Für den Erwerb eines Vorzugsmandats wären jedoch mehr als 26.000 Stimmen erforderlich gewesen. Damit wurde das Ziel trotz beachtlicher Mobilisierung innerhalb der Gemeinschaft nicht erreicht.
Die Ergebnisse machen deutlich: Mehr als 18.000 Menschen haben sich bewusst für eine eigenständige parlamentarische Vertretung der Ungarndeutschen ausgesprochen. Dies ist ein klares Signal dafür, dass der Bedarf an einer eigenen Stimme im öffentlichen Leben weiterhin stark vorhanden ist.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen auch eine wichtige Lehre. Einige tausend Stimmen hätten den Einzug eines deutschen Nationalitätenabgeordneten ermöglichen können. Im Verlauf des Wahlkampfs wurde mehrfach betont, dass diese Stimmen keinen entscheidenden Einfluss auf die parteipolitischen Kräfteverhältnisse gehabt hätten – eine Einschätzung, die durch die endgültigen Wahlergebnisse bestätigt wurde. Für die ungarndeutsche Gemeinschaft selbst wären diese Stimmen jedoch von entscheidender Bedeutung gewesen.
Ein weiterer Faktor könnte gewesen sein, dass im Vorfeld der Wahl aus verschiedenen Richtungen Stellungnahmen erschienen, die auf die Möglichkeit der Streichung aus dem Nationalitätenverzeichnis hinwiesen. Auch die zugespitzte politische Atmosphäre des Wahlkampfes dürfte Einfluss auf einzelne Entscheidungen gehabt haben.
Gregor Gallai wird die ungarndeutsche Gemeinschaft in der neuen Legislaturperiode als Sprecher im Ungarischen Parlament vertreten. Ziel bleibt es, die Interessen der Gemeinschaft auf der Grundlage von Dialog, Transparenz und kontinuierlichem Austausch konsequent zu vertreten.
LESERMEINUNG FREI ZUR WAHL
Von Robert Becker( erstmalig erschienen in der NZ, Ausgabe 17 / 2026)
Hat man es verstanden, dass es einen nicht nur repräsentativen Grund hat oder einen taktischen Vorteil ergibt, wenn die Ungarndeutschen durch einen eigenen Abgeordneten im Parlament zu Budapest vertreten sind?
Ich bin der Meinung, dass man es sehr wohl verstanden hat und versteht, worum es geht. Der wichtigste Beweis für mich ist dabei jener Umstand, dass sich Tausende von der ungarndeutschen Wählerliste haben streichen lassen. Dazu kommt noch, dass auch viele von denen, die registriert blieben, in beträchtlicher Zahl einfach ihren Wahlzettel ungültig gemacht und ihn dann in folgendem Bewusstsein in die Urne geworfen haben: Anzahl der auf die Ungarndeutsche Liste abgegebenen Stimmen: 22 188, davon 4343 ungültig, also fast 20 Prozent!( Laut Angaben der LdU habe dabei ein technischer Fehler vorgelegen. Bei einer Wahlbeteiligung von über 85 % habe es 1000 ungültige Stimmen gegeben. Die Seite des Landeswahlleiters gibt über die genaue Zahl der
14
Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hat bereits mit einer detaillierten Auswertung der Wahlergebnisse begonnen. Über die Regionalbüros werden derzeit weitere Rückmeldungen eingeholt, um die Hintergründe des Ergebnisses besser zu verstehen. Auch eine eigene Umfrage soll zusätzliche Erkenntnisse liefern. Die vollständige Auswertung wird in der nahen Zukunft erfolgen( Stand: Mitte Mai, Red.).
Die Umfrage geht auf Fragen ein, die die Kampagne bewerten. Es wird nach den Problemen bei der Registration sowie beim konkreten Wahlprozess gefragt. Wir möchten erfahren, was unsere Landsleute dazu motiviert hat, sich von der Liste streichen zu lassen und was sie bei ihrem Wahlverhalten beeinflusst hat.
Als Vorsitzende der Landesselbstverwaltung konnte ich während der letzten Monate mit unserem Spitzenkandidaten Gregor Gallai Hunderte unserer Landsleute kontaktieren. Ich konnte Gespräche mit ihnen führen und ihre Zweifel erfahren. Ich bin weniger über das Wahlergebnis enttäuscht als über die Gründe, die dahinterstehen. Diese Parlamentswahl hat noch eindeutiger als die vorherigen gezeigt, dass dieses Wahlsystem nicht haltbar ist. In einer politisch zugespitzten Situation- wie wir sie jetzt erlebt haben- geraten die Interessen der eigenen Nationalität in den Hintergrund.
Im Mittelpunkt der weiteren Arbeit der Landesselbstverwaltung steht das Bestreben, die Gemeinschaft noch stärker zu erreichen und einzubinden – insbesondere auch die jüngeren Generationen. Themen wie Sprach- und Kulturerhalt, die Weiterentwicklung des Institutionensystems sowie die Situation der ungarndeutschen Medien bleiben dabei zentrale Anliegen.
ungültigen Stimmen keine Auskunft, Red.) Eine Wählerbeleidigung führt zu keinem Wahlerfolg: Es wurde die Frage in den Raum gestellt, ob man überhaupt seiner Volksgruppe noch angehöre, wenn man nicht bereit ist, wie erwartet abzustimmen. Es hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, nur eine einzige Richtung bei der Wahl zu erwarten. Entscheidend ist letztendlich die wahrgenommene Verantwortung bei der Stimmabgabe.
Man denkt noch an bereits im Kanal der Geschichte ganz zu Recht dahingeflossene Systeme. Dabei gibt es in einem beibehaltenen Reflex bis heute, den hoffnungsvollen Gedanken, dass es stets mehr als nur eine einzige Meinung geben darf. Diesen Gedanken versucht man in möglichst breiten Schichten der Bevölkerung zu erdrosseln. So taucht in mir unter den jetzigen Umständen die Frage auf, ob die Deutschen in Ungarn aktuell dazu überhaupt reif genug für einen eigenen Ab-