Sonntagsblatt 2/2021 | Page 6

SB : Sie hatten noch die Hoffnung gehabt , ihren Besitz irgendwie zurückzuerhalten . Sie dachten , dass es nur eine vorübergehende Maßnahme ist , oder ?
A . Sz .: Absolut ! Sie haben im Geheimen gearbeitet , dort bei Donaufeldburg in ärmlichen Verhältnissen unter ständigem Druck gelebt - manche waren 10 Jahre da . Nach 10 Jahren sind sie zurück nach Kier , haben sich ein Haus gekauft . Fürchterlich , nicht ? Die , die nach Deutschland gekommen sind , die haben auch fest damit gerechnet , dass sie zurückkommen . Die haben sich regelmäßig getroffen . Weißt du , Katholiken gehen ja in die Kirche , in die Messe , und dann haben sich die Männer immer versammelt und sich beraten : „ Also was meinst du ? Kommen wir noch heim ?“ Die haben mindestens zwei , drei Jahre lang fest damit gerechnet , dass sie zurückkommen . Es kann ja nicht sein , dass ihre Heimat sie verstoßen hat ! Es waren ja zum Teil solche , die sich als Ungarn bekannt haben und lediglich die Muttersprache als deutsch angegeben hatten . Die haben sich in Ungarn wohlgefühlt . Die haben keine Probleme gehabt und es waren , wie gesagt , nicht so viele Volksbund-Anhänger unter ihnen - was auch kein Problem gewesen wäre , wenn sie das gewesen wären - , aber nicht zu viele Deutsche waren Mitglieder im Volksbund . Die meisten haben sich keine Gedanken darüber gemacht , sie dachten : “ Warum auch nicht ? Wir sprechen ja alle Deutsch .“. Den Ungarn gegenüber waren sie nicht feindlich gesinnt . Da waren wenig Ungarn , die ins Dorf gekommen sind , aber die wurden alle „ eingedeutscht “.
SB : Du hast erwähnt , dass es wenig Leute im Volksbund gab . Wie sieht das mit der HűHa- Bewegung aus ? Hatte die viele Mitglieder in Kier ?
A . Sz .: Überhaupt keine . SB : Überhaupt keine ?
A . Sz .: Nein , nicht das ich wüsste ! Die Bewegung hat Kier wahrscheinlich nicht erreicht . Die Kierer sind bis nach Tolnau / Tolna gekommen , dort sind sie immer eingezogen worden , die Männer . So haben sie mit Tolnau / Tolna Kontakt gehabt : Bochart / Sárbogárd , Badeseck / Bátaszék … Von der Treuebewegung habe ich keine Informationen .
SB : Noch eine letzte Frage zu diesem Thema , wie war die Situation mit den Kriegsgefangenen des Dorfes ?
A . Sz .: Die , die nach 1947 heimkehrten , waren - meines Wissens - nur ein paar , die sind aber untergetaucht , denn sie wollten zu ihren Eltern nach Deutschland . Und die hat man dann an der Grenze erwischt . Zum Teil sind sie ins Gefängnis gekommen , andere sind geflüchtet und haben sich hier im Dorf aufgehalten . Manche sind später zurückgekommen von der Gefangenschaft bzw . von Malenkij Robot , die meisten sind in Kier geblieben . Die in Tiszalök eingesperrt waren , die sind nach Deutschland . In Tiszalök waren die , die sich freiwillig in die SS gemeldet haben bzw . die dann 1944 zwangsweise rekrutiert worden sind . Aus Tiszalök ist niemand nach Kier zurückgekehrt .
SB : Vielen Dank für das Interview !
