denz mit diesen, sie unterhält eine Verbindung zu der Ehefrau des […] Arztes von Magotsch, Dr. Sebastian Lackner, und spielt […] womöglich in der geistigen Zusammenführung der Mädel der deutschsprachigen Gegenden eine Rolle.“ 1
Es stellt sich die Frage, was für frauenpolitische Wertvorstellungen und Zielsetzungen diese deutsche Staatsbürgerin zur Anleitung der „ geistigen Zusammenführung der Mädel der deutschsprachigen Gegenden“ Ungarns motivierten. In der vorliegenden berufsbiographischen Abhandlung werden daher Konstruktionserfolge der gemeinten Person Irma Steinsch in der „ auslandsdeutschen Frauenarbeit“ 1934 – 1936 skizziert.
Es wäre eine grobe Unterschätzung, sich die gebürtige Schlesierin als eine unscheinbare Hallesche Lehramtsstudentin für Englisch, Französisch und Geschichte vorzustellen. Irma Steinsch( 1906 – 1996) war nämlich bereits seit dem Sommersemester 1933 ein überaus engagiertes Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes( NSDStB)- genauer der Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen( ANSt)- sowie der Deutschen Studentenschaft( DSt) der Universität Halle / Saale. Ihre nationalsozialistische Indoktrinierung wurde insbesondere durch die persönliche Erfahrung der sogenannten „ Erlebnisgemeinschaft deutscher Frauen“ geprägt. Ihrer eigenen Aussage nach überzeugte sie, wie jene Gemeinschaft in der praktischen Arbeit im Wintersemester 1933 / 34 sowie den beiden Studentinnen-Schulungslagern in Schierke( heute Ortsteil der Stadt Wernigerode) in den Sommerferien 1934 „ erwuchs“.
Im ersten entscheidenden Karriere-Schritt wurde sie im Sommersemester 1934 zur Leitung des Halleschen Hauptamtes VI(„ Studentinnen“) der DSt ernannt. Ab dem Wintersemester 1934 / 35 leitete sie sogar das gerade eben errichtete NSDStB- Studentinnen-Wohnheim am Frankeplatz 1. Es konzentrierten sich damals 45 % der sogenannten vorläufigen weiblichen Mitglieder des Halleschen NSDStB- das heißt 33 % dessen weiblicher Gesamtmitgliedschaft- in diesem Wohnheim. Gleichzeitig wurde Steinsch selbstredend auch
1 Obergespan István Horvát( Komitat Baranya) an Innenminister Miklós Kozma, Pécs, 09.01.1937. BML. Bvm. Főisp. biz. 194 / 1937. In: Füzes, Miklós( szerk.): Nemzetiségi ügyek dokumentumai Baranyában 1923 – 1938. Pécs 2001. 208.
22 die Referentin des Arbeitsgebiets „ Studenten- Wohnheime“ im Hauptamt VI der DSt. Ihre Aufgabe als Wohnheimleiterin fasste sie als die Anleitung der Schaffung einer nationalsozialistischen Erlebnisgemeinschaft auf. Sie erhoffte sich persönlich, auf das große Ganze Einfluss nehmen zu können, indem sie ihre Mitbewohnerinnen für den Einsatz im Dienste raumbezogener Sozialfragen in Ungarn, Jugoslawien und Deutsch-Südwestafrika befähigte und mobilisierte.
Im Oktober 1934 nahm Steinsch als Hauptamtsleitung VI der DSt Halle / Saale am Kreislager in Roßleben / Unstrut( Thüringen) teil. Sie berichtete dort den Hauptamtsleiterinnen VI der Hochschulen Dresden, Leipzig, Halle und Jena sowie deren Vertreterinnen und Sachreferentinnen und den Fachschulschafts-Leiterinnen Leipzig, Dresden, Halle, Jena, Erfurt, Weimar, Eisenach, Magdeburg und Reifenstein mit großem Erfolg über das Thema „ Wohnheime. Die Gemeinschaftserziehung der Frau“. Als Resultat konnte sie im November 1934 den Kreis IV( Mitteldeutschland) im Hauptamt VI der DSt Berlin als Leitung übernehmen. Unter Berufung auf diese Erfolgsserie als akademische NS-Jungfunktionärin reklamierte sie für sich umgehend ein Arbeitsfeld, das die ideologische Ausrichtung aller NS-frauenbündnischen Organisationen in Mitteldeutschland beeinflussen sollte. Sie spezialisierte sich ab 1934 / 35 mit nachhaltigem Erfolg auf praktischpolitische Schulungsmaßnahmen zum Zwecke der Auslands- und Grenzlandarbeit. Es ging für sie konkret um die Führerinnen-Auslese unter den Universitäts- und Hochschulhörerinnen. Dazu hegte die Hallesche DSt den ehrgeizigen Plan, für die Universität den formalen Status einer „ Südostuniversität“ zu erwerben. Dazu nahm Steinsch Kontakt mit Deutschen in und aus Ungarn und Jugoslawien auf. Zudem existierte im Hauptamt II( Außenamt) der DSt der Universität Halle / Saale eine „ Außenstelle Ungarn“ oder ein „ Referat für Ungarn“. In diesem Rahmen konnte sich Irma Steinsch als Leitung ein eigenes politisch-akademisches Betätigungsfeld erschließen. Hier eignete sie sich die- im politischen und karrieretechnischen Sinne kreativ-schöpferischen- Ideen eines Studenten namens Kurt Marschelke zum raumbezogenen NS-Ethno-Management im Südosten an.
Vermeintlich im Frühjahr 1935 gelang es Marschelke, verschiedene studentische Südosteuropa-