Sonntagsblatt 2/2026 | Page 9

von Offenheit, Herzlichkeit und einem starken Gefühl von Zusammengehörigkeit. Es wurde gelacht, geweint, erinnert und geplant. Viele Teilnehmerinnen beschrieben die Konferenz nicht als klassische Veranstaltung, sondern als Begegnung, die etwas in ihnen bewegt hat.
Die Konferenz war aber nicht nur ein Ort des Erinnerns. Sie war auch ein Aufbruch.
Aus dieser Begegnung entstand die Vision, europaweit donauschwäbische Frauenkreise aufzubauen – geschützte Räume für Austausch, gegenseitige Unterstützung, Sprache, Kultur und persönliche Entwicklung. Räume, in denen Frauen sich gegenseitig stärken, inspirieren und sichtbar machen können!

ERFAHRUNGSAUSTAUSCH TRIFFT AUF BRAUCHTUM

LdU-Projekt stellt Brauchtum „ rund um das Jahr, rund um das Land“ vor und bringt Gemeinschaften aus unterschiedlichen Landesteilen zusammen
Von Richard Guth
Gerade in einer Zeit, in der vieles schneller, digitaler und oberflächlicher wird, zeigte die Konferenz, wie groß das Bedürfnis nach echter Verbindung ist: nach Gesprächen mit Tiefe, nach Gemeinschaft und nach Menschlichkeit.
Die 1. Donauschwäbische Frauenkonferenz wurde damit weit mehr als ein einmaliges Ereignis. Sie wurde zum Zeichen dafür, dass weibliche Netzwerke, kulturelle Wurzeln und gelebte Solidarität auch heute eine enorme Kraft entfalten können.
Oder, wie es viele Teilnehmerinnen am Ende empfanden: Aus einer Vision wurde Gemeinschaft.
Was hat das Schweineschlachten mit dem Hutzelsonntag und dem Hanse-und-Gretel-Spiel gemeinsam? Darauf bietet ein Projekt der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen( LdU) eine Antwort: Beim „ Rund um das Jahr, rund um das Land“ stellt man insgesamt 12 Elemente des kulturellen Erbes und Brauchtums der deutschen Gemeinschaft vor. Dass es dabei neben der Vorstellung der Bräuche im Online-Raum und darüber hinaus auch um die Begegnung von jeweils zwei Gruppen aus unterschiedlichen Teilen des Landes geht, das bestätigt im Sonntagsblatt-Gespräch der Hauptorganisator der Aktion LdU-Jugendreferent Károly Radóczy. Das Projekt sei auf ein Jahr angelegt und soll auch dem schulischen Volkskundeunterricht zugutekommen.
Im April stand der Hutzelsonntag im Mittelpunkt des Interesses: Gastgeber der Begegnung war Altglashütte / Óbánya in der Branau, das Mitte Februar Gäste aus der Region Nord- aus Tscholnok- empfangen durfte. Die Tradition des Hutzelfeuers haben die deutschen Siedler aus ihrer alten Heimat mitgebracht( weit verbreitet ist das Fest am ersten Sonntag nach Aschermittwoch in den Herkunftsgebieten der Stifolder in der osthessischen Region Rhön – es soll das Ende des Winters und den Anbruch des Frühlings markieren, wobei auch der Bezug zur beginnenden Fastenzeit offensichtlich ist). Dr. Alexander Hardicsay, Vertreter des Vereins Altglashüttener Deutscher Lesekreis, erinnert sich gerne an das Treffen zurück. In dessen Rahmen wurden das Heimatmuseum mit der Töpfer- und Glaskunstausstellung sowie die Gedenktafeln zur Malenkij Robot, zu den Gefallenen und Toten der Weltkriege an der Wand der katholischen Kirche besichtigt. Hier zeigten sich nach Worten von Hardicsay neben Verbindendem auch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Ortschaften: Während von den 400 Bewohnern der Branauer Gemeinde 20 in die Sowjetunion verschleppt wurden, sei die Bergbaugemeinde Tscholnok verschont geblieben. Auch Eva Priegl von der Tscholnoker Gästegruppe blickt positiv auf die Begegnung zurück: Sie lobt die gute Organisation, das Bestreben der LdU, Gemeinden zusammenzubringen und den freundlichen Empfang in der Gemeinde. Das einmütige Herunterrollen des Hutzelrades( in der örtlichen Mundart: Hutzlrod) sei dabei ergänzt worden durch gute Gespräche und ein Rahmenprogramm wie den Besuch im Museum oder eine Feuershow. Die Vorsitzende des Deutschen Kulturvereins Tscholnok gibt auch gleich eine Anregung mit auf den Weg: „ Was ich an dem ganzen Projekt vermisse, ist, dass es nicht zu einem Gegenbesuch kommen wird. Es wäre m. E. sinnvoll, wenn wir im nächsten Jahr eine Delegation aus Altglashütte zu einem unserer Feste einladen könnten / müssten. So wäre das Projekt rund. Wir haben dennoch die Mitglieder der deutschen Selbstverwaltung zu unseren Dorftagen im Juli eingeladen, damit der Kontakt weiter gepflegt bleibt.“
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