Sonntagsblatt 2/2025 | Page 37

Mischehen sagen, dass sie an ihrem Ungarndeutschtum festhalten sollen, weil dieses Land nichts wäre, wenn es die Ungarndeutschen nicht gegeben hätte. Und das sage ich nicht, weil ich selbst ein Ungarndeutscher bin, sondern weil damals wirklich nichts war.
Unser Herrgott hat uns zu einem Deutschen erschaffen und dazu muss man stehen. Und wenn sie reden und es kommt
vielleicht nicht so raus, wie es rauskommen soll, das macht nichts. Beim zweiten Mal wird‘ s besser, beim dritten Mal
wird‘ s noch besser. Jeder soll zum Deutschtum stehen, der deutsches Wesen oder Blut in sich hat.
SB: Vielen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führte Martin Szanyi.

AUS LEBENDIGEN STEINEN GOTT WOHL- GEFÄLLIGE GEISTLICHE HÄUSER BAUEN

Zum 50. Todestag des Harkauer Pfarrers Robert Danielisz
Von Krisztina Kaltenecker
Robert Danielisz( 1894, Großschlagendorf / Nagyszalók – 1975, Bad Endbach bei Marburg / Hessen, Deutschland) stammte aus der Zips / Szepesség( damals Österreich-Ungarn, heute Slowakei). Das Abitur legte er 1913 in einer der altehrwürdigsten, berühmtesten und besten weiterführenden Schulen der Doppelmonarchie, im Evangelischen Lyzeum in Käsmark / Késmárk ab. In Eperies / Eperjes studierte er evangelische Theologie. Ordiniert wurde er 1917. Wie Andreas Metzl schreibt, hegte Danielisz die Hoffnung, eins in der Zips Pfarrer zu sein, allerdings machte der Erste Weltkrieg auch diesen Herzenswunsch zunichte. Danielisz wurde am 1. September 1917 eingezogen und als Feldkurat im Hauptmannsrang nach Großschlagendorf geschickt. Danach wurde er Vikar in Agendorf / Ágfalva. 1919 wurde er Pfarrer in Weppersdorf / Veperd( heute Österreich). Ab 1922 war er Pfarrer der deutschen Gemeinde Harkau / Harka in Nordwestungarn. Es gelang ihm 1928 der Karrieresprung nicht, evangelischer Gemeindepfarrer in der Stadt Ödenburg zu werden: Bei den Wahlen unterlag er Oskar Budaker, der zuvor Hilfspfarrer in der Stadt Güns gewesen war. Danielisz verließ seine Gemeinde also nie, nicht einmal während und nach der Vertreibung aus Ungarn in die US-Besatzungszone, nach Groß-Hessen.
1974, kurz vor seinem 80. Geburtstag, sein Berufsleben in Ungarn und Deutschland in einem ungarischsprachigen Leserbrief summierend und bilanzierend, gab Pfarrer Danielisz folgendes Bibelzitat als seinen perpetuellen Leitgedanken an:
„ Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“( Lutherbibel, 1 Peter, 2, 5-9)
Laut meinen Harkauer Gewährspersonen zeichneten unerschütterlicher Glaube, strenge moralische Prinzipien, tatkräftige Humanität und starkes Ungarischbewusstsein ihn als Gemeindepfarrer aus: Pfarrer Danielisz habe sich mit den „ Obrigkeiten“( seien diese Gespane, Stuhlrichter, Gendarmen in Ungarn, Bürgermeister oder Landräte in Deutschland gewesen) in dem Sinne gut verstanden, dass er in den verschiedensten Ämtern, Behörden usw. die existentiellen Interessen seiner Gemeindemitglieder wie kein Anderer vertreten und durchsetzen konnte.
Da sein Todestag am 18. Oktober 2025 zum 50. Mal jährt, veröffentliche ich nachfolgend einige bis jetzt kaum registrierten Angaben zu seinem Berufsethos und Credo als evangelischer Pastor in und aus Ungarn.
Im November 1918 schloss er sich einem Aufruf des vom
Bischof Sándor Raffay( 1866 – 1947) angeführten, bürgerlich-demokratisch revolutionären Evangelischen Pfarrerrats an und gemeinsam mit 17 weiteren Pfarrern forderte er eine allgemeine, offene Aussprache zwecks einer wahren Erneuerung im Sinne des Evangeliums, einer Neuen Reformation intra muros, innerhalb der Evangelischen Kirche Ungarns.
Als Robert Danielisz 1922 Pfarrer der deutschen Gemeinde Harkau wurde, hatte das Dorf etwa 1.030 evangelische Gläubige, und es galt als konfessionell einheitlich. Bereits 1924 gründete er einen Lesekreis mit 90 Mitgliedern – in einem Dorf, wo es zuvor( laut meinen Gewährsleuten) insgesamt ca. 10-12 Bücher gab. Wöchentlich drei Male hielt er außerdem einen Volksbildungskurs ab.
Robert Danielisz war für die Deutschen in Harkau nicht nur ihr Pfarrer, sondern( und vielmehr) der strenge und beliebte, hoch geschätzte und allgemein angesehene und respektierte Leiter des ganzen Dorfes – berichteten mir Heinz
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