Sonntagsblatt 2/2021 | Page 2

„ Um in der Welt Erfolg zu haben , braucht man Tugenden , die beliebt , und Fehler , die gefürchtet machen .”
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Leitartikel
- Joseph Joubert
Tugenden für mehr Deutsch bei den Ungarndeutschen
Von Armin Stein
Die Lage
Die Situation der deutschen Sprache innerhalb der ungarndeutschen Minderheit ist leider immer noch problematisch . Es ist Normalität für Kinder und Jugendliche die deutsche Sprache zum ersten Mal erst in einer Bildungseinrichtung anzutreffen . Diese Situation führt zu einem speziellen Verhältnis der Kinder zu der deutschen Sprache . Für die ungarndeutsche Gemeinschaft ist es jedoch unerlässlich Kindern ohne muttersprachlichen Hintergrund eine Möglichkeit zu bieten , sich nicht nur im Rahmen der Traditionen , sondern auch im Feld der deutschen Sprache einbringen zu können . Inzwischen stellen diejenigen ungarndeutschen Jugendlichen die Mehrheit , denen ein Bild des modernen Ungarndeutschtums nicht vermittelt wurde . Institutionen können diese Aufgabe allein nicht bewältigen , Familien und die Gemeinschaft im Großen und Ganzen sind dazu von Nöten . In den folgenden Zeilen schildere ich , was wir als ungarndeutsche Gemeinschaft besser machen sollten , um unseren Jugendlichen eine „ ungarndeutsche “ Perspektive aufzeigen zu können .
Motivation
Muttersprachler der deutschen Sprache zu sein , ist in den meisten Fällen kein Eigenverdienst , sondern ein Ergebnis des persönlichen Umfeldes und der Lebensumstände . Dies ist ein Vorteil , über den viele Ungarndeutsche nicht verfügen . Aus diesem Grund ist es wichtig , dass die Gemeinschaft die Motivation aufbringt Plattformen für Lernwillige zu schaffen . Diese können analog , digital oder eine Kombination derer sein , Hauptsache , es bietet sich die Möglichkeit deutsch in einem ungezwungenen und inoffiziellen Umfeld zu sprechen ! Wir Ungarndeutsche leben immer mehr in einer Art Diaspora , wo man im Alltag kaum Kontakt zu anderen Ungarndeutschen hat . Der Kompensation des Verlustes der traditionellen Gemeinschaft dient die Möglichkeit Kontakt auch über das Internet zu halten . Diese Strukturen benötigen keine Investitionen oder Institutionen um sie zu stützten , Internetzugang und ein guter Grundsatz sind ausreichend .
Toleranz

Deutsch zu lernen ist kein einfaches Unterfangen . Die eigenen Gedanken auf Deutsch auszudrücken , egal ob in Wort oder Schrift , ist für Nichtmuttersprachler oft ein Akt der Selbstüberwindung , welchem Respekt gebührt , besonders , wenn die Gesprächspartner oder Leser Muttersprachler sind . Deshalb ist es wichtig als Muttersprachler nicht in die Rolle des Oberlehrers zu schlüpfen und alle Fehler , die gemacht wurden , zu korrigieren . Vielmehr ist es erstrebenswert eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen , in welcher sich eventuelle Hemmungen gegenüber dem Deutschsprechen lösen . s

Disziplin
„ És akkor mostantól magyarul …“ Leider ist uns allen dieser Satz nur allzu gut bekannt . Ungarisch in einem Umfeld zu sprechen , wo jeder Ungarisch auf dem Niveau eines Muttersprachlers kann , ist meist die einfachste und bequemste Entscheidung . Jedoch genau diese Herangehensweise ist fehlerhaft . Die Muttersprachler müssen in sich die Motivation finden Deutsch konsequent „ durchzuziehen “, auch wenn dies eine Wiederholung oder die Verlangsamung der Vermittlung von Inhalten verursacht . Diese Konsequenz schafft nicht nur Motivation für alle , die Deutsch lernen , dies weiterzuführen , es ist auch eine gute Möglichkeit ihr Sprachverständnis zu verbessern .
Fazit
Das Wiedererwerben der deutschen Sprache hängt in entscheidendem Maße vom Willen der ungarndeutschen Gemeinschaft ab . Dieser Artikel zeigt eine mögliche Herangehensweise für Ungarndeutsche an die Verbesserung der Sprachsituation auf . Es lässt sich konstatieren , dass die oben genannten Maßnahmen nicht zum Spracherwerb einer ganzen Generation führen werden . Jedoch müssen wir uns der Wahrheit stellen , dass allein auf den schulischen Deutschunterricht zu hoffen die erwünschten Ergebnisse nicht liefern wird . Um einen Wiedererwerb der deutschen Sprache zu fördern , sind familiäre Strukturen , deutschsprachige Plattformen und der schulische Deutschunterricht zusammen notwendig
Aktuelles
Unsere Heimat Wudersch / Budaörs vor 300 Jahren und eine kleine Heimatmuseum-Zeitreise
Jakob-Bleyer-Heimatmuseum Wudersch / Budaörs
In der Gegend des heutigen Wudersch wohnten schon in der Urzeit Menschen und aufgrund der gefundenen Teile eines Mithras-Tempels am Rande der Gemeinde können wir auf römische Bewohner schließen . Die Herausbildung des heutigen Stadtbildes und des kulturellen Erbes begann aber dank der Familie Zichy vor 300 Jahren .
Die Verheerungen des Türkenkrieges verschonten auch Wudersch nicht , das bei den Kämpfen sogar einen Teil des Kriegsschauplatzes bildete . An diese Türkenzeit erinnern uns die Namen des Felsengipfels „ Türkensprung ” - wo sich nach Volksüberlieferung der letzte türkische Kommandant auf seinem Schlachtross reitend in den Abgrund gestürzt hat - und auch der „ Vierundzwanzig Ochsenberg ”, auf den die Türken mit 24 Ochsen ihre letzte Kanone hinaufgezogen hatten . Im Juli 1659 erhielt Graf Stefan Zichy von König Leopold I . die Altofner und die Plintenburger Herrschaft . Dazu gehörten auch elf Ortschaften des damaligen Komitates Pilisch - so auch Wudersch - und so gelangte unsere Gemeinde in den Besitz der Familie Zichy , welcher die deutschen Ansiedler zu großem Dank verpflichtet sind . Denn nach der Vertreibung des Türkenheeres bemühten sich Privatgrundherren - wie auch die Familie Zichy - fleißige deutsche Bauern ins Land zu holen , da es an Arbeitskräften fehlte .
Nach historischen Quellen kamen unsere deutschen Siedlerahnen zwischen 1718 und 1720 nach Wudersch . Den Beweis dafür liefert uns ein für die Gemeinde wichtiges Dokument , der Ansiedlungsvertrag zwischen der Gräfin Zichy Frau Susanna Bercsényi und den ersten deutschen Bewohnern , der vor 300

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