Sonntagsblatt 2/2021 | Seite 3

Jahren , am 21 . April 1721 unterschrieben wurde . Aus dem ersten Punkt des Kontraktes geht hervor , dass von der Ansiedlung selbst bis zum Schließen des Ansiedlungsvertrages nur eine kurze Zeit verflossen sein konnte . Für die Wuderscher war noch der fünfte Punkt von großer Bedeutung , wonach sie beim Anlegen von Weingärten fünf Jahre steuerfrei waren und keine Herrschaftsabgabe - kein „ Neuntel ” - leisten mussten . Darin lag der zukünftige Wohlstand der Gemeinde mit begründet . Eine harte Arbeit setzte jedoch ein ; unsere Ahnen mussten ein völlig verwüstetes Gebiet urbar machen . Sie , die Wuderscher ( bei der ersten Ansiedlung etwa 500 Personen ), schufen aus dem ihnen zur Verfügung gestellten Pachtland in unermüdlichen Leistungen eine Kulturlandschaft . Von ihnen und von den Herkunftsorten der ersten großen Gruppe der deutschen Ansiedler , welche um 1720 nach Wudersch zogen , wissen wir leider nicht viel . Bei der zweiten Gruppe , die in den 1740ern nach der Pestseuche angesiedelt wurde , können wir wegen ihrer mittelbairischen Mundart auf die Heimat der Familien schließen , aber nicht immer , da sich die Anderssprechenden sprachlich dem bairischen Dialekt angeglichen hatten .
Für die wirtschaftlich völlig gesunde Gemeinde war das Jahr 1766 von geschichtlicher Bedeutung . In diesem Jahr hatte die Familie Zichy ihren langwierigen Prozess gegen die Kronherrschaft verloren und so wurde die Altofner Herrschaft - folglich auch Wudersch - kraft der Unveräußerlichkeit der Güter der Heiligen Ungarischen Krone den Kameralgütern wieder angeschlossen . Wudersch hatte mehr als 100 Jahre lang den Zichys gehört und die Wuderscher richteten aus diesem Anlass an die damalige Grundherrin ein Dankschreiben . Beim Lesen dieser Zeilen erfahren wir , dass unsere Ahnen der Familie Zichy in aufrichtiger Liebe und Dankbarkeit zugetan waren . Peter Zichy und sein Sohn Nikolaus Zichy erwiesen den Wuderscher Bewohnern gegenüber viel Verständnis und Zuneigung . Nikolaus Zichy unterstützte die Gemeinde , wo er nur konnte , so auch im Jahre 1738 , als die Wuderscher eine eigene Kirche und Schule errichteten . Die beinahe nur von deutschen Siedlern bewohnte Gemeinde sah zu dieser Zeit auch wirtschaftlich einer Blüte entgegen und hatte ein Jahr nach der Übergabe an die Regierung Maria Theresias 920 Einwohner . Für das Jahr 1780 lesen wir in der „ Canonica Visitatio ”, dass von 1354 Einwohnern 1346 Personen dem Volkstum und der Sprache nach deutsch und 8 Personen slawisch waren , aber auch Letztere sprachen gut Deutsch .
Quelle : Budaörser Heimatbuch , Stuttgart , 1952
Zu einer Heimatmuseum-Zeitreise geht es hier : http :// heimatmuseum . hu / hu / budaors-vor-300-jahren # pics
“ Svabahba mennek “
Erster Teil des SB-Interviews mit Ehrennadel-in-Gold-Trägerin Agnes Szauer
SB : Als erstes würde ich am liebsten über die Ehrennadel mit dir reden . Also was bedeutet dir die Auszeichnung ? Wie war das Gefühl , sie zu bekommen ?
A . Sz .: Es war ein sehr schönes Gefühl , ehrlich gesagt . Ja , ich war schon überrascht , weißt du !? Ich bin lange weg von der ungarndeutschen Gemeinschaft , ich bin nicht mehr so aktiv drin wie früher . Wo man mich angerufen hat , dass ich die Ehrennadel bekomme , war ich schon überrascht . Da hat man mir das nicht verraten , wer mich vorgeschlagen hat . Später hat es sich herausgestellt , dass es die Kierer waren und dann war die Freude umso größer , muss ich ehrlich sagen , weil das sie initiiert haben , die haben mich vorgeschlagen , sich die Mühe gemacht , das hat
SoNNTAGSBLATT mich sehr glücklich gemacht . In Kier / Németkér gibt es eine neue Vorsitzende der deutschen Selbstverwaltung . Ihr Vorgänger war da 25 Jahre lang , ihm ist es wahrscheinlich nicht eingefallen . Die Neue ist erst seit einem Jahr im Amt , es hat mich gefreut , dass sie das auf sich genommen hat . Das war schon ein gutes Gefühl .
