Sonntagsblatt 2/2021 | Seite 19

deutschsprachige Schulunterricht jedes Jahr aufs Neue mit Problemen auseinandersetzen muss , die nur mit großer Mühe und meistens nur vorübergehend zu lösen sind . Dazu kommt noch die generell immer kleinere Anzahl der neu eingeschriebenen Schüler , ein Problem , welches auch die deutsche Abteilung betrifft .
Seitens der Stadtverwaltung werden schon seit vielen Jahr Infrastrukturarbeiten unternommen , die aber keine Rücksicht auf den Erhalt einiger für die Zipser spezifischen Elemente vor allem in der Zipserei ( das Zipserviertel aus Oberwischau ) nehmen . Die alten mit Pflastersteinen gebauten Straßen wurden durch Asphalt ersetzt , die Bäume mussten dem Beton weichen usw . Das Bauamt erlässt keinerlei Regelungen , die das Aussehen der Stadt bzw . den Erhalt von alten wertvollen Gebäuden und Zipserhäusern vorsehen .
SB : Sie sind Chefredakteur des Zipserplattls - erzählen Sie bitte ein wenig über das Blatt .
AF : Das Zipserplattl ist im Wesentlichen ein Versuch dem kulturellen Leben der Oberwischauer Deutschen eine weitere Facette hinzuzufügen . In erster Linie aber soll es das Geschehen rund um die Zipser archivieren und für die Nachwelt verfügbar machen . Die Intention der Publikation ist nicht hauptsächlich das Drucken einer tatsachenbetonten aktuellen Zeitung im journalistischen Sinne , sondern ein Medium zu schaffen , das für alle Generationen zugänglich ist , ein Medium , in dem Texte ihren Platz finden , die oft meinungsbetont das beschreiben und wiedergeben , was sich für die Zipsergemeinde Wichtiges zugetragen hat : Themen aus dem Alltagsleben , aus dem Schulwesen , aus der Lokalpolitik und dem Kirchlichen werden behandelt . Außerdem bietet das Zipserplattl den Schülern die Möglichkeit ihre ersten Schreiberfahrungen zu publizieren . Zu den wichtigsten Punkten gehört die Rubrik Literatur in Mundart : Hier erscheint in jeder Ausgabe ein Text in zipserischem Dialekt .
SB : Wie sehen Sie die Zukunft der Oberwischauer Gemeinschaft ?
AF : Ich bin eine eher realistisch eingestellte Person , das auch in Bezug auf die deutsche Gemeinschaft aus Oberwischau . Mir ist klar , dass wir in Zukunft nur mit großer Mühe die Existenz der Oberwischauer Zipser mit all ihren Facetten sichern und weiterführen können . Allerdings ist es jetzt auch nicht viel anders und trotzdem gelingt es uns ein lebendiges und sich stets im positiven Sinne entwickelndes kulturelles Dasein der Zipser zu schaffen . Das wird solange gut gehen , wie lange es Menschen gibt , denen das am Herzen liegt und die dafür ihre Ärmel hochkrempeln . Zurzeit klappt das gut . Wenn an wichtigen Pfeilern wie dem Schulwesen , der Stärkung der Identität samt Traditionen und am Erhalt der kulturellen Artefakte gearbeitet wird , hat die Oberwischauer deutschsprachige Gemeinschaft noch eine lange Zukunft vor sich .
Ansichten - Einsichten
MERKWÜRDIGES SONNTAGSBLATT
SoNNTAGSBLATT
Von Georg Krix ZUM GELEIT
Unter Sonntagsblatt verstehe ich die leider SO SELTEN ER- SCHEINENDE ungarndeutsche Zeitung „ für das deutsche Volk in Ungarn ”, die eigentlich schon – ihrer Seltenheit wegen - umbenannt werden sollte , z . B . als „ Zeitung der vier Jahreszeiten ”. Nachdem ich doch ein aufmerksamer Leser dieser Zeitung bin , so kommt es eben vor , dass ich oft vergesse , was ich im letzten ( Wochen ?) Blatt ( vor drei Monaten oder gar früher ) gelesen habe , was mir damals gefiel oder eben nicht gefallen hat - worauf ich

s auch ( damals ) eine Meinung hatte , sozusagen als Merkwürdigkeit . Ja , vor Jahren ließ ich mich noch oft mit kritischen Bemerkungen hinsichtlich ungarndeutschen Lebens in Ungarn sehen und hören , doch inzwischen bin ich ja älter geworden und auch ungeduldiger . Damit will ich sagen : Ich habe eingesehen , dass meine kritischen Bemerkungen vielleicht manchen Lesern gefallen , jedoch wirkungslos („ für die Katz ”) sind . Sie führen weder zu einer Änderung der kritisierten Missstände , geschweige denn zu einer Meinungsäußerung der Kritisierten ( Personen oder Amtsstuben ) und bewirkten sogar nicht einmal eine Leserzuschrift ( mit Lob oder Tadel bzw . Stellungnahme ).

