Sonntagsblatt 2/2025 | Page 25

STERNCHEN UND GENDER-GAP

Neue Studie untersucht die Verwendung geschlechtergerechter Sprache
Von Ibolya Lengyel-Rauh
Anbei erhalten die Leser / innen eine Zusammenfassung der Studie der geschlechtersensiblen Ausdrucksweise im Kontakt der Kulturen: Beobachtungen anhand der ungarndeutschen Minderheitenpresse verfasst von Csaba Földes. Der Artikel untersucht den Umgang mit „ geschlechtergerechter Sprache“ in der ungarndeutschen gedruckten Presse. Die Studie- basierend auf dem Projekt „ Deutsche Mediensprache im Ausland“- analysiert die sprachliche Praxis in fünf ungarndeutschen Zeitungen im Zeitraum von 2019 bis 2021. Die Ergebnisse zeigen, dass das generische Maskulinum nach wie vor vorherrscht, während gleichzeitig ein „ Gendermix“ mit unterschiedlichen sprachlichen Lösungen zu beobachten ist. Diese Unsicherheiten im Umgang mit Geschlechterfragen könnten mit der Struktur der ungarischen Sprache und dem weniger intensiven Diskurs über Geschlechterrollen in Ungarn im Vergleich zu deutschsprachigen Ländern zusammenhängen.
Der Artikel geht auch auf die linguistischen Theorien zum Thema „ Gender und Sprache“ ein, insbesondere die Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht( Sexus), grammatischem Geschlecht( Genus) und sozialem Geschlecht( Gender). Während Sexus auf biologische Merkmale verweist, bezeichnet Genus das grammatische Geschlecht und Gender das soziale Konstrukt der Geschlechtsrollen. Die Diskussion über Gender umfasst verschiedene Theorien, wie die „ Deficit Theory“, die Frauen sprachlich benachteiligt sieht, und die „ DominanceTheory“, die eine männliche Dominanz in der Sprache annimmt. In der „ Difference Theory“ wird von verschiedenen Kommunikationsstilen zwischen den Geschlechtern ausgegangen, während die „ Discourse Theory“ die unbewusste Konstruktion von Gender im Alltag betont.
Ein zentraler Aspekt der feministischen Linguistik ist die Kritik am generischen Maskulinum, das als benachteiligend für Frauen gilt. Dies führe zu alternativen sprachlichen Praktiken wie Doppelnennungen oder der Verwendung von Binnenmajuskeln. Diese Praktiken wurden jedoch kritisiert, da sie nicht-binäre Geschlechter ausschließen. Neuere Ansätze bevorzugen daher geschlechtsneutrale Formen, wie den Einsatz von
Unterstrich, Doppelpunkt oder Asterisk. Das untersuchte Zeitungsmaterial
Die empirische Analyse basiert auf verschiedenen ungarndeutschen Presseprodukten, darunter( Beschreibung laut Studie):
● Neue Zeitung( NZ): ein überregionales Nachrichtenblatt seit 1957, das Themen wie Politik, Kultur und Literatur abdeckt
● Sonntagsblatt( SB): ursprünglich 1921 gegründet- erscheint es seit 1993 wieder und behandelt Geschichte und Gegenwart der Ungarndeutschen sowie die Lage deutscher Minderheiten
● LandesratForum( LF): Das Informationsblatt des „ Landesrates der ungarndeutschen Chöre“, dokumentiert kulturelle Aktivitäten und erschien im untersuchten Zeitraum zwischen 2020 und 2021 dank der Pandemie einmal auf Ungarisch. Aus diesem Grund gab es nur eine geringe Anzahl von erschienenen deutschen Exemplaren.
● Batschkaer Spuren( BS): vierteljährlich erscheinendes Blatt, das über die Region Batschka berichtet
● Bonnharder Nachrichten( BN): Lokalzeitung, die seit 2007 dreimal jährlich erscheint und den Bedarf der lokalen Gemeinschaft abdeckt
Die untersuchten Zeitungen erstrecken sich über den Zeitraum von 2019 bis 2021 und umfassen insgesamt 4.547 Seiten.
Der sprachkommunikative Umgang mit Gender
In Ungarn gewinnt das Thema Gender zunehmend an Bedeutung, sowohl in der Wissenschaft als auch in der breiten Gesellschaft. Während in wissenschaftlichen Kreisen- etwa an Universitäten wie Segedin und Miskolc- das Thema intensiv erforscht wird, hält die breite Öffentlichkeit an tra-
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