Sonntagsblatt 2/2026 | Seite 20

ten in der Regel nach ihren Interessen ab. Diese konnten familiäre Bindungen oder Religionszugehörigkeit sein, aber laut Krisch zählten vor allem wirtschaftliche Interessen. Ein Großteil der lokalen Bürgerschaft wollte keinen Machtwechsel, der existenzielle Unsicherheit mit sich gebracht hätte – wie das schon in mehreren Orten des Burgenlands geschehen war. Das war der Hintergrund für das eindeutige Endergebnis: Ein signifikanter Teil der Ödenburger Deutschen stimmte aus verschiedenen Gründen ab- aber dabei für Ungarn.
Dies wurde von den Regierungen in der Zwischenkriegszeit nicht gewürdigt. Die ungarische Minderheitenpolitik führte auch gegenüber den Deutschen diskriminierende Maßnahmen ein. Dazu gehörten Erwartungen in Richtung Namensmadjarisierung, die Verletzung des Rechts auf den Sprachgebrauch, die Überprüfung von Genehmigungen sowie die Vergabe von Auszeichnungen nach „ politischer Zuverlässigkeit“. Mit der Abtretung des Burgenlands ging ein wichtiges Einwanderungshinterland der Ödenburger Deutschen verloren. Die Stadtverwaltung hegte vor allem gegenüber den Ponzichter-Bürgern, die Wein anbauten, Abneigung: Durch ihre traditionsbewusste Lebensweise, ihre von den Madjaren abweichenden Sitten, ihre deutsche Sprache und ihre überwiegend evangelische Religion hätten sie einen relativ geschlossenen und wirtschaftlich unabhängigen Block gebildet, schreibt Andreas Krisch in einem früheren Artikel auf Rubicon Online.
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Schlecht klingende Namen
Die Madjarisierung der Namen verdient eine eigene Betrachtung. Der Tausch deutscher Namen gegen ungarische fand zwar schon im 19. Jahrhundert statt, doch damals geschah er freiwillig und in der Regel aus irgendeinem persönlichen Interesse. In der Zwischenkriegszeit hingegen standen diejenigen unter ständigem Druck, die an ihren deutsch klingenden Namen festhielten. Zwar gab es kein Gesetz, welches eine Madjarisierung verpflichtend gemacht hätte, doch in den 1930er Jahren wurden mehrere Verordnungen erlassen, die das Verfahren erleichterten. Konservative und rechtsextreme Politiker hielten die „ Änderung schlecht klingender Namen auf schöne ungarische Namen“ ständig auf der Tagesordnung – wie die Friss Ujság 1933 schrieb, als sie einen Produktionsbericht über ihren Besuch bei der Namensma- djarisierungs- Gesellschaft veröffentlichte.
„ Einen Anpassungszwang gab es auf jeden Fall, sogar bei den Vornamen“, sagt Róbert Fiziker, Chefarchivar und Direktor des Komitatsarchivs Raab-Ödenburg-Wieselburg. „ So wurde auch der olympische Fußballnationalspieler Josef Scheidl zu József( Josef) Soproni. Doch unser berühmtester Fußballer, Franz Puskás, wurde als Purczeld geboren – die Familie ließ ihren Namen 1937 madjarisieren. In der militärischen Elite ließ praktisch jeder seinen Namen madjarisieren, dort war es gewissermaßen eine Erwartung.“
Wie real dieser Zwang war, beschreibt auch der aus deutscher Familie stammende ungarische Politiker Gustav Gratz in seinem Memorandum 1937, das er dem damaligen Ministerpräsidenten Kálmán Darányi übergab. Dieses Memorandum erwähnt mehrere Beschwerden: In manchen Gemeinden würden deutschsprechende Schulkinder benachteiligt; man führe auch ein „ Schambuch“, in das die Namen jener Kinder eingetragen würden, die untereinander Deutsch sprächen. Zur Namensmadjarisierung schrieb Gratz: „ Die Kinder werden in der Schule beinahe täglich damit belästigt, ihren deutschen Namen ändern zu lassen. Den schwäbischen Burschen im Militärdienst in den Kasernen drohen die Offiziere Schläge und Anbinden an. Ihnen wird der Sonntagsausgang gestrichen, um sie zur Madjarisierung ihrer Namen zu zwingen. Die Eisenbahn-Arbeiter werden mit dem Entzug von Arbeitseinsätzen eingeschüchtert und an manchen Orten wird die Ausstellung von Gewerbelizenzen und ähnlichen Dokumenten von der Madjarisierung des Namens abhängig gemacht. Solche Beschwerden gibt es bis heute in großer Zahl.“
Auch Andreas Krisch kennt einen ähnlichen Fall: In den Aufzeichnungen von Edmund Scholtz,