ner . Ich khann mich noch so ziemlich versorche . A Weib khummt jeden Tag ( eine Fürsorgerin ). Ti macht mr alles , was ich net khann . Einkafe , zum Doktr gehn , Einemsach ( Arznei , „ Sachen zum Einnehmen ”, Red .) hole , Bett iwerziehn , die Wäsch aufhänge und noch alles , was ich net khann . Die Fürsorgerin khann kha Wort Teitsch . In dr Nachparschaft wohne 2-3 Weiwr , wu noch teitsch rete mit mir , Dialekt .
Mei Kinr rete ti Dialekt Sproch grad so wie ich . Wie sie kla warn , to hume gar net Ungrisch gekennt . To hat an Monat gedauert sein in Kindrgarte komme , to hums glei Ungrisch gelernt und gerett .
Meine Eltern , eine Schwester hat ( te ) ich , mein lieber Mann und Großmutter Onkels , Tante , alles sind ausgestorben , die ganze Verwandtschaft . So bin ich allein in dem Sprichwort „ krumpuchliche ( krummer Buckel , Red .) Welt ”, überhaupt , weil die ganze Welt voll ist mit dr Kronekrankheit . Muss immer im Zimmer bleiben , wo ich immer traurig bin . Die Kinr sein ausfloge . Die Arweit , khenne wenich kumme ! Nor mit dr Nachprsweiwer khann ich rete im Telefon . To is mei Glick , dass 9 Witwe sein . Was khenne mir rete miteinander ?
Wie es frieer war : Mir warn arm , awar klicklich , solang die Kinrjahr ‘ dauert . Ich sah immr : Mir hun dr Zwate Weltkrieg mitgemacht . Angst hatte mir auch schon von den Russe , weil die erwacksan warn immer uf am Weg . Die Frauen mussten sich immer flüchten ! Dann ist die Auswanderung khuma , ts a ( uch ) erlebt ! Jest ist die Kronevirus , to humr jest Angst . Vielleicht nehmt uns amol mit von dr Welt . Mei Kroßmadr hat uns verzählt immr : Die Leit , wenn schlecht wärn , klawe nimmr und am End werde die Leit sterwe , dass nur so viel Leit bleiwe , was unerm an Schattepam ( unter dem Schatten eines Baumes , Red .) Platz haben . Ich wert eire Stoor ( Schnur , Red .) abschneid lass . Kanns umkleide : Die Röcke ausziehn , die Hose anziehn . Mit net hun wir ksat ( Man wird nie satt , Red .), weil die Arme wera sich o ziche ( weil die Armen werden sich anziehen , Red .) wie die Reiche und wern gehn wie die Narren . Viel Feuer und Regen khebs Verschwemmungen , durch Wasser und Wind wert Sommr sein , Sommr wert Wintr sein . Soviel Ungeziefer wern in dr Erd , die wern alles uffressen . Dr nock kumese ( noch komme sie , Red .) an die Leit . Wadrn wern ihre Kinr umprin ( g ) e und Kinr ihre Eltern . Viele Krankheit gibt es , viel wern sterwe . Kroßmadr war im 1870 Jahr geboren . Wir als Kinr wollte tes net klawa . Heit ist alles wahr .
1947 kommen zwei junge Männer mit einem Papier : „ Ihr seid auf den Listen , müsst raus aus dem Haus ! Ihr seid Kriegsvrbechr !” Mein Vater saat , wohin selle mir khe ? „ In anr Stund messt ihr tha Haus verlasse !” Mer hun net getraut frohe . Ja , ist unser Noma uf am Papier ? Mein Wadr warn 10 Schwistr . 5 sein starwa , 5 sein kroß wan . Mein Wadr is im Elternhaus gebliewe . Die Kwister ( Geschwister , Red .) und alle warn schon fast geliewert . An gute Mann hat uns hie genumme : Waschape ( Waschküche , Red .) 4 x 3 Meter ; to sein mir hiekomme , Wadr , Madr , Kroßmadr , mei Schwestr mit 19 Jahr und ich mit 13 Jahr alt - 2 Bettr , 1 Tisch , 4 Stihl ( Stühle , Red .) und 1 Kist ( Trüge ). Mir hats kha Bett getroffe . Dr Waschape ( Waschküche , Red .) war uf , da war kha Tier und kha Fenster . 3 Monat hun wir tart gewohnt . Ich hun immer uf dr Kist ( Trüge ) geschlafen . Nu humr an Platz krie ( g ) t , to wa ( r ) n schun 3 Familie ( n ) gewohnt .
