Sonntagsblatt 2/2026 | Page 33

GESCHICHTE IN STEIN MEISSELN

KÜNSTLERPORTRÄT ÜBER JOHANN RUPPERT
Von Martin Böhm
Am Stadtrand von Seksard- umgeben von Weinhängen, die an die Hügel seiner Heimat Nadasch / Mecseknádasd- erinnern, lebt der Bildhauer, Maler, Grafiker Johann( János) Ruppert, Jahrgang 1959. Doch er ist nicht nur hier, um die schöne Aussicht zu genießen. Denn von Lebensabend ist bei ihm wenig zu spüren: Er arbeitet von morgens bis abends mit Säge, Meißel und Hammer an seinen Skulpturen aus Stein, Granit und Metall. Wenn es doch mal ruhig wird, ist er wahrscheinlich nicht im Wohnzimmer, sondern im Hinterraum seines Ateliers anzutreffen, in dem er malt und zeichnet. Denn Ruppert ist einer der produktivsten ungarndeutschen Künstler der Gegenwart. Davon zeugen dutzende Ausstellungen, wie etwa im Lenau Haus in Fünfkirchen, im Jakob-Bleyer-Heimatmuseum in Wudersch oder im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen. Aber auch seine zahlreichen Skulpturen in Deutschland, Ungarn und anderen Ländern beweisen Rupperts Produktivität.
Gerade arbeitet er an mehreren kleinen Plastiken: Meist sind es abstrakte Köpfe, sitzende Figuren, weibliche Torsi und Vogelformen. Rupperts Stil ist zwar sehr eigen, doch erinnern seine an die zeitlosen Arbeiten des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brâncuși oder die Werke Henry Moores. Auch die Expressionisten wie jene von der Dresdner Gruppe „ Die Brücke“ haben Ruppert stark inspiriert, was man vor allem bei seinen Graphiken sofort erkennt.
Ein zentrales Motiv seiner Kunst ist dabei die Vertreibung der Ungarndeutschen: Schon bevor man sein Atelier betritt, trifft man im Garten auf die Skulptur „ Verschleppung“, die sich eingliedert in die lange Reihe seiner Werke, die von der Vertreibung handeln. Dazu gehören einige sei- ner bekanntesten Skulpturen, wie etwa „ Mutterschmerz“ in Nadasch oder das Vertreibungsdenkmal in Jerking / Györköny.
Ruppert selbst verbrachte seine Jugend in Nadasch, wo er im sowieso schon sehr musikalischen Dorf überdies in einer donauschwäbischen Musikerfamilie aufgewachsen ist. Bis zum Kindergartenalter sprach er gar kein Ungarisch- so wie seine Großeltern, von denen er die Mundart lernte. Mit der Zeit wurde das Ungarische im Familienalltag zwar wichtiger, aber das Deutsche „ war immer da“, so Ruppert. „ Mein Vater sagt bis heute manchmal etwas auf Deutsch und fragt dann: ‚ Wie heißt das auf Ungarisch?‘“, schmunzelt er.
Von seinem Vater geerbt hat er wahrscheinlich auch sein künstlerisches Geschick. Schon in der Grundschule fing er begeistert mit dem Zeichnen an. In der siebten Klasse war ihm schon klar, dass er Künstler werden will. Er war so gut darin, dass er auch für die anderen oft die Zeichenhausaufgaben erledigte. Der Zeichenlehrer habe ihn sogar von den Hausaufgaben ausgenommen: „ Du musst diese Aufgaben gar nicht mehr machen, du kannst zeichnen, was du willst“, erinnert sich Ruppert an die Worte des Lehrers.
Daher war es nur folgerichtig, dass er auf das Kunstgymnasium nach Fünfkirchen wollte. Doch er verpasste die Aufnahmefrist und musste stattdessen in die „ 508er“ Berufsschule, wo er zum Schlosser ausgebildet wurde. „ Das hat mein Leben damals stark geprägt. Aber meine Träume habe ich nicht aufgegeben“, sagt Ruppert, der nämlich parallel zur Schlosserlehre anfing, Zeichenkurse zu besuchen. Einer der dortigen Lehrer, József Pandur, erkannte sein Talent und gab ihm die Möglichkeit, ins Künstlerlager von Tokaj zu
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