Sonntagsblatt 2/2025 | Page 36

auch singen. Ich habe auch ein Gedicht geschrieben 2022 im November, da haben wir das evangelische Kirchweihfest. Und in diesem Jahr ist unsere Kirche renoviert worden. Komplett schön, alles hergerichtet und dann war ein Dankgottesdienst. Zu diesem Dankgottesdienst habe ich auch ein Gedicht geschrieben. Da habe ich die Vorfahren, die die Kirchen gebaut haben, und Gott und sei dankbar in das Lied geschrieben und das wurde dann im Gottesdienst gesungen. Es war sogar das Hauptlied, das gesungen wurde.
SB: Dann können Sie darauf sehr stolz sein.
TB: Ja, das bin ich. Es ist auch auf meinem Telefon gespeichert und ab und zu höre ich es.
SB: Welche Romane haben Sie geschrieben?
TB: Durch die Hölle habe ich geschrieben und der Roman ist noch nicht fertig, aber ich arbeite daran. Es heißt Das gelobte Land- viele sagen, Amateure geben schon einen Titel vor, ich habe schon einen Titel. Dieser Roman spielt sich in der Ansiedlungszeit ab. Nach den Türken, wie die Leute mit den Ulmer Schachteln gekommen sind und was sie hier vorgefunden haben, Urwald und Sumpf, und wie sie dann hier neu anfangen mussten! Das ist der historische Hintergrund des Romans. Dazwischen gibt es eine Liebesgeschichte oder eine Abenteuergeschichte. Die Tochter von einem Grundherrn verliebt sich in einen armen Bauernjungen und natürlich ist diese Beziehung nicht gewollt. Sie kämpfen um ihre Liebe und sie fliehen. Es wird geschossen und es gibt Bösewichte, die sich rächen wollen, weil der Bösewicht denkt, dass der Grundherr sein Vater ist, aber er weiß nicht, dass er nicht sein Vater ist. Die Mutter hat es ihm sein Leben lang verheimlicht. Und das ist so eine Geschichte mit einem historischen Rahmen.
Und da schreibe ich noch eine Passionsgeschichte. Die soll so ähnlich sein wie eine Operette: Text und Gesang. Dann möchte ich noch ein Wörterbuch schreiben- im Moment. Ich möchte noch viele Bücher schreiben, aber was ich jetzt gerade mache, ist ein Kleinmanoker Hochdeutsch-Ungarisch-Wörterbuch. Wir stammen eher aus dem Schlitzerland.
Und da möchte ich noch ein Liederbuch herausgeben, nur mit meinen Gedichten, ein evangelisches Liederbuch. Da möchte ich auch solche Lieder aufnehmen, die nicht mehr gesungen werden. Wir haben 1981 oder 1982 eine Liederbuchreform gehabt und da sind im ganzen Land die gleichen Bücher in Gebrauch. Früher hatten wir das Transdanubische Liederbuch und die Ungarn das Békéscsabaer Liederbuch und die Slowaken das Tranoscius. In den Jahren 1981 / 82 wurde alles vereinheitlicht und da sind auch viele ungarische Lieder aus diesen Büchern herausgefallen. Es ist eine Generation herangewachsen, die diese Lieder gar nicht mehr kennt. In diesem Buch möchte ich diese Lieder und auch diese Weisen drinnen haben.
SB: Zurück zu den Romanen, ich wollte noch fragen, woher die historischen Informationen kommen? Haben sie vielleicht Leute befragt, die damals gelebt haben?
TB: Ja, bei Durch die Hölle schon. In der Familie wurde darüber gesprochen. Die Personen im Roman sind meine Familie, die ich noch kannte. Die älteste, die 1893 geboren ist, die habe ich auch noch gekannt. Und bei dem anderen Roman die Geschichte, was ich, was ich vom Ungarndeutschtum weiß! Wir haben einen sehr guten geistlichen Herrn gehabt, Gott gebe ihm die ewige Seligkeit, der ist dieses Jahr gestorben und das hat mir auch sehr geholfen im geschichtlichen
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Rahmen.
