Sonntagsblatt 2/2026 | Page 17

wenn wir diese konsequent an oberster Stelle halten können- über allen anderen Themen. Auch parteipolitische Einflüsse bzw. Bedenken müssen weitgehend ferngehalten werden. Nun wurde die ungarndeutsche Integrität doch mit kleinlichem parteipolitischem Opportunismus verspielt ‒ so fühle ich es zumindest.
Die Titelfrage möchte jeder für sich selbst beantworten. Dies sind meine persönlichen Meinungen zu den Wahlen ‒ anhand der bisher von mir gesich-

OBZWAR WENNGLEICH

teten und gehörten Informationen. Ich stehe dazu ‒ einschließlich allen Schreibfehlern und Irrtümern. Auch wenn schon die Schweigestrafe über mich verhängt und mit juristischen Schritten gedroht wurde. Danke für die Aufmerksamkeit!
Möge die Blume des Lebens sich frei entfalten und gedeihen.
Lieben wir das Ganze, weil das Ganze Liebe ist!
Von Robert Becker
Das Erb-Wischiwaschi steht wie das Sonntagsgeschirr in der Kredenz in der guten Stube, die gut verdunkelt Geheimnisse vergangener Generationen hütet.
Die Tür da vorne ist nun wieder aufgetan. Erschrocken neugierige Kleinkinder lassen ihren Blick von hinter den Röcken ihrer Mütter umherschweifen. In diesem sonst verbotenen Raum hausen doch fast verborgene Legenden, Sagen, Ereignisse verschleiert – die Geschichte selbst – und ja: sehr viele faulen Kompromisse, deren modriger Gestank hier, in unserer schlecht gelüfteten guten Stube haust und sich unter den stechenden Geruch von Naphthalin mengt, mithilfe dessen wir uns doch in viel besseren Zeiten zu konservieren gedacht haben.
Je weniger an unserer Zahl wir nun schon sind, desto mehr sind wir bereit zu wagen: Was soll’ s? C’ est la vie! Wir verstummen, wir verlieren die Sprache unserer Ahnen, aber ein Mandat, eine Stimme in der Mehrheit zu behalten, sind wir weiterhin mit aller Kraft bereit. Nur eine Stimme nicht für uns, sondern um der( jeweiligen?) Mehrheit willen, um die Starken zu stärken, also nicht unserer selbst halber und willen, sondern um dort hineinzuwachsen, wo die Macht( jeweils?) zu Hause ist. Wessen Interesse ist dies in dieser Form, wenn es zwar vielleicht um manche unter uns, aber sicher nicht um die kaum mehr vorhandene Basis geht? Was bleibt denn von uns selbst dadurch erhalten? Was bleibt davon, was von uns als eine Gemeinschaft behalten werden sollte?
Die „ herrische Leit“ sind in meiner Kindheit und seit hundert Jahren und mehr ein Orientierungspunkt, ein anstrebenswertes Muster in unserer Dorfidylle gewesen, wo die Superlative der Anpassung als Etalon braver Anbiederung galt. Um ein-zwei Dutzend Kolben Mais mehr willen, sind wir, Ungarndeutsche, schon immer bereit gewesen, eine Furche breit in den Feldweg der Gemeinde hineinzuackern.
Gewinnorientiertes Aufstreben. Nur im Zeitalter, wo man die Parzellen mithilfe von Satelliten aus dem Weltraum auf den Quadratzentimeter genau vermessen und beobachten kann, sollte man für ein Weidling voll Platzkukrutz noch nicht unbedingt dem unparteiisch tätigen virtuellen Katasteramt ins Auge scheinen. Die Folgen können nämlich einschneidende Strafen einbringen, die ganze Erntekontingente kommender Jahre gefährden.
Ein ehrlich wirtschaftender Bauer baut auf die kalkulierbare Kraft der eigenen Sippe, der Gerätschaften und Maschinen, wie auch auf die Zugtiere aus dem eigenen Stall. Man muss auch nicht unbedingt immer mit der aktuellsten Zeit mitlaufen, um nicht als unfortschrittlich zu gelten. Stimmt es mit der ehrlichen Gesinnung, mit dem Wissen und der Erfahrung, so kann man sich auch als Hutterer oder Amisch seinem guten Namen von bester Qualität Ruf verschaffen – ohne, dass man seine Produkte wissenschaftlich genmodifizieren wollte, alleine wegen einem höheren Ertrag.
An Wettbewerbskräftemessen will man sich deshalb beteiligen, weil man auf einen höheren Nutzen hofft. Selbst dann, wenn der Gehalt an Aleuron von seinem Getreide bereits weit unter jedem gesunden Maß liegt, aber die Tonnen pro Katasterjoch( wenn auch in wertlosem Hohlwert als Pappe gemessen) auf die Waage bringt. Reicht es, alleine der Mehrheit gedient zu haben, um so ihrer Genossenschaft anzugehören, auch dann, wenn man sich dadurch aus dem Club der Ehrlichen disqualifiziert?
Es ist nämlich so, dass man nie so naiv ist oder sein kann, dass man es mit Leichtigkeit verkennt, wo die Irreführung, der Betrug und die Hinterlist ihre lügnerische Machenschaft vollziehen. Nein, es ist schon so, dass man es sehr wohl weiß, wie und wo man sich in jedem gegebenen Fall anzuschmiegen und anzubiedern hat, wenn man sich durch persönliche Vorteile der gegebenen Stunde erfreuen möchte.
Dann gibt es aber auch noch die Verantwortung eines guten Landwirts, der nicht alleine seine berechnende Geschicklichkeit im Moment betrachtet, sondern an der Mühe nicht spart, um seine Felder, die er als von der imaginären Zukunft in Pacht genommen betrachtet, reich zu düngen, um einst eine in voller Pracht erblühende Wirtschaft als Erbschaft zu hinterlassen, nicht ausgelaugte Parzellen leerer Schollen. Sich in seiner Zeit alleine unbekümmert gut zu ernähren, kann einen niemals zufriedenstellen, wenn man über sich hinaus noch denken kann.
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