dem evangelischen Pfarrer von Agendorf / Ágfalva, wird erwähnt, dass sein Schwager, Gustav Adolf Blickle, erst 1940 eine Stelle im Finanzministerium bekam, nachdem er seinen Namen auf Bártfay madjarisieren ließ.
Die Madjarisierung der Vornamen war ebenfalls ein wiederkehrendes Thema, unter anderem dank Zoltán Meskó, dem Gründer der Ungarischen Nationalsozialistischen Bauern- und Arbeiterpartei, der als Erster das Pfeilkreuzsymbol verwendete. Viele tauschten lieber ihren Vornamen aus, in der Hoffnung, so den Familiennamen behalten zu können. So wurden in den 1930er Jahren viele Ferdinands zu Nándors und Frederiks zu Frigyes‘. Wie man diese Art der Madjarisierung erlebte, war sehr unterschiedlich – für manche war es ein natürlicher Teil eines Assimilationsprozesses, andere taten es mit Zähneknirschen. Der Name Rudolf hatte beispielsweise bereits seit etwa hundert Jahren eine etablierte ungarische Form, nämlich Rezső. Die Madjaren nannten auch den Sohn von Franz Joseph Thronfolger Rezső und eine Zeit lang wurde sogar die Figur Harras Rudolf( Eichel-Unter) bei der ungarischen Spielkarte zum Rezső. Sicher ist aber, dass der Großvater meiner Frau, der ebenfalls zu Rezső wurde, es zutiefst verabscheute, seinen Vornamen madjarisieren lassen zu müssen. Ich vermute stark, dass auch mein Großvater, der auch als Rudolf Stöckert geboren wurde, nicht vollständig aus freiem Willen zu Rezső wurde – meine Großmutter nannte ihn bis zu ihrem Tod Rudi.( Für meine Frau und mich fühlte es sich wie eine kleine historische Wiedergutmachung an, als wir unseren Sohn als Rudolf eintragen ließen.)
Ende Teil 1
DIE ANFÄNGE DER REICHSDEUTSCHEN NATI- ONALSOZIALISTISCHEN FRAUENPOLITIK IN UNGARN
ÜBER DIE PRODUKTION „ DEUTSCHER FRAUEN“ DURCH ERLEBNISGE- MEINSCHAFTEN 1934 – 1936
Von Krisztina Kaltenecker In diesem Beitrag wird es um eine reichsdeutsche Funktionär-Akademikerin gehen, die Mitte der 1930er Jahre junge ungarländische deutsche Frauen zur nationalsozialistischen Gemeinschaftsbildung an- bzw. verleitete, um die sogenannte völkische Erweckung im Dienste ihrer Karriere voranzutreiben. Um die Thematik- den ideologieverhafteten Missbrauch deutscher weiblicher Jugendlicher auch plastisch darzustellen- wählte ich eine Illustration als Symbolbild. Im Vordergrund der Fotoaufnahme sehen wir eingeschüchtert und beängstigt schauende Mädel in prächtiger festlicher Volkstracht. Sie befinden sich in einer ihnen völlig fremd scheinenden, von militanten und Volksbund-Anzeichen dominierten Umgebung. Die zwei Jugendlichen werden hier dazu gezwungen, sich als faszinierend-exklusive Teile einer uniformierten Gemeinschaft verewigen zu lassen. Im Hintergrund bildet die selbstbewusst in die Kamera lächelnde erwachsene Frau in städtischem Kleid einen schreienden Kontrast zu den ratlos, traurig und verloren wirkenden Mädeln aus ländlichem Milieu.
Anfang Januar 1937 nahm sich der Obergespan des Komitats Branau, István Horvát, in einem vertraulichen, alarmierenden Bericht vor, die Aufmerksamkeit des Innenministers Miklós Kozma direkt „ auf eine deutsche Staatsbürgerin namens Irma Steinst [ Sic! Steinsch ] zu lenken, die sich oft in unserem Land aufhält, die es pflegt, in Budapest im Deutschen Heim zu wohnen und die von da aus ihre Bekannten auf dem flachen Lande besucht. Sie führt eine sehr rege Korrespon-
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