Sonntagsblatt 2/2021 | Page 20

der aus der Rákosi-Ära zur Welt . Welch ein Unterschied in der zwischenzeitlich erfolgten Liberalisierung in der Familien-Politik ! „ Leidig ” ist das Thema Demographie für uns Ungarndeutsche u . a . auch hinsichtlich Abwanderung („ Wenn das Dorf stirbt ”) so wie auch in Bezug Volkszählung . Das Aus- oder Absterben von manchen Dörfern ist freilich nicht nur ethnisch , also aus ungarndeutscher Sicht ein trauriges Merkmal , obwohl schwäbische ( auch von Schwaben bewohnte ) Dörfer sicherlich mehr dieser Gefahr ausgesetzt sind . Beim Abwandern unserer Landsleute in deutsches Sprachgebiet spielt auch die vor Jahrzehnten erfolgte Entwurzelung ( noch ) eine Rolle , wie auch das instinktgemäß noch vorhandene ( sprachliche / kulturelle ) Zugehörigkeitsgefühl .
Ja , ein „ merkwürdiges ” Gefühl ! Leider kommt dieses auch bei den ( bisher „ namenlosen ”) Volkszählungen zum Ausdruck , indem sich unsere Landsleute anstatt eines standhaften Bekenntnisses in Sachen Muttersprache und Nationalität in ein Versteckspiel begeben und eine Mischmasch-Erklärung ( oder gar keine ) abgeben . Ist das immer noch die Folge von Angst ( wegen ehemaliger Diskriminierungen )? – oder einfach nur Unwissenheit und Feigheit ? Die in diesem Jahr fällige Volkszählung wurde nun auf Herbst nächsten Jahres verschoben , aber immer noch mit der Neuregelung , dass diesmal auch die ’ richtigen ’ Namen angegeben werden müssen ( die dann – laut Gesetz – ‘ pseudonymisiert ‘ werden sollen ). Hier ist gute Aufklärungsarbeit gefragt . Zuständig dafür sind die Amtsträger der Selbstverwaltungen , der Vereine und der Presse . Eine Bewährungsaufgabe der Betroffenen . Bisher erfahre ich aber nur Windstille in Sachen Volkszählung , keine Aufmunterung und Ermutigung zu einem deutschbewussten Bekenntnis .
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Ach , „ Wo der Schuh drückt ” – Leitartikel im SB 4 / 2020
Anscheinend – laut Herrn Guth – drückt er allerorts , hinten und vorne , oben und unten . Nun , was dann ? Wo / wie ist Abhilfe zu finden ? Gute Frage und schwierig darauf die richtige Antwort zu erraten ! Ich empfehle unseren Landsleuten , insbesondere allen Sonntagsblatt-Lesern , besagten Artikel ( in SB 4 / 2020 , S . 1-3 ) wiederholt und aufmerksam durchzugehen , um die vom drückenden Schuh verursachten Wunden festzustellen und richtig deuten zu können . Ja , und dann selber auch eine entsprechende Heilsalbe kreieren und darlegen ! Freilich , dieses Schuhdrücken verursacht keinen körperlichen Schmerz und bereitet daher – leider – den Leidtragenden keine ( oder kaum ) Sorgen .
Herr Guth , Autor besagten Artikels , hat bereits guten Anfang auf dem Wege der „ Heilung ” gemacht und hat damit eine sensationelle Wunderleistung - eine Merkwürdigkeit - vollbracht . Er hat über Telefon das Land , ja die Welt durchkämmt , hat alle Sonntagsblatt-Empfänger angesprochen und nach Lage , Erfahrung und Meinung befragt . ( Habe darüber bereits in meinem Beitrag „ Weißt DU …?”, SB 4 / 2020 , S . 13-14 , geschrieben !) Nun weiß er , wie und was man über das Sonntagsblatt denkt und auch wie es so allgemein um das Ungarndeutschtum bestellt ist . Sehr wichtig dieses Wissen ! Nur , was kann man damit anfangen ? Darüber sollten wir uns gemeinsam Gedanken machen . Auch hätte Herr Guth manch interessierten Leser zur Mitarbeit – Berichterstattung , Meinungsbildung – animieren können / sollen .
Drückt der Schuh , so kommt er wahrscheinlich von einem schlechten Meister . Der Schuh ist falsch „ konstruiert ”, er ist verdreht oder einfach zu eng ! Man kann versuchen , den Schuh zu reparieren , zu dehnen . Am besten ist jedoch , man tauscht ihn aus , auf einen passenden . Und den Meister schickt man zum Teufel !
