tengymnasium unterrichtet hat . Als Mitglieder des Deutschclubs standen die Interviewführerinnen nach Erinnerungen von Stefan Fülöp von Anfang an hinter dem deutschsprachigen Projekt . „ Es war so , dass der Club die Interviewpartner aussuchen sollte . Wir haben einen Kreis von etwa 20 älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern bestimmt . Die Hälfte sagte ab - es waren schwierige Zeiten - , über die man berichten musste : Viele haben während des Zweiten Weltkriegs die Väter verloren , sind im Gespräch auch in Tränen ausgebrochen oder haben eine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen abgesagt . Viele haben sich nicht getraut alleine vor die Kamera zu treten , deswegen tauchen in einigen Interviews bis zu zwei oder drei Gesprächspartner gleichzeitig auf ; für die meisten war das ohnehin Neuland ”, berichtet der Vorsitzende des Deutschen Gemeinderates .
Ziel des Projekts war und ist , das „ Netzwerk zu erweitern ”, in einem Dorf , das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg von zwei Nationalitäten bewohnt war : Die calvinistischen Madjaren stellten 20- 30 Prozent der Gesamtbevölkerung . In den Interviews ist dann bezüglich der Zeit nach 1945 von der Präsenz von fünf „ Völkergruppen ” die Rede : Neben den alteingesessenen katholischen Deutschen und calvinistischen Madjaren kamen nach dem Krieg im Rahmen des slowakisch-ungarischen Bevölkerungsaustausches Slowakeimadjaren ins Dorf und im Rahmen der Binnenansiedlung Madjaren , so genannte „ Telepeschen ”, aus Egerlövő . Auch aus der Umgebung , vor allem aus der Totiser Kolonie / Tatabánya , ließen sich nach Angaben von Fülöp Menschen nieder ; viele heirateten Alteingesessene . So beträgt der Anteil der Deutschen heute bei einer Gesamtbevölkerung von 2800 unter 50 %. Die Deutschen stellen dennoch die größte Gruppe . Stolz berichtet Fülöp davon , dass allein aus Tarian mehr als 500 Wählerregistrationen für die Liste der Ungarndeutschen zusammenkamen ; so ist Tarian die größte deutsche Wählergemeinschaft im Komitat Komorn-Gran . Sich für die deutsche Liste registrieren zu lassen , stelle auch aus Sicht von Fülöp eine gewisse Hürde dar , denn nach den gültigen Wahlregeln in Ungarn verliert man dadurch sein Recht , für Parteilisten zu stimmen .
Ein Blick in die Vergangenheit verrät , dass Tarian in 15 Jahren das 300 . Jubiläum der Ansiedlung der Deutschen feiern wird : 1787 ließen sich 40 deutsche Familien dort nieder , sie stammten sehr wahrscheinlich aus Franken . In Tarian gab es keine Vertreibung , dennoch saß man , ähnlich wie etwa in Werischwar , ein Jahr lang auf gepackten Koffern . Die Namensliste der zu Vertreibenden war nach Angaben von Stefan Fülöp im Rathaus bereits ausgehängt . Damals war die Mundart noch präsent im Alltag . „ Aber selbst noch vor zehn Jahren konnte man in der deutschbewohnten Hauptstraße , der Untergasse , viel Mundart hören . Diese Leute sterben aus und auch wegen Corona ist dieses » Alltagsgeräusch «, das man beim Spaziergang wahrnehmen konnte , so gut wie verschwunden . Hochdeutsch ist hingegen weit verbreitet , jedenfalls auf der Ebene der Sprachkenntnisse ”, erzählt Fülöp . Dies führt er unter anderem auf die Präsenz von Deutschen und Schweizern zurück , die in Tarian eine neue Heimat gefunden haben . Aber viele Tarianer arbeiten auch im deutschsprachigen Ausland , obwohl die Gemeinde arbeitsmarkttechnisch im Dreieck Budapest-Totiser-Kolonie-Raab günstig liegt .
