in Getterle / Gödöllő studieren: Agraringenieurswesen mit Schwerpunkt Betriebsorganisation. Trotzdem sei es ihm nach Abschluss des Studiums schwer gefallen, eine adäquate Anstellung als Jungingenieur zu finden. Das veranlasste ihn als Kellner auf Trinkgeldbasis in einer Kneipe auf dem Land sein Glück zu suchen: Mit dem Ort Sóskút blieb er jahrzehntelang verbunden, auch seine „ fölvidéki” Ehefrau( Madjarin aus dem ehemaligen Oberungarn) fand er hier. Die Gastronomie zahlte nach Königs Angaben damals gut: „ Im ersten Monat habe ich gleich 15.000 Forint verdient, während der Einstiegsgehalt eines Ingenieurs bei 1200 Forint lag.” Als sich die Möglichkeit eröffnete, habe er die Gastwirtschaft übernommen und eröffnete mit der Familie in Kleinturwall ein Restaurant. Auch in anderen Bereichen probierte er sich aus: So unter anderem als Journalist bei Rundfunk und Fernsehen: Die langjährige Freundschaft zum Fidesz-nahen Journalistenurgestein Gábor Bencsik entstand in dieser Zeit, so König. Durch die Wiedergutmachung Anfang der 1990er Jahre gelangte der Sohn einer LPG-Angestellten zu wertvollem Grundbesitz im Speckgürtel der ungarischen Hauptstadt.
In die Politik stieg Franz König nach eigenem Bekunden in der Wendezeit ein: Seine politische Heimat war das konservative Ungarische Demokratische Forum( MDF) des József Antall jun. gewesen: „ Als ich aber sah, dass sich das Ganze in die falsche Richtung entwickelt, bin ich ausgestiegen”, erinnert sich der 71-jährige an die gemeinsame Zeit mit den Politdinosauriern der Wendezeit Sándor Lezsák und Lajos Für, damals beide in der MDF-Ortsgruppe Kleinturwall aktiv.
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2002 wurde er dennoch schwach: Gewerbetreibende in der 3000-Seelen-Gemeinde Sóskút sollen so lange auf ihn, den Kneipenwirt, den jeder kannte, eingeredet haben, dass er zusagte und mit überwältigender Mehrheit den Vorgänger ablöste. „ Sóskút, das slowakische, aber auch schwäbische Wurzeln hat, war damals ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Es mangelte an befestigten Straßen und auch die öffentlichen Gebäude waren im schlechten Zustand”, erinnert sich König. „ Ich habe mit den unterbezahlten Mitarbeitern des Gemeindeamtes Bonus-Zahlungen vereinbart, wenn sie bereit sind, die Prozesse wie die schnelle Erteilung einer Durchfahrtsgenehmigung für Lkw-Fahrer zu optimieren. Darüber hinaus habe ich sie weiterbilden lassen- mit dem Ziel der Erlangung eines Hochschulabschlusses. Als ich im Oktober 2024 das Amt verlassen habe, hatten so gut wie alle einen solchen Abschluss”, berichtet der ehemalige Bürgermeister. Darüber hinaus habe er begonnen, Unternehmen in den Ort zu holen: „ Ich habe vom Gemeinderat eine Vollmacht bezüglich Steuerfragen erhalten. So konnte ich mit Unternehmern über Steuervergünstigungen verhandeln. Das war einmalig in Ungarn- genauso der Siedlungsentwicklungsplan, in dem wir Kosten und Nutzen des Zuzugs von Neubürgern präzise berechnet haben.” Das hatte zur Folge, dass sich Sóskút 2002 hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen landesweit bei den unteren 10 % befand, 2024 hingegen unter den gewerbesteuereinnahmestärksten 1-2 %. Auf Komitatsebene stehe vor Sóskút nur Százhalombatta- eine Industriestadt mit Ölraffinerie und 18.000 Einwohnern: „ Sóskút hat heute mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Durch die sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen konnten wir alle Straßen befestigen, die Grundschule erneuern und den Kindergarten erweitern”, erzählt König. Die Zukunft sei aber unsicher, sollte die Regierung die Verteilung eines beachtlichen Teils der Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen auf die Komitate und Kreise übertragen.
Nach der Wahlniederlage im Juni und der Amtsübergabe im Oktober 2024 widmet sich Franz König ganz und gar der Familie und hofft, dass das schwäbische Erbe von den fünf Enkelkindern, von denen einige die Paul-Ritsmann- Nationalitätengrundschule besuchen, weitergetragen wird.