Sonntagsblatt 3/2026 | Page 11

DIE WEGBEREITER

Zum 300-jährigen Jubiläum der Zisterzienser im Buchenwald
Von Christine Schweighoffer
Was hat der Zisterzienserorden mit den Deutsch( stämmig) en Ungarns zu tun- etwa mit denen im Buchenwald( Bakonyer Wald)? Auf den ersten Blick dünkt einem kein Zusammenhang. Doch wahr: der Orden, der nach den Türken- und Rákóczi-Kriegen in mehreren Teilen Ungarns wie in Stuhlweißenburg, Ofen, Fünfkirche,. Neuhof( Előszállás) und Baaja seine Stiftungen neugründete, wurde 1726 auch im ungarischen Mittelgebirge wieder ansässig. Er rief viele Siedler deutscher Abstammung ins verwüstete Land. So feiern die Abtei Sirtz / Zirc und auch viele umliegenden Dörfer heuer ihre Besiedlung. Und warum spricht man von einer Zisterzienserneugründung von vor 300 Jahren? Die erste Klostergründung war ja dem Herrscher des Arpadenhauses, Adalbert III., zu verdanken. Steinerne Überreste der ersten Zisterzienserstiftungen sind in Bélapátfalva und Heiligenkreuz / Pilisszentkereszt zu finden.
Die Neugründung der Abtei in Sirtz erfolgte vom schlesischen Heinrichau( polnisch: Henrików) her. Dort hatte der Orden seit dem Mittelalter einen festen Sitz und erlebte gerade im 18. Jahrhundert eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Bereits die zur Zeit Adalbert III. im 12. Jahrhundert ins Land gekommenen Zisterziensermönche brachten nicht nur die Lehren des Christentums, sondern auch landwirtschaftliche Kultur und handwerkliches Können mit. Das Beispiel von Sirtz zeigt, dass bei der Neugründung ein ähnlicher Prozess stattfand: Die Brachländer entbehrten wiederum fleißiger Menschenhände. Nun wurde das Land durch die Ansiedlung deutscher Bauern und
Handwerker bald in eine Kulturlandschaft verwandelt.
Viele adelige und kirchliche Grundbesitzer ließen nach der Türkenbelagerung und dem Frieden von Sathmar- teilweise über Vermittler und Beauftragte in deutschen Gebieten- Siedler in die verödeten Länderteile holen. Sie kamen auf dem bekannten Flussweg Donau abwärts und auf Planwagen. Ein kirchlicher Orden hatte dabei den besonderen Vorteil, sich auf das Netzwerk seiner in mehreren Ländern Europas wirkenden Ordensgemeinschaften zu stützen. So kamen viele Siedler aus den Zisterzienserbesitztümern in österreichischen, deutschen und schlesischen Gebieten nach Ungarn. Ein besonderer Aspekt bei der Neubesiedlung war, fleißige Leute ansiedeln zu lassen- die bereits in ihrer angestammten Heimat erfolgreich gewirtschaftet hatten. Sie brachten ihre fortschrittlichen und bewährten Methoden der Landbewirtschaftung mit.
Wie bekannt, wurden gewisse historische Belange in den Schulen der „ fröhlichsten Baracke des Kommunismus“ nicht erwähnt. Es gab über die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn- darunter meine engere Heimat väterlicherseits betreffend- nur spärliche Informationen. Die fördernde Rolle der Zisterzienser bei der Neubesiedlung wurde nicht erwähnt. Der Buchenwald diente bis zur Wende als streng überwachter Standort einer sowjetischen Militärbasis. Als Schulkind um die 1970er Jahre herum war ich auf die Erinnerungen und das Geschichtsverständnis meines privaten Umfelds angewiesen. Zu meinem Glück war mein Zuhau-
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