le versuchten den Dialekt mit der Hochsprache zu kombinieren. Auch Gestik und Mimik wurden oft eingesetzt. Die Frauen lernten aber mit der Zeit viel dazu. Der Titel der Arbeit lautet „ Wenn er mein Schwäbisch nicht verstand, musste ich mein Deutsch benutzen.“ Ich denke, dieses Zitat spiegelt die Problematik ganz gut, also die Sprachenvielfalt, mit der die Pflegerinnen ausgerüstet sind, je nachdem, wie es die Situation erfordert. Eine Deutschlehrerin unter ihnen führte sogar ein Glossar, genauso wie in der Schule, und notierte darin, wie man Begriffe und Alltagsausdrücke in Deutschland und Österreich sagt. Sie lernte dann auswendig, was diese Begriffe in ihrem eigenen Dialekt bedeuten. Das fand ich sehr spannend. Standardsprachliche Kenntnisse hatten die meisten Informantinnen übrigens teilweise aus der Schulzeit, aber noch mehr durch die Medien aus den 1990er Jahren, als das Kabelfernsehen in Ungarn eingeführt wurde.
SB: Welche sprachlichen Änderungen konnten Sie anhand der Interviews feststellen? Gab es auch neue Einflüsse auf die Sprache selbst?
GS: Ja, reichlich, denn die Sprache ist ja nie konstant, sie verändert sich ständig! Die ungarndeutschen Pflegerinnen bekommen im deutschen Sprachraum sehr viele sprachliche und außersprachliche Impulse aus den Alltagsgesprächen und aus den Medien. Das beeinflusst dann natürlich auch ihren Sprachgebrauch und wirkt sich folglich auch auf ihre Sprachkompetenz aus: Je bewanderter man in einer Sprache ist, desto besser wird auch die Kompetenz. Die Spracheinstellungen werden ebenfalls beeinflusst, denn da kommen schon außersprachliche Gegebenheiten wie Sympathie und Antipathie ins Spiel. Diese wirken ebenfalls als Filter. Anhand der Datenerhebung konnte festgestellt werden, dass sich die aktiven und auch passiven Kompetenzen in der Standardsprache deutlich verbesserten. Die meisten gaben an, durch ihre Erfahrungen jetzt deutlich tapferer in der Kommunikation zu sein. Durch den viel besseren Wortschatz als davor können sie auch zum Beispiel deutsche Fernsehsendungen oder Zeitungen besser und leichter verstehen.
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Der Sprachgebrauch in den eigenen Familien der Informantinnen wiederum änderte sich gar nicht: Zu Hause wird weiterhin mehrheitlich ungarisch gesprochen, aber das Bewusstsein für die Bedeutung der deutschen Sprache wuchs. Dadurch, dass sie sich auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich positionieren konnten, befürworten sie, dass ihre Kinder und Enkelkinder auch Deutsch lernen. In den Gesprächen mit den betreuten Personen kamen auch oft Emotionen hoch: Die Pflegerinnen mussten plötzlich Begriffe verwenden oder hörten solche von den Kommunikationspartnern, die sie zuletzt mit ihren eigenen Großeltern in ihrer Kindheit verwendeten. Die Pflegerinnen wurden auch oft auf ihre Dialekte angesprochen, also wo sie Deutsch gelernt haben und einige übrigens auch darauf, wieso sie einen deutschen Namen haben. Für deutsche Ohren klingen unsere Dialekte veraltet oder fallen zumindest sofort auf. Man hört, dass das kein Schuldeutsch ist. Verorten können deutsche Muttersprachler uns ungarndeutsche Sprecher jedoch nur schwer. Dialekte können aber Tore öffnen. Dialekte sind ein Mehrwert, das wollte ich zeigen. Das ist bzw. war vielen Damen vor ihrem Arbeitsantritt in der häuslichen Pflege gar nicht bewusst, alleine schon wegen den sehr negativen Erlebnissen der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn. Das Verbot der deutschen Sprache im öffentlichen Raum oder die Verleugnung der Identität wirken auf die von mir untersuchte Altersgruppe immer noch: „ Deutsch zu sprechen war verboten“ oder „ das ist doch ein falsches Deutsch, was wir reden“, das hört man immer noch sehr häufig bei dieser Altersgruppe, obwohl das aus sprachwissenschaftlicher Sicht eigentlich eine gleichwertige Sprache mit allen anderen Sprachen der Welt ist.
SB: Wie beeinflusste die Arbeitsmigration das Identitätsbewusstsein der Frauen?
GS: Die Informantinnen haben ein Grundwissen über die Herkunft der Deutschen in Ungarn, welches sie sich mehrheitlich aus ungarndeutschen Minderheitenmedien und Geschichtsbüchern aneigneten- aber überwiegend erst nach der Wende. Die Herkunft der Pflegerinnen galt bei Privatgesprächen mit den Betreuten als häufiges Gesprächsthema. Dass sie über die Tradierung der deutschen Sprache innerhalb ihrer eigenen Familie oder über die Ungarndeutschen an fast jedem Arbeitsstandort erzählten, trägt dazu bei, dass sie im deutschen Sprachraum damit eine Art Aufklärungsarbeit über die deutsche Minderheit in Ungarn leisten- wenn das auch für sie vielleicht nicht bewusst ist. In ihrer ungarndeutschen