Eine Schlüsselrolle käme nach Einschätzung des Vorsitzenden des Deutschen Gemeinderates der zweisprachigen Grundschule zu . Seit September 2020 nach langem Hin und Her ist der Deutsche Gemeinderat Tarian Träger der örtlichen Grundschule . „ Nach der Wahl von Thomas Klinger ( dem Sohn der langjährigen Schulleiterin Theresia Klinger , R . G .) war das keine Frage mehr . Das war für uns ein Muss , denn wenn man hier nicht auf die Sprache und deren Tradierung achtet , dann ginge diese auch verloren . Durch die direkte Kontrolle können wir der Gefahr entgegenwirken . Denn gerade bei den Zugezogenen werden die Rufe nach mehr Englischunterricht immer lauter .” Das große Ziel wäre jetzt die Anstellung einer muttersprachlichen Lehrkraft aus Österreich oder Deutschland , was sich aber ohne Unterstützung des Entsendelandes nicht realisieren lässt . Für Fülöp steht aber fest : „ Es ist unsere Pflicht , diese Tradition Deutsch lebendig zu halten .” Deswegen plant der Deutsche Gemeinderat auch den örtlichen Kindergarten zu übernehmen .
Sie können sich die erste Staffel „ Tarianer Geschichten ” im Youtube-Kanal des Tarianer Fernsehens „ Falu TV Tarján ” anschauen .
Merkwürdigkeiten
Das Schwabenvillage
Von Robert Becker
Unlängst wandte sich ein Jugendlicher unserer Familie mit seiner Idee an mich , dass es doch nicht verkehrt wäre , wenn wir , Gleichgesinnte , die es doch noch gibt in unserem Land , die zu Hause noch untereinander deutsch sprechen , schreiben und lesen , die über die deutsche Kultur noch etwas halten , in eine unserer Ortschaften beziehungsweise in ein neu gegründetes Dorf zusammenziehen könnten und sollten , um aus dieser Nähe Kraft zu schöpfen , um weiter zu bestehen . Diese Worte haben mich nicht nur erstaunt und mit einer seelischen Wärme erfüllt , sondern musste ich gleichzeitig in der Erkenntnis dessen , wie sehr menschliche Wünsche und Sehnsüchte scheinbar auf ein allgemeines Schema beruhen , auch heimlich in mich hineinschmunzeln . Von außen betrachtet ist meine Miene ernst geblieben , und ich habe den guten Burschen für seinen Gedanken gelobt und ihm geraten , die Idee bis in die Nuancen selbst auszuarbeiten , die Frage mit seinen Geschwistern und Cousinen auszudiskutieren .
Nun , seinerzeit , ebenfalls als ich am Ende meiner Teenager-Zeit einen Blick auf mein Umfeld geworfen habe , als ich es zu erkennen und zu verstehen begonnen habe , wie sporadisch wir , Deutsche in Ungarn geworden sind , dass nur noch die alten Leute um mich eine Gruppe darstellen , für die es selbstverständlich ist , deutsch – oder die Mundart halt – zu sprechen , hat es mich erschauert und ich bin auf die Idee gekommen , dass es doch so gut wäre , einander näher zu rücken , ein Dorf zu gründen , wo alle Familien zu Hause sind , die in Ungarn noch ihre deutsche Herkunft nicht nur in Kulturgruppen , sondern auch in ihrer alltäglichen Sprache und Gesinnung pflegen …
Diese Idee ist also scheinbar nicht so alt wie ich und auch nicht so jung wie meine Kinder , sie ist wohl elementar nach dem Motto , dass die Kraft in der Gemeinschaft liegt . Im Alter , als man noch nicht auf seinen eigenen Füßen steht , wo man sich nicht zuletzt auch auf die Gruppe Gleichgesinnter stützen will , um daraus Kraft zu schöpfen , anders zu sein als alle Welt um einen . Nicht zuletzt will man auch seinen Mut aufbauen , denn es ist nicht einfach , nicht leicht , anders zu sein als die Anderen , die einen in einer vielfachen Mehrheit umgeben und es schon auf diese Weise vorgeben und bestimmen , wie man zu sein hat , wo es entlanggeht , was Sitte und Brauch ist .
Stolz bin ich und traurig nach dieser Begebenheit , dass aus vererbten Umständen weitergespielte Ideen hervorgehen , dass meine Kinder ihren Schritt in meinem Fußstapfen zu gehen versuchen . Den Anspruch , das Dasein als Angehöriger unserer Volksgruppe fortzuleben , gibt es also bis in unsere heutige Zeit . Dies zu tun , nicht nur als Nostalgie , sondern in ihrer Erscheinung als eine gegebene Selbstverständlichkeit .
Schon zu meiner Zeit haben meine Eltern es mir nicht auferlegt , die Bräuche , alte Feste , Methoden in der Arbeit und im Alltag von einst zu behalten und im Sinne der vergangenen Generationen
8 SoNNTAGSBLATT
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