ein entscheidender Anfang in der Lösung der „ Deutschen Frage “ erfolgt wäre ( S . 345 ). Diese Einstellung erklärt auch die bittere Erfahrung der überlebenden Opfer , dass Jahre später , als sie ( bei 30 % Verlust ) schwer traumatisiert und geschwächt in ihre Heimat entlassen wurden , die ungarischen Behörden vernehmbar nicht beglückt waren über ihre Rückkehr - war man doch zu jener Zeit gerade erfolgreich dabei , die „ Schwabenfrage “ durch massenhafte Enteignung und Ausweisung Richtung Westen zu Ende zu bringen .
In der umfangreichen und gut strukturierten Monographie wird die Geschichte der Verschleppung der arbeitsfähigen deutschstämmigen Zivilbevölkerung ( Frauen von 18-30 , Männer von 17- 45 Jahren ) aus Ungarn zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion in den Wintermonaten 1944 / 45 beweiskräftig aufgearbeitet . Nach der politischen Wende 1990 erschien eine Vielzahl von Memoiren und Interviewsammlungen mit Überlebenden . Eine wissenschaftlich fundierte , tiefergehende Publikation mit einer breiteren Erschließung der Hintergründe , Abläufe und Folgen bis hin zur Analyse des Nachlebens der Deportation wie Stigmatisierung , Tabuisierung und politische Instrumentalisierung des Themas im Rahmen der jüngsten regierungsamtlich orchestrierten Pflege der nationalen Erinnerungskultur fehlte aber noch . Beate Márkus , deren schwäbische Familie auch nicht verschont wurde , greift all diese verdrängten Aspekte zum Thema freimütig auf . Sie hat mit ihrem Werk der ungarischen Geschichtsschreibung und dem Andenken der verschleppten Ungarndeutschen einen achtbaren Dienst erwiesen . Die Veröffentlichung kann als weitgehende Aufarbeitung des Themas bezeichnet werden .
Die Autorin führt die Leser zunächst in den Forschungstand ein , greift weit aus in der historischen Kontextualisierung von Arbeits- und Straflagern in der Sowjetunion ( Stichwort : Gulag ) - von Kriegsgefangenenlagern und Zwangsarbeiterlagern . Sie skizziert die Siedlungsgeographie der Deutschen in Ungarn und behandelt die in der Zwischenkriegszeit entstandene ethnopolitische Konfliktlage , die zu der Überzeugung der politischen Führung und der schwabenfeindlichen völkischen Schriftsteller des Landes führte , dass die Zeit zur Lösung des „ deutschen Problems “ mit dem Anlass der sowjetischen Forderung von Reparationen in menschlicher Arbeitskraft als günstige Gelegenheit gekommen sei . Die Durchführung der Deportation wird am Beispiel von vier Siedlungsregionen der Ungarndeutschen dargestellt . Die virulent gewordene Überzeugung in Ungarn , dass die Anwesenheit jener Deutschen , die an ihrer angestammten Sprache und Identität festhalten , nicht mehr erwünscht sei , wurde in die politische Praxis umgesetzt . Deshalb wurde bei der Bestimmung der Auswahlkriterien der zu Deportierenden nicht die deutsche Herkunft , sondern das Bekenntnis zur deutschen Muttersprache oder Identität , die kulturelle und politische Orientierung der Ungarndeutschen maßgebend . Die bereits assimilierten - im ungarischen Sinne - „ guten “ Deutschen sollten verschont werden , alle anderen , die „ schlechten “ Deutschen , wurden rigoros zum Gang in die ( für viele ) todbringenden Arbeitslager gezwungen . Mit seiner diesbezüglichen Verordnung vom 5 . Januar 1945 hat Innenminister Erdei die Deportierung der „ schlechten “ Ungarndeutschen auch rechtlich sanktioniert , erschließt die Autorin in beindruckender Deutlichkeit ( S . 112 ).
Eine deutschsprachige Zusammenfassung schließt das mit einer aufwändigen , 30-seitigen tabellarischen Dokumentation versehene und vorbildlich von Quellenbelegen und Literaturhinweisen nebst Registern flankierte Werk .
Abschiedsgesänge zum Heimgang von Traude
Von Hans Dama
Ewiger Abschied
Dein Schatten schwebt durch all die Räume , Durch die Regale schleicht dein Geist ; In Nischen schlummern alte Träume , Deine Präsenz ist sanft entgleist .
Fern hast du dich zurückgezogen . Der Gegenwart bist du entflohn . Als wär ‘ n wir dir nicht mehr gewogen , Zu billig deines Lebens Lohn ?
Du gleitest nun durch andre Welten , Dein Sein ja dort zuhause scheint . Doch Sehnsucht nach dem Hier – nicht selten , wenn unser Aug auch Tränen weint .
14.2.2021
Trennung
Dein Schatten drückt sich an die Wand , mich streichelt unsichtbare Hand , das Blut stockt in den Adern . Nichts zeigt sich an des Blickes Rand , verödet döst das weite Land , das Schicksal will nun hadern scheinbar mit meinem , unserm Los in Lebensspeichen greifen : Ein Abschied ist es scheinbar – bloß : den müssen wir begreifen …
Feber-März 2021
Verflogene Seele
Was ist die verflogene Seele ? Ein ruhelos wandelnder Stern , Der unablässig mir quäle Das blutende Herz aus der Fern ?
Mich kacheln Erinnerungsfliesen Gedächtnis in üppigen Jahren Und amplifizierend verdrießen Die Blicke , die heiter einst waren .
Und Trübsal hält stets mich gefangen , Beklettet den Sinn mir , das Sein … Löscht aus jedes hehre Verlangen , Lässt zu nur des Herzens Pein …
Versunken in stillvollen Tagen , Gemütsüberlastet als Qual , Begleitet von tausenden Fragen : Was ist nur des Lebens Wahl ?
* Márkus Beáta : „ Csak egy csepp német vér . A német származású civilek Szovjetunióba deportálása Magyarországról 1944 / 1945 . 469 Seiten , Kronosz-Verlag , 2020 , Pécs / Fünfkirchen
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