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Ich war sehr fleißig und gut im Lernen . Ich habe nur 4 Klassen Deutsch gelernt . Aber die gotischen Buchstaben khann ich heute noch gut lesen . Da kam der Zweite Weltkrieg ( die Russen ), da sind wir nicht jeden Tag in die Schule gegangen . Die Lehrer mussten einrücken , da war khein deutscher Lehrer mehr . Eine Lehrerin ist khommen , wo kein Wort Deutsch konnte , nur Ungarisch ! Damals waren nur 6 Klassen . Im selben Jahr kham es , 8 Klassen mussten wir lernen schon . Hätte wollen weiterlernen ! Im Nachbarsdorf war eine polgári Schule . Ich hatte keine Kleidung , keine Schuhe , dann konnte ich nicht weiterlernen . Nur Holzklumba ( Holzklumpe , Holzschuh , Red .)! Da sind wir in die Nachbardörfer gegangen : Szakály , Regöly , Pincehely usw . Morgen 5 Uhr weggegangen und abends vielmals 10 Uhr nach Haus gekommen ! Taglohn war 6 Forint bei Tag und das Essen ! Nächstes Jahr bin ich schon zu der Dreschmaschine gegangen . Genährt war ich sehr arm . Dann bin ich krank geworden und habe ein Jahr nichts Schweres arbeiten dürfen . Ich bin heute noch krank . Ich habe einen Glauben , Jesus und Maria haben mir immer geholfen . Mit meiner Familie haben wir drei Häuser gebaut ( und umgebaut ). Jest bin ich allein in einem Familienhaus . Zeit habe ich jest dazu . Ich schaue immer österreichische und deutsche Sendung ( en ). Katholisches Fernsehen , da kommen täglich 2-3 Messen , Gottesdienste - wo ich Interesse hab . Ich sage immer das Zitat : „ Meinen Glauben und Muttersprache kann mir niemand wegnehmen .” Wir sind eine katholische Familie .
Und zum Schluss ein Gebet im Dialekt :
Im Gotts Noma schlaff khanna ( schlafen gegangen ) 14 Engl mitmr khane ( gegangen ) Zwa zu dr Kop ( f ) ts . Zwa zu dr Fusset Zwa zu dr rechte Seit , zwa zu dr linke Seit Zwa solle mich wecke , zwa solle mich decke Und zwa solle mich fiehre ins Himmelreich . Amen .
mein ( ungarn- ) deutschtum ( 33 )
Verbundheit in zwei Richtungen – Szabolcs Bárdos-Blatt über Wurzeln , Treue und Identität
Meine Identität war lange Zeit nicht klar , auch jetzt entwickelt sie sich noch . Obwohl ich immer wusste , dass ich über einen deutschen Hintergrund verfüge , war diese Tatsache ein schwieriger Punkt für mich .
Warum ? Lassen Sie mich das bitte erklären !
Meine Mutter ist eine Ungarin , die aber Siebenbürger sächsische Wurzeln hat . Väterlicherseits habe ich fast ausschließlich donauschwäbische Vorfahren , die alteingesessene Kimlinger ( Dunakömlőd ) und Pakscher ( Paks ) sind . Trotz alledem haben weder mein Vater noch meine Mutter ein deutsches Selbstbewusstsein - ja beide haben eine starke Liebe nicht nur zu Ungarn , sondern auch zum madjarischen Volk , als dessen Teil sie sich definieren .
Ich spürte aber keine Vollkommenheit in diesem Bereich - ich dachte , als ich noch ein Kind und Teenager war , dass ich madjarisch werden soll – ohne jemals eine familiäre Verbindung mit der “ schwäbischen ” Kultur oder Sprache gemacht zu haben . Meine Muttersprache ist ungarisch , ich habe erst ab der vierten Klasse Deutsch gelernt . Das Dorf , wo ich aufgewachsen bin ( Fadd - Komitat Tolnau ), hatte nie eine deutsche Gemeinschaft . Als ich jung war , vermied ich jeglichen deutschen Einfluss - nicht nur unbewusst , sondern auch bewusst : Ich wollte immer ein Madjare und kein Deutscher sein .
Die erste große Änderung brachte die Wahl der weiterführenden Schule . Ich besuchte sechs Jahre lang das Evangelische Gymnasium „ Sándor Petőfi ” in Bonnhard ( Bonyhád ). Von dem nordöstlichsten Rand der Schwäbischen Türkei zog ich ins Herz dieses Gebiets um . Diese sechs Jahre verbrachte ich in einem ausgeprägten deutschen Milieu - und nach einer Weile wurde dies für mich sehr lästig und frustrierend . Ich begegnete einer ungarndeutschen Mentalität , die auch mich prägt , obwohl ich zu 100 Prozent assimiliert war . Ich war auch arbeitsfreudig und am-
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