Das Interview bereiteten vor und führten Brigitta Sziklai und Armin Stein . s
„ Der Weg – Ungarndeutsche Zeitreise ”: Das ungarndeutsche Gesellschaftsspiel der LdU ist erschienen
15 . April 2021 - Quelle : LdU-Presse
Nach langjähriger Arbeit konnte 2020 das ungarndeutsche Gesellschaftsspiel mit dem Titel „ Der Weg – Ungarndeutsche Zeitreise “ in der Herausgabe der LdU verwirklicht werden . Das Projekt wurde vom Bundesministerium des Innern , für Bau und Heimat ( BMI ) gefördert . Das Spiel wurde von Ildikó Jencsik ( Referentin der LdU für das Stipendienprogramm der Nationalitätenpädagogen ) und Károly Radóczy ( Jugendreferent der LdU ) entwickelt und möchte grundsätzlich alle Generationen ab 13 Jahren ansprechen , aber Teile des Spiels können natürlich auch von Jüngeren gespielt werden . Károly Radóczy berichtet über das Projekt .
Die Idee der Entwicklung eines ungarndeutschen Gesellschaftsspiels hatte Ildikó Jencsik bereits Anfang 2018 , die damals noch ihre Grafikerausbildung machte . Sie brauchte eine gute Idee , die sie als Abschlussarbeit erarbeiten kann . Sie wollte ursprünglich das 3D-Modell einer Frau in Schambeker Festtracht mit Computer entwerfen und es dann mit 3D-Drucker drucken . Obwohl es auch eine Menge Arbeit ist , schlug ihr ihr Konsulent vor , einen grafischen Rahmen hinzuzufügen , z . B . ein Katalog oder ein Buch , mit dem auch ein Kontext der Figur dazugegeben werden kann . Und so entstand die Idee , ein ungarndeutsches Gesellschaftsspiel zu machen , in dem die Figuren diese 3D-gedruckten Trachtenfiguren sind .
Ich freute mich sehr über ihr Vorhaben , und versuchte mit allen meinen Mitteln , ihr zu helfen . Wir erarbeiteten gemeinsam die Konzeption , die Spielregeln und die Themenkreise , sie arbeitete an der grafischen Entwicklung und den Trachtenspielfiguren , ich an den Fragen und Antworten , die im Spiel vorkommen . Als Ergebnis damals entstand der handgefertigte Prototyp des Spiels , damals noch mit ganz anderem Design , weniger Fragen , nur eine ungarische Version , aber schon mit den 4 Trachtenspielfiguren , was sie als Abschlussarbeit vorstellte .
Im Sommer 2018 besuchten wir Frau Hock-Englender in Fünfkirchen , die damals die Beirätin der LdU für Bildungswesen war , und stellten ihr den Prototyp vor . Ihr gefiel die Idee sehr und versicherte uns , dass sie hinter dem Projekt stehen wird und hilft , für die Verwirklichung in einer größeren Auflage finanzielle Unterstützung zu finden . Und dann begann die Vorbereitung des jetzigen Spiels , Vereinbarungen mit vielen Druckereien und eine lange Klärungsarbeit beim BMI .
Anfang 2020 war das Spiel immer noch halbfertig , inhaltlich und auch am Design musste noch viel gearbeitet werden . An dieser Stelle möchte ich mich bei unseren Lektoren bedanken , bei László Schindler , der 2018 die erste Version lektorierte , bei Ágnes Amrein-Pesti und Miklós Tencz von dem Valeria Koch Bildungszentrum , die 2020 die zweite Version kontrollierten und uns mit wertvollen Vorschlägen versahen , und bei Ibolya Hock-Englender , die uns unermüdlich half , die Texte , die Fragen und die grafische Erscheinung zur endgültigen Form zu bringen . Es war ein erhebendes Gefühl , als die Druckmaschinen in Fahrt gesetzt wurden , und wir sahen , dass unsere langjährige Arbeit sich endlich der Ziellinie nähert . 500 Exemplare des Spiels wurden angefertigt und wir warten gespannt darauf , wann wir das Spiel der ungarndeutschen Gemeinschaft in physischer Form persönlich vorstellen können .
Ich möchte hier den Anfang des Vorstellungstextes von der Schachtel des Spiels zitieren :
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„ Ein Gesellschaftsspiel , das euch durch die guten und die schlechten Zeiten der Ungarndeutschen führt . Stellt euch vor , ihr
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