SB : Das ist dann eine nette Geste zum Antritt der neuen Vorsitzenden gewesen .
A . Sz .: Ja , sicher ! Sie tanzt seit langem mit in der Tanzgruppe . Mit der Tanzgruppe bin ich sehr oft auf Veranstaltungen im Inund auch im Ausland . Vor vielen Jahren habe ich zum Beispiel einen Haufen Glasnegative in die Hand gedrückt bekommen , diese habe ich eingescannt und bearbeitet , habe daraus einen Vortrag gemacht , also Dias , Fotos , Geschichte von Kier , kleine Geschichtchen aus und über Kier und die ‚ abgelichteten ‘ Personen . Bei diesen Vorführungen machen Tanzgruppe und Chor mit . Ich habe die Auswahl gemacht und der Chor singt immer wieder zum Themenkreis passende deutsche Lieder . Die Tanzgruppe führt die Tracht bzw . Tanzstücke vor . Das haben wir paar Mal aufgeführt , das hat sowohl den Teilnehmern als auch mir sehr viel Spaß gemacht . In den letzten Jahren haben wir dann auch noch mehrere Gedenkveranstaltungen zusammen gemacht - die eine anlässlich der Vertreibung der Deutschen , also vor allem zum Gedenken der größten Vertreibung 1946 . Am 5 . Juni passierte es : Mehr als tausend Leute sind auf einmal rausgeschmissen worden . Ich habe die Tänzer angesprochen , ob sie mitmachen würden und sie haben aufs Erste sofort zugesagt . Das Ganze habe ich initiiert und auch organisiert , weißt du , das war ein sehr gutes Gefühl , dass die jungen Leute alle mitgemacht haben : 30 Leute – wie damals in einem Waggon - , unter anderem noch Ältere aus dem Chor , nahmen die Rolle der Vertriebenen auf sich - in authentischen Kleidern mit Bündeln und Koffern in der Hand . Später im Jahr 2018 haben wir dann die 200-Jahr-Feier der Einweihung der Kirche gehabt , an der auch alle - Sänger wie Tänzer - teilgenommen haben ; es ist erfreulich , dass sie mitmachen . Ich glaube - oder hoffe , dass der Vorschlag der Vorsitzenden von ihnen auch unterstützt wurde .
SB : Du hast auch gerade gesagt , dass du auch die jüngere und auch die ältere Generation da mit einbeziehen konntest - das bindet auch so schön gleich in meine nächste Frage ein . Ich habe mir deinen Lebenslauf angesehen . Ich habe auch einige Sachen über dich im Internet gefunden . Es gab auch eine Sendung in „ Unser Bildschirm “ mit dir und über dich . Du bist Nationalitätenpädagogin , Lokalpatriotin , warst Nationalitätenpolitikerin . Aber wie würdest du dich selbst beschreiben ?
A . Sz .: Weißt du , das ist schwer zu beantworten . Ich habe fast immer dasselbe gemacht , Armin , das muss ich sagen . Ich habe die Pädagogische Hochschule in Fünfkirchen absolviert . Nach dem Studium bin ich dann zurück in mein Heimatdorf gegangen . Mein Professor , Dr . Szende , hat gesagt , man kann nicht so verrückt sein , dass man in seine eigene Heimat zurückkehrt . Niemand wird in seiner Heimat Prophet werden . Und ich , wie so ein braves Mädchen , habe gesagt : „ Aber ich habe das meinem Direktor versprochen “. So nachhinein kann man sagen , das war ein bisschen lächerlich . Aber irgendwie habe ich das Gefühl gehabt , das bin ich ihm schuldig , ich habe ja zugesagt , ich habe mein Praktikum dort gemacht und er hat mit mir gerechnet . Und warum auch nicht ? Dann war ich vier Jahre dort , habe eben eine Klasse bis zur achten Klasse begleitet . Und jedes Jahr hat mir der Professor Szende einen Vorschlag , ein Angebot gemacht : Ich soll diese Stelle annehmen , ich soll mich da bewerben , da und da . Ja , so selbstsicher bin ich ja nicht gewesen , die ersten hab ich nicht wahrgenommen - und sowieso - ich habe mir das schon immer so vorgestellt , ich werde Lehrerin , warum sollte ich jetzt was anderes anfangen oder versuchen ? Dann im dritten Jahr kam das Angebot mit Ödenburg – und da habe ich schon das Gefühl gehabt : „ Ja , jetzt habe ich Kier ausprobiert und jetzt könnte ich ein Stück weitergehen “. Meine Eltern haben gemeint : „ Mensch , aber warum so weit weg ? Um Gottes willen !“ Damals war das am Ende der Welt für uns in der Tolnau . Der Verkehr war auch umständlich …
( Fortsetzung auf Seite 4 )
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