Tante und mein Onkel waren nicht aktiv in Vertriebenenorganisationen. Ich habe dann aktiv den Kontakt gesucht zur Suevia Pannonika, der Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker. Die Vereinigung wurde in der Bundesrepulik 1960 gegründet als Nachfolgeorganisation der von Jakob Bleyer und seinen Studenten gegründeten Suevia Budapestina in Ungarn. So wurde die Suevia Pannonica zu meiner bleibenden Heimatorganisation in Deutschland.
SB: Wie bist du zur Suevia gekommen? Über Weidlein?
JT: Über Franz Wesner, den aus Hedjess / Hőgyész stammenden Volksschullehrer! Er war nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Budapest 1960 nach Deutschland geflohen. Er war( in Dortmund lehrend) befreundet mit Johann Weidlein und Weidlein war Suveinaner von den Anfängen. Erst zehn Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich mit den aus Ungarn vertriebenen Ungarndeutschen im Rahmen der Suevia Kontakt gefunden. Zu meinen vertriebenen Verwandten in Göppingen, Aalen und Schwäbisch Gmünd hatte ich natürlich schon früher Kontakt gehabt. Über die Geschichte der Volksgruppe wusste ich wenig.
SB: Dafür warst du später lange Zeit Vorsitzender der Suevia …
JT: … und dass ich dann Vorsitzender von der Suevia wurde … Wie ging das? Ich bin einfach in die Falle getappt, in die viele geraten. Wenn du als junger Mensch oft das Maul aufmachst und dich meldest und was sagst, dann hört man auf einmal: „ Du hast so ein großes Maul, du kannst es doch machen! Warum machst du das nicht?” Die haben mir das wirklich so gesagt. So bin ich dann etwa für 25
Jahre Vorsitzender der Suevia Pannonica geworden. Es wurde dann meine Herzensangelegenheit. Ich hatte Glück, dass meine Frau als autochthone Württemberger Schwäbin mit uns Ungarndeutschen sehr verständnisvoll und einfühlsam umging. Das hängt natürlich auch mit ihren beruflichen Interessen zusammen- sie ist Volkskundlerin.
SB: Du hattest sicher noch die Gelegenheit, viele Mitglieder der so genannten Erlebnisgeneration zu treffen. Von Franz Wesner haben wir bereits gesprochen, von Johann Weidlein auch …
JT: … da gab es tatsächlich einige... Prodekan Friedrich Spiegel-Schmidt, Adam Hohmann, Professor Paul Strifler oder Professor Gallus Rehm aus München, Adam Ottenthal, Susanna Karly-Berger, Josef Brasch …
SB: Und auf wen ich jetzt hinaus will, ist eine sehr interessante, aber umstrittene Persönlichkeit. Ihr Leben wird jetzt von Krisztina Kaltenecker aufgearbeitet: Irma Steinsch, die keine Ungarndeutsche, sondern eine Schlesierin war. Hast du noch Erinnerungen an sie?
JT: Ich habe Irma Steinsch einmal in Backnang erlebt und mit ihr auch gesprochen. Ich habe damals noch nichts gewusst über ihre Rolle oder ihre Vita.
SB: Den Kontakt zu Ungarn hast du nie abgebrochen. Wenn du jetzt eine Bilanz ziehen würdest über die Entwicklung der letzten 30, 40 Jahre in Ungarn und speziell in Ohfala- insbesondere was die deutsche Volksgruppe angeht- wie würde diese Bilanz lauten?
JT: Ich denke, dass trotz aller Bemühungen und aller Ver-
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