GESCHICHTE WIRD LEBENDIG
Großinterview mit dem Familienforscher Dr. Kornel Pencz
Dr. Kornel Pencz ist Vorsitzender des Arbeitskreises Ungarndeutscher Familienforscher( AKuFF) und der wohl bekannteste ungarndeutsche Familienforscher. Anlässlich seiner 30-jährigen Tätigkeit sprach SB-Autor Martin Szanyi mit dem aus der Batschka stammenden Juristen.
SB: Was ist Genealogie für eine Wissenschaft?
KP: Die Genealogie ist eine Hilfswissenschaft der Geschichtswissenschaft. Zu ähnlichen Hilfswissenschaften zählen beispielsweise die Wappenkunde oder die Siegelkunde. Ich bin jedoch kein Wissenschaftler. Ich bin wie viele andere in diesem Land auch nur ein Hobbygenologe. Das betreibe ich aber seit mindestens 30 Jahren. Ich kann also sagen, dass ich mir schon einige Kenntnisse angeeignet habe.
SB: Wie sind Sie zum Familienforscher, oder besser gesagt, zum Genealogen geworden?
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KP: Schon in meiner Kindheit habe ich mich für meine Ahnen interessiert. Ich stamme aus einer gemischten Familie, was die Nationalität betrifft. Also bin ich väterlicherseits und mütterlicherseits Donauschwabe. Aber beide Seiten sind gemischt, was mir gar nicht bewusst war. Als mein Vater mir mit 10 oder 12 Jahren nebenbei sagte, dass wir Deutsche sind, war das für mich eine große Überraschung. Ich kann mich genau daran erinnern, wie ich sofort auf die Landkarte schaute, um herauszufinden, woher wir kommen könnten und was unsere Urheimat sein könnte. Erst als ich in den 90ern an der Universität war, lernte ich einen jungen Mann kennen, der sich schon seit früher Jugend für Familienforschung interessierte und bereits etwas Erfahrung hatte. Er stammte ebenfalls aus Baaja wie ich und hat mir einige Techniken gezeigt. Er hat mir erzählt, dass es Matrikeln und Kirchenbücher gibt, in denen man forschen kann. Und dann habe ich angefangen. Im Sommer ging ich ins Pfarramt von Baaja. So lernte ich auch andere Quellen kennen und stellte fest, dass die Matrikeln auch auf Mikrofilmen im Komitatsarchiv zu finden sind. Ich bekam immer mehr Lust darauf. Das war wirklich hochinteressant. Es ist eine Herausforderung. Für eine Person mit donauschwäbischen Ahnen ist es spannend, herauszufinden, woher sie kommen. Das war ein magisches Ziel.
In Fünfkirchen habe ich dann andere Quellen kennen gelernt, nämlich die Bücher von Ferdinand Hengl, der sämtliche Seelenlisten, Steuerlisten und Matriken des Komitats Branau verarbeitet hat. Auch die Bücher von Paul Flach, einem großen Batschker Heimatforscher, habe ich gefunden. Herr Hengl war damals noch sehr aktiv und um ihn sammelten sich viele junge oder weniger junge Leute. Er hat uns gute Ratschläge gegeben und Fachliteratur empfohlen. Von ihm habe ich zum ersten Mal von dem Verein AKDFF in Sindelfingen erfahren. Dort bin ich auch Mitglied geworden. Bei Herrn Hengl habe ich viele Leute kennen gelernt und mich mit ihnen angefreundet. Als ich 1998 mein Studium abgeschlossen hatte, sagte ich als stolzer Jurist, dass wir nun auch einen Verein nach dem Vorbild des AKDFF gründen könnten. Das hat uns imponiert. Also gründeten wir im Jahr 2000 mit einigen Forscherfreunden unseren Verein( AKuFF). Seitdem geht es immer weiter. Die Methoden werden immer moderner und bequemer und die Quellen sind leichter zugänglich. Aber ich sage immer: Familienforschung ist etwas, das man nicht zu Ende führen kann.
SB: War es ursprünglich ein Hobby für Sie, aus dem später ein Vollzeitjob wurde?
KP: Nein, ein Vollzeitjob ist es nicht. Ich bin Jurist geblieben, ich bin Richter. Es bleibt für mich also immer eine Leidenschaft. Es ist mehr als ein Hobby. Das gibt meinem Leben Sinn. In meiner Freizeit mache ich das meistens und ich möchte das gerne weitergeben, anderen helfen und eine Gemeinschaft aufbauen. Und ich glaube, dass mir das gelungen ist.