Unsere deutsche Volksgruppe in Ungarn hat leider schlechte Schuhe . Sie drücken - wie schon gesagt - vorn und hinten , oben und unten . Doch die Hersteller dieser Schuhe wollen (?) das nicht merken . Mit schönem Zureden und teurer Creme trachten sie eine Besserung - immerhin einen schönen Glanz - erreichen zu können . Man erbringt auf Landesebene selig und fröhlich machende Beschlüsse , erfindet Wurzeln und schafft Flügel . Auf Dauer ( eigentlich überhaupt , wie das Leben zeigt ) ist dies jedoch keine Lösung des Übels . Die Gesundheit , der Geist der Träger leidet darunter .
Leidet ? Ja , wie das Leben zeigt ! Bitte dazu den SB-Beitrag „ Fünf Jahre danach ” ( Sonntagsblatt 4 / 2020 , S . 6-8 , ebenfalls von Richard Guth ) zu lesen !
Das Wundermittel TRÄGERSCHAFT
Unsere ungarndeutschen Würdenträger wollen – im Einklang mit zuständigen staatlichen Stellen – die Welt überzeugen , dass es in Ungarn deutsche (!) Nationalitätenschulen und Kindergärten gibt . Damit meint man Institutionen in Trägerschaft der deutschen örtlichen Verwaltung oder der Landesselbstverwaltung . Nun , wie „ gut deutsch ” diese sind , geht ja aus dem Artikel hervor oder lässt sich eben erahnen . Ich muss dazu die Frage stellen : Wissen unsere für Bildung zuständigen ungarndeutschen „ Fachkräfte ” überhaupt , was und wie eine wirklich ( ungarn ) deutsche Schule oder ein Kindergarten sein sollten ? Ab und zu kann man wohl in der „ Neue Zeitung “ und auch im Sonntagsblatt Berichte und Schilderungen von Erfahrungen bei Besuchen in Siebenbürgen ( Rumänien ) lesen , wobei man dann staunt , dass es dort wirkliche (!) deutsche Schulen gibt , so , wie es dort auch „ echte ” ungarische Lehranstalten gibt . Letztere so ganz nach dem Motto , wie im ungarischen Fernsehen in der Sendung „ Határok nélkül ”, „ Grenzenlos ” ich gehört habe : „ Olyan magyar iskola , ahol magyar gyerkeket magyar tanerő magyar nyelven és a magyar ősök szellemében tanít és nevel ”, also „ Solche ungarische Schulen , wo ungarische Kinder von ungarischen Fachkräften in ungarischer Sprache und im Geiste der ungarischen Ahnen unterrichtet und erzogen werden ”.
So nebenbei : Einst hat es – wohl nur für kurze Zeit – auch in Ungarn ( echte ) deutsche Bildungseinrichtungen gegeben . Wohl kann man jene Zeit mit der heutigen nicht vergleichen , dennoch sollte man darüber wissen und ich würde gelegentlich gerne meine persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema verraten - nur so als Beispiel zur Aufklärung .
Merkwürdiges Sonntagsblatt ?
Warum ? Ich habe bereits einleitend versucht auf diese Frage einzugehen . Weil jedoch dieser Tage die neue Nummer des Sonntagsblattes ( 1 / 2021 ) mir in die Hände und zu gleicher Zeit über Telefon von einem alten Freund die Frage zu Ohren kam : „ Sag mal , kommt dir das Titelblatt der neuesten Ausgabe nicht erschreckend vor ? Da müssen doch unsere » Jungen Wilden « darüber lachen . Sonntagsblatt und Wochenzeitung Nr . 1 am 1 . März !?!” Nun , ich habe erklärt und beruhigt . Auf die nächste Frage fand ich jedoch keine Erklärung . Warum nicht auch ein Foto in meinem Beitrag vom ursprünglichen Gründer des Sonntagsblattes ( gemeint ist Jakob Bleyer ) zu sehen ist ? Hm , ja ! Und warum so kleine Buchstaben und so eintönig / langweilig die Drucklegung ? Ich wusste darauf nur zu sagen : „ Nur nicht brummen , wird schon kummen !”
Ich selber will nicht Unmut aufkommen lassen , kenne ich doch selber zur Genüge all die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Entstehung und Gestaltung dieser Zeitung . Doch dabei sollte es nicht bleiben ( Wochenzeitung vierteljährlich !?). Weg / Ausweg zur Besserung / Erneuerung muss gesucht und gefunden werden . Bestimmt gibt es Meinungen und Vorschläge dazu , nur der Mut fehlt diese auszusprechen , anzugehen , zu verwirklichen . Wie allgemein ! Als Beispiel : Selten erscheinen „ Meinungen ” im Sonntagsblatt , wenn doch , dann ( überwiegend ) unter Pseudonym . Warum ? Anno in der seligmachenden sozialistischen Zeit schrieb
SoNNTAGSBLATT