetten unbekannt und sorgt für laienhafte Spekulationen. Für Leserinnen und Leser aus anderen Orten ist er demgegenüber unverzichtbar.
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Die Besonderheiten dieser stadtbürgerlichen und somit von anderen Ortschaften abweichenden Verankerung des Deutschtums sind nur über diesen Begriff zu verstehen. Historiker wie Andreas Krisch wissen genau, dass eine Erzählung ohne Kontext nur eine halbe ist.
Die Tatsache, dass dieser Überblick eine Umarbeitung des in der Zeitschrift Rubicon erschienenen Fachartikels von Krisch darstellt, mindert die Lesbarkeit des Buches als Ganzes nicht. Denn manche der Interviews wurden bereits früher aufgezeichnet und teilweise auch publiziert. Das große Verdienst des Buches liegt in der Verbindung von Wissens- und Emotionsvermittlung. Das Buch wurde in ungarischer Sprache verfasst. Die ungarische Sprache eignet sich mittlerweile für Wissens- und Emotionsvermittlung selbst in den ungarndeutschen Gemeinschaften besser. Dies bekräftigt noch einmal die Relevanz identitätsstiftender Werke. Umso erfreulicher ist daher, dass die Veröffentlichung einer deutschen Auflage noch in diesem Jahr zu erwarten ist.
Die Identitätsstiftung könnte man auch als Leitmotiv für die Interviews und Rückblicke betrachten. Aus allen lässt sich jedenfalls eine wesentliche Feststellung ableiten: Die Verbundenheit, diese innige Liebe zur Heimatstadt, konnte von niemandem ausradiert werden- mochte das Schicksal ihn in Ungarn gelassen oder nach Deutschland vertrieben haben. Denn Gespräche wurden nicht nur mit den Vertriebenen und deren Nachkommen, sondern auch mit den Zurückgebliebenen und ihren Familien geführt. Gerade diese geografische und generationelle Breite macht deutlich, welche Rolle Ödenburg in den Herzen dieser Menschen einnimmt.
So ist es nicht überraschend, dass der Hauptteil des Buches von Gefühlen dominiert wird. Da war die Angst vor, während und nach der Vertreibung. Sie betraf nicht nur die materielle Existenz, sondern auch die gesellschaftliche