Im Jahr 2016 habe ich dann wirklich angefangen zu schreiben. Ich habe mich hingesetzt und gesagt jetzt schreibe ich diesen Roman zu Ende. Und die ersten Zeilen habe ich auf Brotpapier geschrieben. Dann wurde es mehr und mehr. Wenn ich was nicht so wusste, dann habe ich jetzt die Oma gefragt. Was die Oma nicht wusste, dass hat die Mutter ihrer Tante erzählt. Und so langsam ist das Buch fertig geworden.
SB: Das Buch ist auch auf Ungarisch erschienen. Warum?
TB: Die Ungarn waren auch neugierig und es gibt Deutsche, die können kein Deutsch, nur Ungarisch. Und da haben wir uns überlegt, dass es auch auf Ungarisch erscheinen soll. Aber das musste übersetzt werden. Die ungarische Version ist nicht von mir geschrieben. Am Ende des Buches gibt es auch einige Gedichte. Aber wir haben niemanden gefunden, der die Gedichte übersetzen konnte. Deshalb ist das Ungarische etwas dünner- nicht nur das, was ich geschrieben habe, sondern auch das, was die Kleinmanoker geschrieben haben, damit es nicht verloren geht. Diese Leute waren keine Dichter, sie haben nur Gedichte geschrieben, was sie gerade auf dem Herzen hatten und haben sie in Gedichtform niedergeschrieben. Da habe ich mir gedacht, in diesem Buch können wir die Gedichte zusammenfassen- meine und ihre- und so bleiben sie erhalten.
SB: Wie hat die Rezeption, die Leserschaft reagiert?
TB: In der ersten Zeit haben sich viele dafür interessiert. Das war so wie ein Bogen hinauf und dann wieder tief. Ich hatte auch drei Buchpräsentationen: eine in Kleinmanok, dann in Bonnhart und dann in Fünfkirchen. Da waren auch sehr viele Leute da.
SB: Haben Sie vielleicht ein Ziel damit, dass Sie solche Romane und Gedichte schreiben?
TB: Ja, ich habe ein Ziel. Ich möchte ein berühmter Schriftsteller werden, das ist mein Ziel- und dass ich die Leute unterhalten kann. Und ich möchte auch zur ungarndeutschen Kultur beitragen.
SB: Wie sehen Sie heute die Lage der Ungarndeutschen?
TB: Wie ich das Ungarndeutschtum sehe, sage ich, die Hoffnung stirbt zuletzt. Solange der Mensch lebt, hofft er. Und ich hoffe auf die Schulen: vom Kindergarten bis zur Universität. Es gibt auch ältere Leute, die Deutsche sind, verstehen Deutsch, lesen nur deutsche Romane, schauen nur deutsches Fernsehen und keinen Muck deutsches Wort sagen sie. Die Kinder können auch Deutsch verstehen, aber sie sprechen auch nicht Deutsch. Aber sie wissen, dass sie Deutsche sind. Es gibt viele deutsche Jugendliche in Kleinmanok, die zur deutschen Identität, zur Sprache, zur Kultur stehen.
Die Oma und ich, wir haben gerne getanzt. Jetzt kann ich auch nicht mehr. Ich habe es in der Hüfte und kann mich nicht mehr so bewegen wie früher. Aber die Musik, die liebe ich. Wie gesagt, ich komponiere auch, aber eher Kirchenlieder. Aber Polka und Walzer mag ich auch sehr gerne. Ich habe auch Texte dazu geschrieben.
SB: Möchten Sie vielleicht eine Botschaft hinterlassen?
TB: Den Deutschen kann ich sagen, dass sie an ihrem Deutschtum festhalten sollen. Und das kann ich auch den