Doch ein guter Freund sagte mir dieser Tage , es genüge nicht eine „ Wichtigkeit ” ( in meinem Fall : Kritik , Merkwürdigkeit ) einmal zu sagen : Man muss diese ständig wiederholen , sozusagen den Menschen in den Kopf einhämmern , wie einst in unserer Kindheit in der Volksschule , wo wir täglich , ja beinah stündlich immer , bevor der Lehrer zur Stunde in die Klasse trat , das Egyszeregy – Einmaleins - gemeinsam und laut vorleiern mussten . Schließlich haben wir es dann während der ganzen Schulzeit in der Rechenstunde - ja später auch im Leben - gebraucht und gekonnt und es hat manchem Außerwählten im Leben zur Karriere verholfen .
ZUR SACHE
Merkwürdig ist ( für mich ) vor allem , dass ich das heutige - sagen wir „ neue ” - Sonntagsblatt oft ( das soll heißen : manche Beiträge ) nicht verstehe . Die Sprache – obwohl deutsch ! – kommt mir fremd vor und inhaltlich gesehen habe ich Schwierigkeiten den Sinn des Gelesenen zu begreifen . Warum ? Nun , der Grund ist wahrscheinlich bei mir selbst zu suchen . Ich bin eben alt geworden , komme aus einer anderen Welt und habe sicherlich in den letzten Jahrzehnten mit der Entwicklung ( auch auf sprachlichem Gebiet ) nicht Schritt halten können . Als Beispiel könnte ich den Artikel über „… Netzwerkwissenschaften ” anführen ( SB Nr . 4 . 2020 , S . 28 ), weil ich diesen eben zu jener Zeit gelesen habe , als für mich die Frage aktuell war : „ Lasse ich mich impfen oder nicht ?” Ich wollte darin eine Antwort , einen Rat auf meine Frage finden . Ich bin jedoch nicht klüger geworden . So ähnlich erging es mir beim Lesen des Leitartikels in SB 3 / 2020 „ Die Jungen Wilden vom Sonntagsblatt ”. Ich stellte mir die Frage : „ Was war bisher ’ falsch ’ beim Sonntagsblatt ?” „ Und wie tönt die Stimme der neuen Generation der Ungarndeutschen ?”, „ Wer , wie und wie viele sind diese plötzlich auftauchenden Wilden ?” – deren Plattform das SB sein will . Schöne / große Worte ! Doch was soll ich dahinter sehen ? So sehr ich auch meine alten Augen anstrenge , ich sehe – leider - nichts Erfreuliches im Kreise der mich umgebenden ungarndeutschen neuen ( jungen ) Generation . Ich merke nur , dass es nun schon seit Generationen keine Erziehung gibt in Richtung lebendige ungarndeutsche Zukunft . „’ Clicks ’(?) auf die digitalen Plattformen …” – wie Herr Armin Stein meint – werden das Sonntagsblatt nicht in den Himmel heben . Dennoch glaubt unser Freund Dr . Till aus Ofala , dass dies den Jungen Wilden gelingen könnte ( SB 4 / 2020 , S . 31 ). Naja , so ist es halt : Dem Einen der Hafer , dem Anderen das Stroh …
Merkwürdig kam mir der Leitartikel in SB 4 / 2020 „ Wo der Schuh drückt ” vor . Merkwürdig deshalb , da ich nun überzeugt wurde , dass nicht nur bei mir der Schuh drückt bzw . dass sogar auch der ´ Zeitungsschreiber ’, unser guter Herr Guth , ebenfalls die Schmerzen fühlt und mit offenen Augen nach wirksamen Heilkräutern Ausschau hält .
Dabei muss ich ihm jedoch beim Thema „ leidige Demografie ” ( teils ) widersprechen , wo er meint , dass die statistischen Zahlen von einst und heute wohl stimmen , die aber auch verraten , dass zu Zeiten von ’ Väterchen ’ Kádár die damals gehandhabte Strategie für Bevölkerungszuwachs viel erfolgreicher war als die heutige des ’ Tyrannen ’ Orbán . Ja , aber warum ? In den 1970er Jahren kamen bereits die Kinder bzw . Enkel der ehemaligen Ratkó-Kin-
( Fortsetzung auf Seite 20 )
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