Grundsätzlich muss dies kein Problem sein. Eine nationale Minderheit darf und soll politische Verantwortung übernehmen. Doch es entsteht der Eindruck, dass man sich dabei zu stark auf eine einzige politische Richtung verlassen und andere gesellschaftliche Möglichkeiten weniger berücksichtigt hat.
Auch dies hat einen politischen Preis: Die Glaubwürdigkeit der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen( LdU) wurde beschädigt.
Wenn man sich nun für eine aktivere, kritischere und selbstbewusstere Strategie entscheiden würde, würde sich eine berechtigte Frage stellen: Warum erst jetzt? Warum wurden bestimmte problematische Entwicklungen früher nicht deutlicher angesprochen? Wo war die Stimme der Gemeinschaft, als Fragen des Wahlrechts oder der politischen Abhängigkeit diskutiert wurden? Wo war die klare Haltung, als manche Vertreter eher die Nähe zur Regierung suchten, anstatt unabhängig die Interessen der Ungarndeutschen zu vertreten?
Diese Fragen müssen nicht mit gegenseitigen Vorwürfen beantwortet werden. Aber ohne eine ehrliche Selbstreflexion wird es schwer, neues Vertrauen aufzubauen.
Um dies zu erreichen, müssen wir alle politischen Richtungen und die neuen Entscheidungsträger ansprechen. Wir müssen unsere Ideen, unsere Erwartungen und unsere Vision klar formulieren.
Dafür brauchen wir jedoch ein gemeinsames Zukunftsbild. Nur wenn wir wissen, was wir wollen, können wir effektiv handeln.
Dieser Artikel soll deshalb nicht nur eine Analyse sein. Er soll ein Aufruf zum Austausch sein. Ein Aufruf dazu, gemeinsam darüber zu sprechen, welche Zukunft wir für das Ungarndeutschtum wollen.
Damit wir eines Tages nicht nur sagen können: „ Wir haben bewahrt, was wir geerbt haben“, sondern auch: Das wollen wir. Dafür arbeiten wir. Denn das ist unsere gemeinsame Zukunft!
ERINNERUNGSKULTUR IN DER PRAXIS
Wiehall-Kleinturwall gedenkt vertriebenen Deutschen – Erbenverwalter erstellte komplexes Programm zum Gedenkjahr 2026
Von Richard Guth
Ortshistorische Stadtführungen, Einweihung von Gedenktafeln und Straßenschildern sowie Benennung von bislang unbenannten öffentlichen Plätzen – eine besondere Veranstaltungs( reihe) erwartete Mitte Juni die Besucher der Stadt Wiehall-Kleinturwall / Biatorbágy: Gemeinsam beging man den Höhepunkt des Gedenkjahres 2026, das an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den einst zwei eigenständigen Dörfern Wiehall und Kleinturwall erinnern sollte- vor genau 80 Jahren.
Die zweitägige Veranstaltung fand im Rahmen des Stadtfestes statt. Sie wurde vom Wiehall-Kleinturwaller Erben-
3