ditionellen Geschlechterrollen fest. Die ungarndeutschen Zeitungen, die in dieser Studie untersucht wurden, zeigen unterschiedliche Ansätze im Umgang mit gendergerechter Sprache, wobei viele Texte wenig „ gendersensibel“ sind und eine Mischung verschiedener Schreibweisen verwenden. Zu den Techniken gehören:
● Beidnennung: Nennung männlicher und weiblicher Formen, z. B. „ Studentinnen und Studenten“
● Neutralisierung: Verwendung geschlechtsneutraler Begriffe, z. B. „ Studierende“
● Abstraktion: Vermeidung von geschlechtsspezifischen Begriffen, z. B. „ Leitung“
● Gender-Gap und Binnen-I: Techniken, um Gender-Diversität sichtbar zu machen, z. B. „ Student _ innen“ oder „ StudentInnen“
● Sternchen und andere Varianten: Der Asterisk wird verwendet, um auch nicht-binäre Geschlechter zu berücksichtigen, z. B. „ Student * innen“.
Die Analyse zeigt, dass in den ungarndeutschen Zeitungen vor allem Beidnennungen und das Binnen-I häufig verwendet werden. Der Asterisk wird seltener eingesetzt und vor allem in Texten aus dem deutschsprachigen Raum gefunden.
Die Studie zeigt, dass das sprachlich-kommunikative Gendern in der ungarndeutschen Presselandschaft- auch in kleineren Lokalzeitungen- angekommen ist, jedoch ohne klare Struktur oder Konsistenz. Die Medien übernehmen teils unreflektiert Praktiken aus den deutschen Medien, was zu einem Mix aus Nicht-Gendern und inkonsequentem Gendern führt. Besonders auffällig ist, dass bei Komposita Gendern oft gänzlich ausgeklammert wird.
Die analysierten Medienprodukte verfolgen keine einheitliche Strategie und befinden sich im Spannungsfeld zwischen politischer Korrektheit und sprachökonomischer Verständlichkeit. Dabei bleibt die traditionelle Schreibweise mit generischen Personenreferenzen weiterhin dominant. Medien mit Bezug zu Deutschland oder Österreich verwenden häufiger Genderformen, während ungarndeutsche Medien eher konservativ bleiben. Es zeigt sich zudem eine Tendenz, traditionelle Geschlechterrollen zu reproduzieren, was sich in der Auswahl von männlichen und weiblichen Berufsbezeichnungen widerspiegelt.
Ein Einfluss auf den Umgang mit Gendern könnte die Struktur der ungarischen Sprache haben, die keine geschlechtsspezifischen Nominalformen kennt. Zudem spielt die soziokulturelle Ausrichtung Ungarns mit einem Fokus auf traditionelle Familienmodelle eine Rolle. Das Thema Geschlechtergerechtigkeit wird dort weniger betont als in anderen europäischen Ländern. Insgesamt bleibt der Umgang mit Gendern in den ungarndeutschen Medien inkonsistent und variiert je nach Medium und Kontext.
GESCHICHTE ANDERS
Mediengestalter ungarndeutscher Herkunft verarbeitet Familiengeschichte kreativ
Von Richard Guth
Es begann mit einem roten Fotoalbum im Jahr 2012. Es lag in der Abstellkammer eines Einfamilienhauses im Marburger Land und enthielt allerlei private Erinnerungen: Fotos über akkurat bearbeitete Blumenbeete wechselten sich im Bilderbuch mit Familienfotos ab. Und dann noch die Aufnahmen an einem unbekannten Ort, Häuser und Kirchentürme! Der erste Weg von Christian Sohn führte zu den Familienmitgliedern, die aber nur wenige Infos liefern konnten, so Sohn. Eine Forschungsarbeit begann, die drei Jahre dauerte und in einem interessanten Werk mündete.
Für den Medienkünstler Christian Sohn war dies nicht nur mit der Masterarbeit an der Universität in Weimar verknüpft, sondern stellte nach eigenem Bekunden eine Zeitreise dar: in ein für ihn fremdes Land, wo seine Großmutter Luise geboren wurde.
Sohn präsentierte Anfang April beim Stiftungsfest der Akademikervereinigung Suevia Pannonica in Stuttgart die Früchte seiner Arbeit: Eine GraphicNovel, also ein illustrierter Roman, der den Titel „ Kirschblüten aus Harkau” trägt. Der damals so fremde Ort sei für Sohn im Laufe der Zeit zunehmend vertrauter geworden. Dies ist nicht zuletzt den Zeitzeugeninterviews zu verdanken, die neben schriftlichen Quellen wie Schulbüchern und Chroniken oder den Erinnerungen der Familienmitglieder eine dritte Informationsquelle darstellen.
26
Dabei interessierte sich der Jungakademiker für die Rolle Ungarns im Zweiten Weltkrieg, die Umstände der Vertreibung- und wie die Dorfbewohner all diese Umwälzungen erlebten. „ Ich wollte dabei die Geschichte von Oma Luise weitererzählen”, so der Autor. Der Lebensweg der Großmutter steht dabei für zehntausendfaches Schicksal: Flucht